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Die dem Alten mit ſelbſteigener Gefahr entrungene Waffe in der Hand, jagt ſie den Schuß durch's offene Fenſter in's Blaue hinein, und verläßt dann ſchnell das Haus des Unfriedens und der Sünde, um bei einer Anverwandten im Nachbardorfe vor der Hand ein Unterkommen zu finden.
Und als ſie dahin eilt unter den erſten Schatten der Dämmerung mit dem zu Tode gefolterten Frauen⸗ und Mutterherzen, allein und verlaſſen, zwiſchen öden Haideſtrecken und wüſten Moorgründen, fangen gerade rundum die Oſter⸗ glocken an zu läuten,— rein und melodiſch, ſiegesjauchzend über Noth und Tod, eine lebendige Stimme Gottes in der Wüſte, mit der verheißenden, gnadenvollen Zuverſicht:„Ich lebe und ihr ſollt auch leben!“———
Und der Grabenmüller? Mehr einer Leiche als einem lebenden Menſchen ahnlich, lag er wüſt und verſtört in dem Sorgenſtuhl. Die unglückſelige Lieb⸗ ſchaft ſeines einzigen und reichen Sohnes, die Schmach und Schande vor dem ganzen Dorfe, das bettelarme Mädchen auf ſeinem Wagen und in ſeinem Haus und Hof geſehen zu haben, hatte ihm einen Seelenzuſtand gebracht, der im höch⸗ ſten Grade verzweiflungsvoll war.
Und dann noch ſeine Ehefrau,— die Fhr⸗ und Krone des Hauſes, hatte die Verhaßte gehegt und gepflegt, wie eine Mutter das Kind; hatte Partei er⸗ Wifer gegen ihn; und— was das Aergſte war— hatte das Haus ver⸗ laſſen!—
Dies Alles lag mit Zentnerſchwere auf ſeiner Seele und machte ihm die eine einzige Nacht zu einer grauenvollen Ewigkeit.—
O es iſt eine längſt ausgemachte Sache: der Geiz iſt eine Wurzel alles Uebels, und das Schriftwort lügt nicht:„Was der Menſch ſäet, das wird er ärndten!“—
An demſelben Abend noch, als die tiefe geheimnißvolle Stille der heiligen Oſternacht das Dörfchen mit allen ſeinen Leiden und Freuden, Wünſchen und Hoffnungen ſchon lange umfangen hielt, trug ſich noch etwas Anderes bei Hübners hinter der Kirche zu. Der arme Philipp, der ſich den ganzen Abend wie ein fluͤchtiges Wild in der Nähe der Grabenmühle herum getrieben hatte, wollte nicht ohne Abſchied von Annemarie ſcheiden.
Neben dem Ziehbrunnen in Hübners Hausgarten ſtand das Pärchen. Um ſich die Nacht, über ſich den ſternbeſäeten Himmelsdom und in ſich, in tiefinnerſter Seele, all' das bittere Weh zertrümmerter Hoffnung, herzzerreißenden Abſchiedes.
Philipp hatte Annemariechen Alles erzählt. Den Zorn des Vaters, das Elend der Mutter, ſeine Flucht auf ihr Geheiß und daß er nach einem der reichen Walddörfer hinüber gehen wollte, um ſich dort bei dem erſten beſten Bauer als Knecht zu verdingen.
Annemarie war faſt außer ſich daruͤber. Der Schlag kam ihr zu über⸗ raſchend, zu zerſtörend. Aber dennoch— edel, fromm und hochherzig wie ſie war, bat ſie dringend:„Gieb mich auf, Philipp, gieb mich auf! Der heiligen Kindespflicht und dem Frieden des Hauſes muß ein Opfer gebracht werden. Ich will das Opfer ſein, und wenn hier einmal ein Herz brechen ſoll, dann breche mein Herz! Das arme ſſenkind wird bald vergeſſen ſein, während du ſonſt ein Vater⸗ und Mutterherz mit in's Grab zögeſt, was Gott der Herr verhüten wolle in allen Gnaden.“—
Ob ihr nun das Alles unſer Philipp mit ſeinem friſchen, treuen Sünglngs. herzen widerlegt? wir müſſen es annehmen; denn als der Wächter die Mitter⸗ nachtsſtunde abrief und es nun an vas ſchmerzensreiche Scheiden und Meiden ging, hätte ein Lauſcher den heiligen Treueſchwur der Liebe vernommen, wie er unter Thränen und Seufzern feierlich von Beider Lippen bebte:„Dein auf ewig!“—
Lum noch lange, lange darauf, als Philipp in der Richiun nach Großberg⸗ heim hin verſchwunden war, blickte ihm ein treues Auge der Liebe nach;— und


