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ſelbſt meine Frau,— ach Gott! die— doch ich kann euch ſo nicht Alles er⸗ zählen, es ſchnürt mir die Kehle zu. Aber ſo wahr ich hier vor euch ſtehe, das Alles ſoll anders werden!“—
„Recht ſo, recht ſo“, antwortete Schreiberdietrich, den Alten anfeuernd, „und wie ich euch kenne, ſeid ihr der Mann nicht, der ſich von All' und Jedem auf dem Kopf herumtanzen läßt.“—„Wenigſtens ſoll's am längſten gedauert haben“, ſprach der Grabenmüller und fuhr dann fort:„Schreiberdietrich, wenn ich ſo bedenke, wie ſie's ſchon getrieben haben— und wie ſie's erſt treiben werden, wenn ich mal nicht mehr bin,— möchte mir der Kopf platzen. Für wen habe ich denn nun gearbeitet?— Für Lindners Dirne vielleicht, die ſich dann breit in mein Haus ſetzen würde? Nimmermehr! und wie ich mich kenne, würde mich die Schmach und Schande noch auf dem Todbette peinigen und mich mal ruhelos umgehen laſſen für alle Ewigkeit. Deßhalb,— deßhalb“,— hier ſtockte er wieder.„Schreiberdietrich, ſie zwingen mich dazu,— Gott iſt mein Zeuge! Aber— wie du mir, ſo ich dir; Böſes vertreibt Böſes; und der alte Hirtentobias meinte immer: Auf einen Hundebiß gehören Hundehaare! Verſteht ihr mich? He?“„Noch nicht ganz, Herr Broſemann“, antwortete Schreiberdietrich. „Dummkopf!“ fuhr der Alte auf,„ich hätte euch doch für geſcheidter gehalten. So wiſſet denn, daß ich mein Teſtament machen und den Jungen enterben will, im Falle es ihm nach meinem Tode einfallen ſollte, die Annemarie zu freien. Ver⸗ ſteht ihr mich nun? He?“„Vollkommen“, antwortete Schreiberdietrich und ſprach dann weiter:„Doch wie ich euren Sohn kenne, ſchreckt ihn ſolch' Ma⸗ növer nicht und er heirathet dann erſt recht Annemarie.“„Schreiberdietrich“, ſchrie der Alte auf,„plagt euch denn der leibhaftige Teufel? Haus, Hof, Mühle, Geld, Aecker und Wieſen auf der einen Seite und auf der andern die arme Annemarie? J da müßte ja gleich— der Schlag könnte Einen treffen, wenn der Junge, mein Junge, ſo ein vernagelter Erzeſel ſein ſollte!“—„Und doch, Herr Broſemann, doch,— Hundert gegen Eins! er iſt ſo ein Erzeſel!“ antwortete Schreiberdietrich;„und übrigens laßt eure Faxen; ihr tragt doch nur Waſſer im Siebe und diesmal iſt eure Rechnung ohne den Wirth gemacht. Denn erſtens: vom Enterben kann gar keine Rede ſein, ſondern ihr könnt ihn nur auf's Pflichttheil ſetzen. Und zweitens dann: was das Muttergut betrifft,— dürft ihr ihm da auch nicht einen einzigen Heller vorenthalten. Und glaubt ihr meinen Worten nicht, dann holt mal eure Eheſtiftung her. Ich müßte mich ſehr irren, wenn's da nicht Schwarz auf Weiß ſtehen ſollte, denn ich war da⸗ zumals eurer Mutter Beiſtand, und euer Schwiegervater, der verſtorbene Land⸗ richter, meinte immer: Was geſchrieben iſt, iſt geſchrieben, keine Kuh leckt's ab, keine Krähe ſcharrt's aus!— Oder meint ihr etwa, Philipp wäre nicht zufrieden mit dem bloßen Muttergut? O ganz gewiß, und aus dem einfachen Grunde, weil er dabei immer noch ein wohlſtehender Mann iſt, und die Annemarie hat er auch noch obenein.“
„Advokatenſchmuß!“ rief dann der Alte und ſchloß das Schreibpult auf, worin die Papiere in einem geheimen Schubfach lagen und ſuchte unter einem dicken Stoß die Ehepakten hervor, die er dann dem Schreiberdietrich dar⸗ reichte. Als der eine Weile geblättert hatte, ſprach er:„Da guckt, aber erſt ſetzt euch hübſch die Brille auf, da ſteht's groß und breit!“
Broſemann that wie ihm geheißen und las dann.—
„Wo ich aber auch nur meine Gedanken gehabt habe,“ ſprach er kurz drauf, äußerlich ganz gelaſſen, faltete das Papier wieder ordentlich zuſammen und legte es dann wieder in die Schublade.
Was aber Alles in ſeiner Seele vorgehen mochte, das wußte nur Einer!—
Mürriſch ſetzte er ſich in den Sorgenſtuhl, ſtützte den Kopf ſinnend in die Puud und ſah finſter auf einen Fleck hin. Schreiberdietrich trommelte unterdeſſen an den Fenſterſcheiben und pfiff ganz leiſe eine Tanzweiſe dazu.—


