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Bei ſeinen Lebzeiten war allenfalls dafür geſorgt, daß Philipp mit ſeinem Willen und Wiſſen das Schulmeiſtermädchen nicht heirathen durfte. Doch wie ſtand's damit nach ſeinem Tode?— Und es war ihm ein quälender Gedanke, daß die Verhaßte doch mal als Hausfrau in ſein Hab' und Gut einziehen ſollte.—
Und deshalb mußte ein Riegel vorgeſchoben werden. Aber welcher? Das war's! und eben deswegen ſimulirte und ſpekulirte er Tag und Nacht und war brummig als Ehemann und unausſtehlich als Brodherr dem Geſinde gegenüber.
Und bei alledem konnte er doch der Sache nicht recht auf den Grund kommen, dazu war er wieder nicht ſchlau und pfiffig genug, und was er ſich heute in ſeinem Starrkopf zurecht gelegt hatte, das verwarf er morgen wieder als nicht ſtichhaltig.— 3
Da fiel ihm mal der Schreiberdietrich bei, der, wie wir ſchon wiſſen, die eckigſten Sachen rund zu machen verſtand, ob der ihm vielleicht einen ver⸗ nünftigen Rathſchlag ertheilen könnte. Doch ſich ihm ſo blank und bloß in die Hand geben, wollte er auch nicht.„Es muß ſich mal ſo machen von ungefähr“ meinte er zu ſich ſelber,— wie dazumals auf der Rückkehr vom Markt in der Stadt.
Und wirklich,— es machte ſich denn auch, wie wir unten gleich ſehen werden.
In der Stadt war Jahrmarkt, den Montag nach Himmelfahrt; außer dem Gallusmarkt einer der beſten von den vieren im Ort, weil er immer zahlreich von Landleuten beſucht wurde.
Auch die Grabenmüllerin war heute dort, um dieſe und jene ausgegangene Artikel wieder in die Wirthſchaft zu kaufen. Der alte Grabenmüller hielt Haus, und weil's um dieſe Zeit nicht groß mit der Feldarbeit preſſirte, hatte er ſich was im Garten hinter dem Hauſe zu thun gemacht, wo er ein kleines Stück Früh⸗ kartoffeln anhäufelte.
Es war ein drückend heißer Maitag; kein Lüftchen regte ſich. Der Schweiß tropfte ihm in dicken Perlen von der Stirn und öfter als einmal mußte er ſich mit dem Rücken der Hand über das bald naſſe Antlitz zum Abtrocknen fahren.
Als die Sonne immer noch höher und höher ſtieg, konnte er's kaum mehr aushalten. Von der anhaltenden halbgebückten Stellung wurde auch ſein altes Kreuz ſchwach, und gern oder ungern mußte er auf ein Weilchen die Hacke aus der Hand legen und auf dem Bäͤnkchen neben dem Bienenhaus Platz nehmen.
Die Hände zwiſchen den Knieen gepreßt, ſprach er halblaut für ſich hin: „Ja, ja, das liebe Alter kommt nun zuſehends. Alle Jahre geht's um ein gut Stück tiefer bergab. Die Alten müſſen den Jungen Platz machen, und wer weiß, wer im künftigen Jahre hier ackert und ſcharrt.“— Hier athmete er ſchwer auf; weil ſich wieder Philipp und Annemarie in ſein Sinnen miſchten. Schwarze Bilder zogen an ſeiner Seele vorüber und mehr denn je drängte es ihn, in ſeiner Erbſchaftsangelegenheit mal'was Beſtimmtes niederſchreiben zu laſſen.
So mochte er vielleicht ein Viertelſtündchen geſeſſen haben, unbekümmert um die zwitſchernden Weißkehlen, die über ihm, im blühenden Apfelbaum, ihren Jungen das leckere Frühmahl auftiſchten.
Da wurde ihm über den Baßttzan weg, von der Feldſeite her, ein guter Morgen geboten. Er fuhr ordentlich zuſammen, als er den rothhaarigen Kopf des Schreiberdietrichs gewahr wurde. Doch bald drauf murmelte er vor ſich hin:„Der kommt mir heute wie gerufen!“—
Wie es Schreiberdietrichs Mode war, kramte der brühwarm ſeine Neuig⸗ keiten aus und ſprach:„Wißt ihr's denn auch ſchon, daß heute früh der alte Hübner hinter der Kirche abgefahren iſt?“—„Was denn? Hübner?“ fragte der Grabenmüller erſtaunt; und Schreiberdietrich war ſchnell mit der Antwort da:„Macht's anders, wenn's einmal ſo iſt!“ Und weil in demſelben Augen⸗ blick das Sterbeglöckchen zu läuten anfing, fuhr er fort:„Da habt ihr's, nun iſt's amtlich; denn das gilt ihm.“— 8
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