Jahrgang 
1 (1858)
Einzelbild herunterladen

gehalten an meines Führers Stock und einen Stricken, und haben Gott gedanken als ich noch bei leidlichem Tageslicht gekommen bin nach Heilig⸗Kreuz. Soll liegen von Löngenfeld ſieben Stunden, haben aber gebraucht an zehn, und waren todt⸗ müde. Fragen nach Wirthshaus, heißt es: nix Wirthshaus, und mußten zum Pfarrer gehen. Gehen zum Pfarrer, Pfarrer nicht daheim, und die Hauſerin, eine ſcheusliche Geſtalt mit einem Kropf wie eine Bombe ſo groß am Hals, ſperrten die Thüre zu, und ſagen: Nir Herberge im Widum! Widum Was iſt das? ſchlage nach im Wörterbuch ſteht nicht drin Wie dumm! Führer will nicht weiter fragen nach nächſtem Wirthshaus, heißt es Fend. Fend wie weit? Eine Stund. Well! Nehmen neuen Führer gegen doppelten Lohn, dieſem da! einen Prachtmenſch! Thun nur auf ſein Maul, um zu ſchlingen, tappen hinter ihm her durch dick und dünn, über Stock und Stein, finden nirgends ein Fend, ſehen endlich ein Paar armſelige Hütten in ſchauerlicher Thalenge, ganz eingekreiſt von Gletſchern; Natur wild, prachtvoll, aber Wirthshaus hier Spe⸗ lunke, Neſt!

Meſchant, wie ſie den Menſchen drunten in Heilig-Kreuz angeführt haben! rief einer der Bauern, und der Wirth nickte beſtätigend, und ſprach zum Fremd⸗ ling: Hätt'ſt halt allemal beſſer gethan, wenn du zu Heilig⸗Kreuz ins Wirthshaus gangen wärſt, bei mir find'ſt nit gar viel, auch hab' ich kein Bett. Du wirſt einem Feind des Heilig⸗Kreuzer Wirthes begegnet ſein, der dich aufgezog'n hat, und hat dir weiß gemacht, es geb' dorten ka Wirthshaus. Weißt d' aber was, wenn dir mein' Spelunk' und Neſt nit gefällt, ſo gang zum Herrn Curater, der macht den Heckenwirth und hat fünf Betten ſtehen. Was du eſſen und zu trinken kriegſt, ſöllt waß i nöt, und was d' morg'n Zall'n mußt, waß i a nöt, du wirſt's aber ſchon ſchau'n und derfahrn.

Curater? Wer iſt das? fragte raſch der Engländer, den die Ausſicht auf fünf Betten mächtig anzog, und bei dem die eiferſüchtigen Bedenklichkeiten des Wirthes über zu hohe Rechnung gar nicht in Betracht kamen. Als aber der eine Bauer antwortete:Curater, das iſt der geiſtliche Herr! da rief der Eng⸗ länder:No no no! Tritt keinen einzigen zu Pfarrer oder geiſtlichen Herrn könnten mich wieder eine Meerkatze von Pfarrköchin anſchnurren und ich müßte

dann zu Fend auf der Erde ſchlafen! No no ich bleiben hier bei dir, guter Wirth, und du ſchaffen mir heute ein Bett, mag koſten was will und auf

morgen einen Führer und Träger für meine Gepäcken. Ich will machen eine neue Reiſe der Entdeckung. Hier im Reiſehandbuch ſtehen der Weg über den Hoch⸗ Joch⸗Ferner in das Schnalſer Thal, aber nicht der Weg über den Gebatſcher Ferner in das Langtauferer Thal; ich haben mir vorgenommen zu entdecken den Weg über den Gebatſch⸗Ferner in das Langtauferer Thal; hinunter nach Hinterkirch und nach Graun in das Etſchthal, wo ich wollen ſehen bei Reſchen die Quelle der Etſch, und die drei ſchönen Alpenſeen bei Reſchen, Graun und Heid, dann wollen ich das Etſchthal abwärts, und entweder über das Wormſer Joch oder über Botzen und Trient nach Weſchtirol und Italien.

Alles ſchon recht! warf der Wirth hin:aber über den Gebatſch⸗Ferner kommſt d' halter nöt, das iſt gar ein ſchrecketes hohes und weites Eisgebirg.

Mußen ich kommen, werde ich kommen. Doch! entgegnete mit Gemüths⸗ ruhe der Engländer, indem er noch einen Blick auf ein mitgebrachtes Blatt der K. K. Generalſtabs⸗Karte von Tirol warf, das dieſe Hochgebirgsgegend umfaßte. Nur einen guten Führer ſchaffen mir Wirth, und die Sache ſein gemacht.

Der Wirth ſah ſeine Freunde, die Bauern, an, und dieſe ihn, alle ſchüttelten mit hellem und verlegenem Lächeln die Köpfe.

Du haſt ja einen Führer! ſprach der Bauer Sepp:Nimm doch den

da mit!

Meinſt d' mi, Steffelſepp? fragte der Führer mit großen Augen.J küß; chön d' Hand! Ich bin die Weg noch niemals ganga, i kenn' ihn nöt aus. J bin hon d Ha g noch niemals ganga, Ahn no 1

noch in meinem ganzen Leben keine drei Stund'n weit von Heilig⸗Kreuz fort ge⸗