Jahrgang 
1 (1858)
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Vater, hob da Carl an, das Alles iſt mir Recht und ich danke dir innig für dieſe deine Fürſorge, aber ich würde mich auf dem Gute elend fühlen, wenn mich nicht Eine begleitete, begleitete als Gefährtin meines Lebens, meine innig geliebte Guſtel.

Da zuckte das Mädchen in jähem Schreck zuſammen und rief: Ach nein! Ach nein! Weiter konnte ſie nicht reden. Aber der Amtmann ſtand auf und ergriff ihre Hand. Ich hätte geſtern blind ſein müſſen, wenn ich nicht hätte erkennen ſollen, daß dieß: Nein, nicht mit deinem Herzen ſtimmt. Kind, ich habe dich lieb von Herzen und nehme dich an mein Vaterherz als meine liebe Tochter. Sagſt du nun abermals: Nein? Guſtel legte ihr Geſicht in einer unausſprechlichen Verwirrung auf die Schultern der Pfarrerin.

Die Pfarrerin zog das unausſprechlich verwirrte Mädchen an ihre Bruſt und küßte es auf die Stirne.

Nun iſt mein ſchönſter Wunſch erfüllt und da es mein Herz ahnete, daß es ſo kommen würde, habe ich dich vorbereitet für deinen Beruf nach beſten Kräften, ſagte ſie.

Carl ergriff ihre Hand und zog ſie zum Vater und nun erſt erhob ſie den Blick und ſagte laut: Ich ſage vor Ihnen und vor meinen Aeltern und meinen theuerſten Freunden, wie vor Gott: Ja! Gebe Gott mir Kraft und Feſtigkeit, ihn glücklich zu machen!

Der Amtmann legte ihre Hände in einander und der Pfarrer ſegnete ihre Verlobung, zu der Bender und ſeine Frau, ganz betäubt, auch ihren Segen gaben. Sie hatten eine ſolche Wendung ſich nicht träumen laſſen. Die Hochzeit folgte in einigen Monaten nach, und dann zog Carl mit ſeinem geliebten Weibe auf das Gut, wohin ſie der Amtmann begleitete. Umſonſt bat Carl, daß auch Bender und ſeine Frau zu ihnen zögen. Er gab zwar die Fähre ab und lebte, von ſeinen Kindern reichlich verſorgt, ohne Sorgen, aber ihr Haus verließen ſie nicht. Carls erſte Sorge war, die arme Wittwe und ihre Kinder zu holen, daß er an ihnen vergelte, was ſie Gutes an ihm gethan. Auch den zweiten Sohn des Förſters, der beſondere Gaben empfangen hatte, ließ er unterrichten und bahnte ihm einen ſchönen Lebensweg. Der Aelteſte wurde Forſtmann. Die Wittwe lebte nur noch wenige Jahre in ihrem Glücke, aber ſie ſtarb mit dem frohen Bewußtſein, daß ihre Kinder kein Bettelbrot mehr zu eſſen brauchten, da Carl ſie alle wohl verſorgte. Guſtel aber war ein bildſamer Stoff. Sie fand ſich ſchnell in alle Fugen ihres neuen Standes, ohne daß ſie die ſchönen Eigenſchaften ablegte, die ihr Aller Liebe gewonnen hatten. Sie war geliebt, geachtet, geehrt und die alte Cathrine ſagte zu Carl: Sie haben eine Perle gewonnen, die eine Königskrone ſchmücken würde, und der alte Amtmann lächelte und nickte mit dem weißen Haupte und leiſe flüſterte er: Gott ſegne ſie! Ich könnte ſchließen, aber das Eine muß ich noch ſagen, daß eine ununterbrochene, innige Verbindung zwiſchen Carls Familie und der der lieben Pfarrersleute drüben am andern Ufer des Rheines beſtand und daß es Carl nie einfiel, ein Amt zu ſuchen, daß er aber der treueſte Unterthan ſeines edlen Fürſten blieb.

Eine Alpenwanderung. Erzählung

von Ludwig Bechſtein.

Rings um den Ort Fend im Oetzthale glühte die Pracht der Gletſcher, als ſchon Nacht in den Thälern ruhte ein hehrer, ein feierlicher Anblick. Platey⸗Kogl, Wild⸗Spitz, Gebatſch⸗Ferner, Vernagt Ferner und der langge⸗ ſtreckte Oetzthaler⸗Ferner mit der Firmian⸗Spitz, die 10436 Fuß hohe Fürſt⸗Spitz

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