Jahrgang 
1 (1858)
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Finger fühlten ein Krabeln in den Fingerſpitzen, wenn's nun bald an's Theilen gehen würde. Es war eine prächtige Zeit, wo lang verkannter Werth, Talent und Verdienſt endlich einmal zur Geltung kam und man ihr, wie man zu ſagen pflegte, endlich einmal Rechnung trug. Eine prächtige Zeit!

Das erfuhr in dem Städtchen Einer er war ein ehemaliger Bankrutt⸗ macher, dann Ferkelſtecher(wie man dieſe Art der kleinen oder Winkeladvokaten nannte, weil ſie nur die Ferkelchen bekamen, während den Advokaten das ausge⸗ wachſene Maſtvieh, das heißt die fetten Prozeſſe, zufielen) und ein Mann des Volkes, wie er nur da war, und das wollte Viel ſagen, denn dieMänner des Volks fielen damals, wie die Schneeflocken im Winter, überall aus den Lüften, denen Recht, Ordnung, Sitte, Zucht und Religion Dornen in den Augen waren. Der Mann hieß Perlenmeier und war Einer von denen, die gerne im Trüben fiſchten, und ſich darauf verſtand in allerlei Weiſe. Er war in der That eine der edelſten Perlen jener Zeit. Herr Perlenmeier, der Volksfreund, hielt ſtundenlange Reden und der Athem ging ihm nie aus, weil er in Zwiſchenzeiten, wo die Leute ihm Beifall brüllten, immer neuen ſchöpfen konnte. Herr Perlenmeier ſchwamm damals oben auf, wie das Fettauge auf der Waſſerſuppe. Er hatte aber auch ſeine ganze Kraft aufgeboten, die Leute aus ihren Fugen zu heben und kapitaltoll zu machen und dafür mußten ſie ihn nun auch tragen und heben. Er hatte eine Zuhörerſchaft, die mit offenem Munde daſtand und mit ſtarren Blicken an dem Seinen hing. Da mußt's ja in das Herz hinunter, was der ächte, in der Wolle gefärbte Volksmann ſprach. Der deckte den Regierungen das Töpfchen auf und den Reichen und Angeſehenen und Allen, die Etwas hatten. Der erzählte Ge⸗ ſchichten, daß Einem das Haar zu Berge ſtand und ſelbſt Perücken ſollen ſich freiwillig vor Entſetzen geſträubt haben, was noch nie erhört war.

Carl hatte ſich auf des Pfarrers Mahnen und Bitten lange zurückgehalten, aber es kamen Nachrichten, daß ein fremdes Heer ſich an der Grenze ſammele um ſagte die eine Parthei: das Land zu ſäubern, und die Andre: das Volk zu unterdrücken und die ganze Freiheit zu würgen. Er kam damals von Frank⸗ furt zurück und war Feuer und Flamme. Er war jetzt jedabendlich in der

Krone und bald merkte Perlenmeier, daß ihm hier eine andre Kraft über das

Haupt wachſe, denn Carls Bildung gab ſeinen Reden ein anderes Gewicht, Schwung und Kraft. Merken ließ er es nicht und als ſie nun die Bürgerwehr beſſer ordneten, um dem Feinde nachdrücklich die Heldenſtirne zu bieten, da wurde Carl Anführer derſelben und gefiel ſich im raſſelnden Schleppſäbel über die Maßen. Beide, Perlenmeier und Carl erkannten es, daß ſie einander bedurften, nur zu verſchiedenen Dienſten und in verſchiedener Abſicht. Bei Carl kam kein ſelbſtſüchtiger, unlautrer Gedanke auf. Er meinte es goldtreu, während der Andere nur ſelbſtſuͤchtige Zwecke im Auge hatte, wie Hunderte von denen, die ſich Freunde des Volkes nannten. Carl warf ſich mit vollem Herzen in den Strom. Alles wollte er umgeſtalten. Unter ſeiner Leitung wurden die alten mißliebig gewordenen Beamten abgeſetzt und Neue berufen und die Kaſſe des Städtchens, die ſehr bedeutend war, erhielt Perlenmeier, weil er, wie er meinte, mehr Anlagen zu einem Rechner habe, als zu einem Bürgermeiſter und dergleichen. Carl war faſt ſtets unterwegs zwiſchen dem Sitze der neuen Volksregierung und dem Städtchen und ſein Feuereifer für die ſogenannte Sache des Volks war ohne Grenzen. Mit ebenſo großem Unwillen, als inniger Trauer ſah der treue Bildner ſeiner Jugend, der Pfarrer, dieſe Verirrung. Mit aller Kraft beſſerer Ueber⸗ zeugung belehrte, warnte, bat er Carl, zurückzutreten von dem unſeligen Wege, den er betreten hatte; nicht minder bat und flehte ſein treffliches Weib, aber Carl war zu ſehr gebannt in den Kreis ſeiner Vorſtellungen und deſſen, was er für das Rechte hielt. Es kam ſelbſt zu ſehr heftigen Auftritten und Carl ver⸗ ließ das Haus des Friedens, das Haus der Treue und zog in die Krone, um han freie Hand zu haben. Damit war er allen guten Einflüßen entrückt. In Guſtelchen dachte er ſelten, noch ſeltener ſah er ſie, die nur mit der Pfarrerin