Jahrgang 
1 (1858)
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Seufzer, die in unbewachten Augenblicken ſeine Bruſt hoben, ſagten mehr, als die beredteſten Worte. 4 Carl war verſtändig genug, zu erkennen, wie unglücklich ſein guter Vater ſei, und bewies ihm deſto mehr Liebe. Daß er dennoch hatte hier ſein können, obwohl er es brieflich verneint, lag in einem Auftrage, den ſeine Vorgeſetzten ihm ertheilt, und den er ſegnete, obwohl er nicht ganz angenehm war. Konnte er doch in des Freundes treue Bruſt ſein Herz einmal ausſchütten und den Jammer klagen, den ihm das eitle, lieblos harte, ſelbſtſüchtige Weib bereitete, in dem er einen Engel des Friedens in ſein Haus zu führen gemeint hatte. Er klagte ihm, wie ſie in den Jahren her, ſeit Carl in des Pfarrers Hauſe war, des Kindes Namen nicht einmal genannt, nie nach ihm gefragt hatte. Nur einmal, und zwar in den letzten Tagen, hatte ſie geſagt: der Vubs wird jetzt bald auf das Gymnaſium müſſen? Ich fürchte mich ſchon vor den Ferien, wenn der Unhold in's Haus treten wird! Er wird dir nicht kommen! hatte der Amtmann bitter geantwortet. Sie hatte einen ſtechenden Blick auf ihn geworfen und geſagt: Wenn es dich auch kränkt, ich kann nicht heucheln. Der Junge iſt mir ein Greuel. Wie das gleich einem zweiſchneidigen Meſſer durch des Vaters Herz drang, läßt ſich begreifen. Ich muß die unſelige Thorheit, in eine zweite Ehe getreten zu ſein, hener entgelten, ſagte er mit einem tiefen, ſchweren Seufzer und zerdruͤckte dabei eine Thräne. Der Pfarrer tröſtete, ſo gut es gehen wollte; aber es wollte eben nicht recht gehen, das war das Schlimmſte. Es wurde denn nun feſtgeſtellt, daß Carl ſeine Ferien bei dem Pfarrer verleben ſollte, der ihn mit wahrer Vaterliebe um⸗ fing und Niemand war glücklicher, als die Pfarrerin, die jetzt oft in Benders Haus war, weil es Leute waren, die Carl liebten. Da floß denn ihre Lippe über von ſeinem Lobe, und wenn Bender und ſeine Frau von Herzen einſtimmten, dann leuch⸗ teten ein Paar großer, blauer Augen und ein Paar friſcher Wangen rötheten ſich höher in der Freude über dieſes Lob, das im jugendlichen, argloſen Herzen einen hellen Widerhall fand. 1

III. Ueber einen Zeitraum von ſechs Jahren können wir hinausgehen, es war die Zeit, die zwiſchen dem Eintritt Carls in die Bildungsanſtalt und ſeinem Beziehen 3 der Univerſität lag. Wie es abgeredet worden war, ſo geſchah es. Carl ſah ſeinen lieben Vater oft. Kam er in die Nähe, ſo eilte er zu ihm und verlebte mit ihm glückliche Stunden, und ſelbſt je und dann, Tage. Die Ferien brachte er im Pfarrhauſe zu und war dort wieder ſo harmlos glücklich, wie in der Knabenzeit. Er war dann häufig bei Bender im Fährhäuschen; fuhr mit der ſchönen erblühenden Guſtel über den Rhein und fiſchte mit Angel und Netz oft ganze Tage lang. Einige 1 Jahre ſpäter, meinte der Pfarrer, es paſſe doch nicht mehr, daß er ſich ſo ſehr mit 1 Benders Familie abgebe. Carl erröthete. Es war ihm das ſo eigentlich noch nicht klar geworden. Er fuͤhlte es aber dennoch heraus, daß die Bemerkung ſeines lei A Pflegevaters richtig ſei; doch meinte er, ſo augenfällig dürfe er doch die ſo guten Menſchen nicht kränken, daß er ihr Haus nicht mehr betrete, wenn er auch wohl mehr und mehr das Fährhäuschen meiden müſſe. Aber das wurde ihm doch un⸗ ausſprechlich ſchwer, beſonders wegen Guſtelchens; denn das Verhältniß zu ihr war ein Anderes geworden, ſeit Beide die erſten Kinderſchuhe ausgetreten hatten. Ihr klagte er ſein Leid; ihr vertraute er Alles, was ihn drückte, und ihre Theilnahme, die ſo ungeſchmückt, ſo wahr, treu und innig war, that ihm unſäglich wohl.. Wenn ſie ſich nun auch ſeltener ſahen, ſo war dann dieß Sehen um ſo er⸗ ſehnter und beglückender. Des Pfarrers Bemerkung, ob ſie gleich Guſtelchens gar nicht gedachte, weil überhaupt der Pfarrer eine Neigung Beider nicht ahnte, war aber dennoch übel; denn nun erſpähten ſie Augenblicke, ſich wohl einmal heim⸗ lich zu ſehen bis Carl auf die Unnverſität ging und nur äußerſt ſelten mehr 8 in's Städtchen kam.

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