Jahrgang 
1 (1858)
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Amtmann dem Fürſten geſagt, das verhielt ſich ſo, und das Gut war nicht eben ſo klein und lag nur eine Stunde weit vom Rheinufer der rechten Seite, wo die Fähre Benders anlegte. Er hatte es gekauft, als Anno 1848 die Verhältniſſe ſo unſicher wurden, um das Vermögen ſeines Sohnes und ſich einen Zufluchtsort zu ſichern, wenn die befürchteten Stürme hereinbrächen. Carl wußte davon Nichts und auch ſeiner damals ſchon ſchwer leidenden Frau glaubte er nichts davon ſagen zu dürfen. Als er zu dem Pfarrer zog und ſeine eigene Haushaltung aufhob, ſetzte er die im Landbau wohlerfahrene alte, treue Cathrine auf das Gut und gab ihr einen erprobten Knecht bei, der viele Jahre ihm gedient. Von Zeit zu Zeit pflegte er ſelbſt nachzuſehen, fand aber Alles im beſten Gleiſe.

So ſanft wie dieſe Nacht hatte der glückliche Greis lange nicht geſchlafen und zeitig am Morgen des folgenden Tages empfing er die Urkunde der vollen Begnadigung Carls.

Es war noch Zeit zur Heimkehr, wenn er an einer tiefer abwärts am Rheine gelegenen Ueberfahrtſtelle ſich überſetzen ließ. Das that er denn und es war ſchon ſpät, als er am Pfarrhauſe abſtieg. Geheimnißvoll ſagte die alte, treue Magd leiſe: Sie ſind alle in Benders. So ging denn der Greis ſogleich hinüber.

Dort ſaßen ſie in Benders Wohnſtube, deren Läden feſt verſchloſſen waren, wie die Thüre, auf daß Niemand ſie überraſchen könne, da Carl zum erſten Male unten war.

Der Amtmann klopfte und Guſtel kam ängſtlich fragend, wer da ſei, ehe ſie aufſchloß. Aber ſie erkannte die Stimme und öffnete.

Du haſt recht gebetet, du liebes Kind, ſagte der alte Mann.

O ſagen Sie, iſt's gelungen? fragte mit zitternder Stimme das Mädchen.

Ja, Kind, ja, unſre Gebete ſind erhört! war ſeine Antwort, und er eilte in die Stube, bemerkte aber nicht, daß Guſtel nicht folgte. Sie war hinausgeeilt in den Garten und dort kniete ſie nieder, dem Herrn zu danken, der der Fürſten Herzen lenket, wie Waſſerbäche. Drinnen aber ſank von Einem treuen Herzen an das Andre der glückliche Begnadigte.

Der Pfarrer aber ſtand auf, nahm ſein Sammtkäppchen ab und ſagte: Laſſet uns dem Herrn danken, und aus voller Seele ſprach er ein erhebend Dank⸗ gebet und erflehte Gottes reichſten Gnadenſegen dem Fürſten, der ſo großmüthig vergeben hatte.

Und als er geendet, ſprachen Alle tief gerührt: Amen. Jetzt erſt bemerkte der Amtmann, daß Guſtel fehle. Weiß ſie, was du bringſt? fragte der Pfarrer.

Ich habe es ihr geſagt, erwiederte der Amtmann. 5

O, dann laßt ſie, bemerkte der Pfarrer; dann hat die fromme Seele gethan, was auch wir gethan haben. Ich kenne ſie!

Der Amtmann erzählte nun die ganze Unterredung mit dem Fürſten, aber erſt, als Guſtel mit feuchtem Blicke hereingetreten und ihre Hand in die Carls gelegt, die er ihr entgegenreichte.

Sie hörten Alle mit angehaltenem Athem zu. Als der Amtmann an das Landgut kam, ſah ihn Carl groß an, und der Vater erzählte ihm, was ihn bewogen, dieſen ſehr vortheilhaften Kauf zu machen.

O ſo iſt der ſchönſte Wunſch meiner Seele erfüllt! rief Carl mit einem Blicke zum Himmel aus.

Als der Amtmann geendet, ſagte er zu Carl: Nun iſt es an dir, die Probe zu beſtehen, und mein Wort wahr zu machen.

Gewiß, ſagte Carl, aber nur in dem Punkte nicht, daß ich mich um ein Amt bewerbe. Ich will Landwirth werden und bleiben, denn nur der iſt am Ende der Unabhängigſte und Glücklichſte.

Damit ſtimme ich vollkommen überein! ſagte der Amtmann und der Pfarrer zugleich. Wir ziehen dann ſchon recht bald dorthin, fuhr der Amtmann fort, daß du dich deſto ſchneller erholſt und dich einſchießeſt in deine neuen Berufswege.

Guſtel erbleichte und zog ſich hinter die Pfarrerin zurück, ihr Geſicht zu verſtecken, daß man die Bewegung ihrer Seele nicht darauf leſe.