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Derweilen war Broſemann an den Zaun getreten und reichte dem Schreiber⸗ dietrich die Hand drüber weg,— eine Ehre, die er ihm noch nie erwieſen hatte.
Der Hallunke erkannte dies auch und machte Bücklinge über Bücklinge und erzählte in ſeiner loſen Weiſe Dies und Jenes. Der Grabenmüller hingegen kam immer wieder auf den alten Hübner zurück; daß er ihn erſt noch vor einigen Tagen geſehen, geſund und friſch, und wie doch der Tod oft unerwartet eintrete— heute roth und morgen todt. In Summa: man merkte, daß ihn dieſe Todesbotſchaft ganz abſonderlich ergriffen hatte.
„Und was wird denn nun aus der Bude und der Hand voll Acker?“ fragte er neugieriger als ſonſt,„denn daß die Alte das bischen Kram nicht lange mehr halten kann, ſieht doch ein Blinder.“—„Notabene, wenn ich nicht will!“ ant— wortete Schreiberdietrich ſchnell und warf ſich dabei ganz gehörig in die Bruſt. „Wenn ihr nicht wollt?“ fragte verwundert der Grabenmüller,„nun, das klingt ja ſeltſam. Ihr habt doch etwa keine Abſichten auf die Alte?“—„Das nun eben weniger“, antwortete der Filuh,„und doch hat das Ding ſeinen Haken. Nämlich zu euch geſagt, Herr Broſemann, ich rede ſonſt nicht gern davon,— ich habe Hübners noch vor kurzem ein kleines Kapital zur zweiten Hypothek gegeben, weil ſie ſonſt von Haus und Hof gejagt worden wären.“ Und wohl⸗ gefällig lächelnd fügte er noch an:„Nicht wahr, Herr Broſemann,'s giebt noch Schlechtere, als ich bin?“„Hm, hm“, murrte der Grabenmüller vor ſich hin, „daß nun einmal der Fuchs kein Spitzbube ſein will. Ja, ja,— was nicht Alles aus einem Menſchen werden kann!“ Und weil es ihm nun einmal in den Tod zuwider war, wenn ſich ſolch„Lumpenpack“, wie er immer meinte, auf⸗ blaſen und überheben wollte, warf er biſſig hin:„Wenn doch das euer Vater noch erlebt hätte, daß ſein Sohn Hypotheken ausſtehen hat! Ich weiß noch recht gut, wie lumpig und lotterig er war und daß er draußen auf der Jägerwieſe verkommen iſt“—.
Schreiberdietrich nahm dieſes Sturzbad anſcheinend ſtill hin, aber im Herzen mußte es ihm doch ganz abſcheulich wurmen. Ablenkend von dem Kapitel, ſprach der Grabenmüller nach einer Pauſe:„Schreiberdietrich, ich habe euch eigentlich ſchon lange mal ſprechen wollen.“„Eine große Ehre für mich“, antwortete der „und wenn ich euch ſonſt womit dienen kann“—
Ohne ihn ausreden zu laſſen, ſagte Broſemann:„Kommt doch mal nach vorn in die Stube mit mir. Ich bin heute ganz allein zu Hauſe, denn ich weiß ſchon, wenn meine Alte daheim wäre, machtet ihr mir Einwände. Sie hält nun einmal nicht Viel von euch, und ihr müßtet riskiren, wieder hinaus bekomplimentirt zu werden.“—„Alles ſchon dageweſen, Alles ſchon, Alles!“ warf der ehrloſe Wicht hin,„und wenn mir die Weibſen nicht von jeher ſo ſpinnefeind geweſen, wäre ich ſchon lange nicht mehr ſo ein alter, grämlicher Junggeſell.“—
So waren ſie in die Stube getreten. Um ganz ungeſtört zu ſein, ſchob Broſemann den Nachtriegel vor. Dem ewig unſichern Schreiberdietrich kam darüber ein leichtes Fröſteln an. Erſt als ihm der alte einen Stuhl zum Nieder⸗ ſetzen anbot, beruhigte er ſich wieder.
Stumm und ſtill, die Hände auf dem Rücken, ſchritt der Grabenmüller durch die Stube. Plötzlich aber blieb er ſtehen und ſprach:„Schreiberdietrich“,— aber weiter ging's nicht; grade ſo, als hätte er ſich ſelber geſchämt, dem anzu⸗ vertrauen, was jetzt Alles zur Sprache kommen ſollte. Nur mit Mühe überwand er's und fing dann von Neuem wieder an:„Schreiberdietrich, daß ich ein un⸗ glücklicher Vater bin, wißt ihr.“—„Leider, leider“, antwortete mit verſtellter Theilnahme der Spitzbube.
Der Grabenmüller fuhr in einem ganz eignen Ton fort:„Ein Junger kann, ein Alter muß ſterben! ſagen die Leute immer, und paßt mal auf,'s dauert nicht lange mehr mit mir. Hat mir die Röſe ſchon,— Gott hab' ſie ſelig!— graue Haare gemacht,— iſt der Philipp der Nagel zu meinem Sarg. Und
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