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ausſah, in dem man einige Staͤnder hatie ſtehen laſſen. Durch dieſe eigenthüm⸗ lichen Wieſen führten verſchiedene Pfade zum Fährhäuschen, beſonders ein aller⸗ nächſter, der hinter Benders Hauſe ſich hinabzog und zu ſeinem Gebrauche war. Das Fährhäuschen war aus Stein erbaut, einſtöckig zwar, aber ziemlich geräumig, wo Bender, der auch Korbflechter war, in der Regel ſeine Werkſtatt hatte, wenn er nicht fiſchte oder überſetzte. Es hatte ein ziemlich flaches Ziegeldach und einen kleinen Speicher über dem Eſtrich, zu dem man durch eine Aufſchlagthüre, die flach auflag, gelangte; in der Ecke ſtand ein Ofen, dann ein kleiner Heerd, ein Tiſch und ein paar Schemel. Zwei Fenſter gingen rheinauf und rheinab und ein kleines Fenſterchen in der Thüre ging nach dem Rheine und dem jenſeitigen Ufer. Für den Färgen würde ſchwerlich der wohllöbliche Stadtrath ſoviel Geld ausgegeben aben, als urſprünglich auf dieß Häuschen, das ohnehin auf einem ziemlich hohen ferdamme ſtand und weit über die Weiden hinausreichte, war verwendet worden. Schon daraus ließ ſich auf einen andern Urſprung ſchließen. Und den hatte es auch. Jedermann weiß, daß bis zum erſten Januar 1814 das Rheinufer, das linke nämlich, überall von Grünröcken, wie das Volk die verhaßten franzöſiſchen Grenzwächter oder Douanier's nannte, beſetzt war, die darüber zu wachen hatten, daß keine engliſchen Waaren in's Land kämen. Wo eine Fähre war, mußte Tag und Nacht ein Poſten von etlichen Douanier's ſtehen; um ſie vor den Einflüſſen übler Witterung zu ſchützen, wurden ſolche Häuschen erbaut, und der Fährmann kroch dann auch in die Höhle zu ihnen und— vermittelte, daß ſie beide Augen zudrückten, um beide Hände zu öffnen. Wenn irgendwo das alte Sprüchwort: „Wie du mir, ſo ich dir“ eine heilloſe Anwendung fand und alle Ehrlichkeit und Gewiſſenhaftigkeit untergrub, ſo war es unter der Verwaltung der Franzoſen am Rheine. Die Leute waren alle zu ſchlecht bezahlt und litten zu viel Noth, um der Verſuchung die Stirne bieten zu können und— das gute Beiſpiel von oben her konnte auch nicht ohne Wirkung bleiben. Sie dachten: Was dem Einen Recht iſt, das iſt dem Andern billig und machten's wie ihre ſaubern Gebieter.
Seit die Grünröcke laufen gelernt hatten, war Bender Alleinbeſitzer und Alleinherr in dieſen Räumen, und theilte, wie geſagt, ſeine Zeit in Ueberfahren, Korbflechten und Fiſchen. Das war ſo recht ein freies, ſchönes Leben für Carl! Hatte er freie Stunden oder kam etwa Beſuch zu den Pfarrersleuten, dann wurde raſch das Nothwendigſte gethan; die gute Pfarrerin ſteckte ihm ſein Vieruhrbrot ſo reichlich zu, daß er's noch immer mit dem lieben Guſtelchen theilen konnte, und
uſch! wie der Wind war er hinter Benders Haus verſchwunden, und eilte auf dem fade unter den alten Weidenſtämmen hin zum— Fährhäuschen, wo er allemal mit Liebe aufgenommen wurde. Im Fruühling wurden Vogelneſter in den Weiden geſucht oder wilder Spargel geſtochen, der da im Anſatz des angeſchlemmten Landes reichlich wuchs; dann wurde gefiſcht mit Bender und Guſtel oder er ſetzte mit dem Mädchen die Leute über den Rhein, was er konnte, wie ein Alter, und derweile flocht Bender Körbe und zierliche Arbeitskörbchen. Regnete es, oder pfiff der ſchneidende Herbſtwind, ſo flocht Carl Körbe und zwar bald ſo gut, wie Bender ſelbſt. Im Winter geſchah das auch und die Luſt war das Feuerſchüren, das Holzholen in den Weiden und das Kartoffelbraten auf der Ofenplatte, die dann von Guſtelchens Hand mit etwas Salz beſtreut, beſſer ſchmeckten, als das Köſt⸗ lichſte daheim.
Wollte man etwa ſagen, ſein Erzieher, der Pfarrer, hätte das nicht dulden öollen, ſo diente zur Antwort, daß Benders Haus Eins der bravſten und geſittetſten im Städtchen war und er ihn lieber bei dieſen ſchlichten, guten Menſchen wußte, als bei der Rotte Korah der Buben des Städtchens, die ihn Anfangs neckten, die er dann aber ſo lederweich durchbläute, daß ſie gerne ſtill abzogen, wenn er ſie nicht reizte. Er war handfeſt geworden bei den guten Pfarrersleuten und ſeine
geiſtigen Kräfte ſtärkten ſich von Tag zu Tag im geregelten Unterrichte und ſeiner
eigenen Arbeit und Thätigkeit, daß der Pfarrer große Freude an ihm hatte, und ihm daher gerne Etwas nachſah. Der Verkehr mit dem bildhübſchen kleinen


