Jahrgang 
1 (1858)
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in die Trennung, die ihm freilich ſchwer wurde, ſehr ſchwer, nur in einem ganz anderen, als im empſindſamen Sinne. Er mußte ſich nun mit all' ſeinem Gepäck ſelbſt beladen, und obſchon er eine Art Torniſter oder Felleiſen, oder Ranzen, oder Reff, wie man ſolch ein Ding immer nennen möge, ſelbſt erfunden hatte nnd mit ſich führte, ſo ſah er daſſelbe doch jederzeit lieber auf andern Schultern hängen, als auf ſeinen eigenen, was ihm im Grund genommen, auch nicht allzu ſehr zu verargen war.

Der Plattner⸗Standl wurde zu Dank vergnügt. Er empfing nicht nur die ausbedungenen zwölf Zwanziger in nagelneuer Münze, ſondern auch noch zum Andenken den werthvollen Gamsbart, als deſſen Bewunderer Standl ſich von Viertelſtunde zu Viertelſtunde auszuſprechen nicht unterlaſſen hatte, und zwar empfing er dieß werthe Kleinod in aufrichtiger Anerkennung ſeiner treulichen Füh⸗ rung, Tragung und Geleitsmannſchaft, außerdem noch eine Zugabe, die eben ſo gut auch hätte wegbleiben können, wie überall, nämlich eine Strafpredigt.

„Wenn ich wären geweſen ein Haas wie Du, ſo würden ich nicht entdecken haben den Weg von Fend über den Gebatſch und Ferner⸗Vernagt in das Thalen von Langtaufers. Darum rathen ich Dir, wenn wieder kommen Reiſende und Du ſie bekommen zu führen über die Gletſcher, zu ſagen ihnen: Maſter Wilkins aus Orford in Ingland haben zuerſt entdocken den Weg von Fend nach Lang⸗ taufers, und ich ſein geweſen ein Lingfeig, wollen ſagen ein Feigling, Und haben not wollen gehen mit auf die neue Reiſe der Entdeckung, welcher gemacht haben Maſter Wilkins.“

Der Plattner⸗Standl ſchwieg, er verſchmerzte den Vorwurf, ſchwang den Hut, auf den er während der Strafpredigt mit innerlichem Frohlocken den Gams⸗ bart befeſtigt, rief noch ein:„Danke Herr!“ und machte Kehrt, den Saumpfad wieder empor. Nach einigen Minuten ſtand er ſtill, jodelte laut, und ſang dann in Alpenliedelweiſe:

„A ſo an Trottel, als Du biſt, Mögt' i alleweil führ'n!

S giebt doch dawige*) Noarn,

Die den Teixl nöt ſpür'n!“ „Judiheia! Judihuuuhai!

„Biſt a Manndl,'s is a Stoat, Biſt gor' gräuli gelahrt!

Behieth di Gott, Du rar's Manndl, Hob' fein Dank für doan Boart! Judiheiha, judihuuuhai!“

Was von ſeinem Alpengeſange der Engländer hören ſollte, das ſang der Plattner⸗Standl mit lauter Stimme; was demſelben weniger nöthig war zu vernehmen, vergurgelte er in unverſtändlichen Tönen, und ſo winkte Maſter Wilkins, nur geſchmeichelt, nochmals einen Abſchiedsgruß mit ſeinem Reiſehute zurück, an dem er den verſchenkten Gamsbart mit einer Alpenblume vertauſchte, während der biedere Sohn des Tiroler Hochgebirges ſeinem Blick in den Win⸗ dungen des Hochweges entſchwand..

Wohlgemuth, golz, förmlich ſiegesfroh ſchritt der Sohn Altenglands tiefer und tiefer. Bisweilen bot der Weg ihm lebhaft Urſache, ſeinen Führer zurück zu wünſchen, und die Unklugheit zu verwünſchen, ihn entlaſſen zu haben; er hatte mit mancherlei Ungemach zu kämpfen, mit unwegſamen Stellen, mit Ge⸗ rölle, mit zerriſſenen, morſchen über Abgründen ſchwankend hängenden Knüppel⸗ wegen, wie in Maurnah, mit Quellengerieſel, das zu Bergbächen anwuchs, mit Sumpfboden, in dem der Fuß tief eintrat, lauter Dinge, von denen der, der nie im Alpenlande wanderte, gar keine Ahnung hat. Auf der Landkarte iſt ein Weg wie der andere, ſo gänzlich glatt, ſo ſchön, ſo eben, ſo ohne Stock

*.) dawig: dumm, bornirt.