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Der Amtmann ſah betroffen in des ſchönen Mädchens Gſicht und eine Ahnung ſtieg in ſeiner Seele auf, wie es um dieſes kindliche Gemüdh ſtehen möge, von dem ihm die Pfarrerin Züge erzählt, die er noch nicht vergeſſen hatte.
Ach, ſagte er, ſo laß dein Gebet mich begleiten!
Sie nickte ihm mit einem ſeligen Lächeln zu und der Greis beſtieg den Wagen, der bald ihren Blicken entſchwunden war. Und Guſtel kehrte in das Häuschen zuruck und that, um was ſie der ergriffene Greis gebeten hatte.—
VI.
In der nicht ſehr fernen Reſidenz ſeines Fürſten angekommen, meldete ſich der Amtmann, um Gehör zu bitten. Schon auf den andern Morgen um zehn Uhr wurde er zum Landesherrn beſchieden. 3*
Der Fürſt trat ihm mit einem herzlichen Wohlwollen entgegen, und fragte lieb⸗ reich: Was führt Sie zu mir, mein alter, treuer, vielgeprüfter Diener?
Bebend hatte der Greis das Gemach betreten. Er wußte nicht, wie er beginnen ſollte und ſein Herz ſchlug hörbar. Da löſte der Herr die Siegel ſeiner Lippen und ſeines Vaterherzens, und, zwar tief erſchüttert, aber einfach, wahr und treu berichtete er ſeinem gnädigen Herrn, was ihn zu ihm geführt, wie es ſeinem Sohne ergangen und wie der Allmächtige ihn in ſeine Schule genommen, aus der er geläutert, gebeſſert, geheilt zum Preiſe und Danke ſeines Vaterherzens hervor⸗ gegangen. Für ihn komme er, um Gnade zu flehen und rufe mit betendem Herzen das ſchönſte Vorrecht der Fürſten im Herzen ſeines milden Landesvaters an.
Wieder, wie das erſte Mal, hörte der Fuͤrſt, nicht ohne innere Bewegung den Erguß des Vaterherzens an.
Sie zittern, mein Lieber, ſagte der Fürſt, ihn bei der Hand nehmend und zu einem Seſſel führend. Erholen Sie ſich. Sie wiſſen ja, daß ich Ihnen wohl will.—
Der Amtmann wollte von der Einladung des Fürſten keinen Gebrauch machen aus Ehrfurcht vor ſeinem Herrn und Fürſten, obgleich ſeine Erregung und Be⸗ wegung ſo ſtark war, daß er kaum mehr ſtehen konnte; aber der Fürſt that es nicht anders.
Als der Amtmann ſich geſetzt, ließ ſich auch der Fürſt nieder und ſagte: Was gedächte denn Ihr Sohn zu beginnen?
Mein erhabener Fürſt hat mich alten Mann ſo gnädig bedacht, daß ich von meinem Gehalte mir ein Schönes erſparen kann, ſagte der Greis, und meine ſelige Frau hatte ein kleines Vermögen, das ich nicht vermindert habe, weil ich mich als deſſen Verwalter betrachtete. Das gehört meinem Sohne. Er ſoll, ehe er ſeine Kräfte ſeinem Herrn im Dienſte der Gerechtigkeit weihet, erſt noch ein kleines Gut verwalten, das ich gekauft habe. Sollte dann, wenn ſeine Treue ſich erprobt hat, Ihre Gnade ihm ein Amt verleihen, ſo wird er freudig in Ihrem Dienſte ſich als treueſter Diener bewähren.
Der Fürſt lächelte. Ich bin mit Ihnen einverſtanden. Kommt Zeit, kommt Rath. Leiten ſie ihn und es wird Alles wohl gerathen! Ich begnadige ihn vollſtändig und werde Ihnen Morgen dies Schwarz auf Weiß einhändigen laſſen.
Er ſtand auf, aber der Greis nicht. Er konnte nicht. Zu gewaltig hatte das letzte Wort des Fürſten ſeine Seele erſchüttert. Er war einer Ohnmacht nahe.
Der Fürſt trat liebreich zu ihm. Erholen Sie ſich, ſagte er. Ich weiß, die Freude tödtet nicht. Ich ſende meinen Leibarzt.
Der Fürſt ging in ſein Kabinet, kehrte aber ſogleich mit einem Glaſe voll belebenden Wohlgeruchs wieder, an dem er den Greis riechen ließ, ihm auf ſein Taſchentuch tröpfelte und ihn bat, ſich die Schläfe damit zu beſtreichen. Das wirkte kräftig und nach wenigen Minuten konnte ſich der Greis erheben, um Ver⸗ gebung bitten und ſeiner Seele Dank ausſprechen.
Lächelnd gruͤßte der edle Fürſt und entzog ſich dem Danke des Vaterherzens, das jetzt nur Gottes reichſten Segen auf ſein Haupt erflehen konnte. Was der


