Jahrgang 
1 (1858)
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Dies und Das.

Eine Wallroßjagd. Der amerikaniſche Reiſende, Dr. Kane, der, als er den im nördlichen Eis⸗ meer verunglückten Capitain Franklin aufſuchen wollte, ſehr weit in dieſen vom Eiſe bedeckten Einöden kam, erzählt die Jagd, welche ſeine Leute mit den Eskimo's, den Wilden, welche dieſe unwirthbaren Gegenden bewohnen, auf Wallroſſe vornahmen in etwa folgender Weiſe. Die Ab⸗ theilung, welche auf die Wallroßjagd ausfuhr, hatte drei Schlitten, welche von Hunden gezogen wurden. Als ſie ſich der Stelle näherten, wo offenes Meer war, hörten ſie das eigenthüͤmliche Brüllen des Thiers, das einige Aehnlichkeit mit dem Brüllen einer Kuh hat. So nahe mußte die größte Vorſicht beobachtet werden, denn das ungeheure Seethier iſt ſchlau und, einmal wild

gemacht, ſehr gefährlich, obgleich ſeine Bewegungen ſteif ſind. Der Jäger, der mit Harpunen,

Spießen, welche tüchtige Widerhaken haben, an langen Leinen aus der zähen Haut des See⸗ hundes, verſehen iſt, darf ſich der Stelle, wo das Wallroß mit ſeinen großen abwärts gebo⸗ genen Zähnen ſich am Eiſe feſthält, nur nähern, wenn das Thier unter Waſſer iſt. Die Eskimo's kennen die Zeit, wie lange es unterzutauchen pflegt, genau. Sobald ſie vermuthen, daß das Thier wieder an die Oberfläche der Eisbank kommt, legen ſie ſich platt auf das Eis und rühren ſich nicht, bleiben auch in dieſer, gewiß nicht angenehmen Stellung, bis das Thier wieder untertaucht, dann bewegen ſie ſich raſch wieder eine Strecke vorwärts, um ſich wieder niederzulegen, ſobald, das Thier ſeinen Kopf und ſeine Bruſt wieder aus dem Waſſer hebt. Iſt er nahe genug, ſo wirft er raſch und ſicher ſeine Harpune, und iſt das Thier, wie faſt immer, getroffen, ſo flieht er, ſo ſchnell er kann, ſchlägt einen eiſenbeſchlagenen Stab ins Eis und wickelt feſt die Leine drum; das getroffene Thier geräth in eine fürchterliche Wuth, taucht zwar unter, kommt aber ſchnell wieder, um ſeinen Feind zu ſuchen, und ihn zu vernichten. Erreichte es ihn, ſo würde es ſeine furchtbaren langen Fangzähne dazu verwenden, ihn völlig zu zerfleiſchen, zu zerreißen und ihn in die Tiefe des Meeres hinab zu ziehen. Das weiß der Eskimo. Er kennt die Rachewuth des Thieres. Kaum iſt dasſelbe wieder untergetaucht, ſo reißt er ſchnell ſeinen in's Eis geſchlagenen Stab heraus und eilt, ihn an einer andern Stelle einzutreiben, was ihm die lange Leine geſtattet. Kaum iſt dieß geſchehen, ſo ſtößt das rieſen⸗ hafte, ſtarke Thier das Eis genau an der Stelle durch, wo der Eskimo mit ſeinem Stabe ge⸗ ſtanden hat. In der Regel empfängt es dann eine zweite und ſo oft acht bis zehn Harpunen in ſeinen unförmlich großen, oft ſieben Hundert Pfund ſchweren, fetten Leib. Noch grimmiger wird nun das Thier, weil es ſeinen Feind nicht erreicht, dieſer es aber auf's Neue verwundei hat. Es zertrümmert ringsum das Eis in wahrer Raſerei. Wieder ändert der Eskimo ſeinen Standort mit dem Stabe auf der Eisbank, denn ſicher ſtößt es jetzt an dieſer Stelle das Eis durch. Die Leine wird bald angezogen, bald nachgelaſſen und das Thier immer wüthender. Es brüllt und ſchäumt vor ohnmächtiger Wuth, denn der kluge Jäger iſt, wenn es an der Stelle das Eis nun wieder durchſtößt, immer an einer andern in Sicherheit. So ſetzt ſich der Kampf viele Stunden lang fort, bis endlich der Blutverluſt das Thier erſchöpft und ſein Tod eintritt. Mit vereinter Kraft wird nun das erlegte Thier dadurch auf's Eis gezogen, daß die Jäger mehrere Leinen von Seehundhaut in ſeine Halshaut befeſtigen, dieſe um die dicken, in's Eis eingeſtoßenen Stäbe ziehen, und ſo das Thier auf's Eis bringen. Nichts gleicht dann der Luſt, mit der ſie ſich über das todte Thier herwerfen und es zerlegen. So geſchah es auch hier. Die Schlitten wurden mit den beſten Stücken befrachtet, die Eingeweide und der größere Theil des Thieres in der Höhle eines Eisberges ſorgfältig begraben und verwahrt, damit kein Eisbär es finde und verzehre, und dann wurde fröhlich die Rückfahrt angetreten. In dem Eis berge konnte das Fleiſch nicht in Fäulniß übergehen und es blieb bis das Mitgenommene ver⸗ zehrt war, aufgehoben. Der Eskimo, der den Hunger lange ertragen kann, der oft ſein Theil iſt, kann furchtbar eſſen und ſolch' eine glückliche Jagd gibt ſeiner Eßluſt eine reichliche Ge⸗ legenheit und Befriedigung.

Wie wunderbar ſind die Werke des Herrn! An der Muskitoküſte Amerika's ſind die Quellen und das ſuße Waſſer ſelten; aber der Allmächtige hat eine Pflanze geſchaffen, die Menſchen und Thiere vor dem Verſchmachten ſichert, es iſt die ſogenannte Regenpflanze, ein Schlinggewächs, das ſeine Ranken bis in die höchſten Wipfel und Zweige erhebt. Ihre Blätter ſind trichterförmig zugerollt und die Oeffnung iſt nach oben gerichtet, die Fuge aber, die das übereinander gerollte Blatt⸗Ende bildet, ſo feſt und dicht geſchloſſen, daß ſich in dieſem natürlichen Trichter Regen und Thau ſammelt und ſich lange friſch erhält. Ein ſolches Blatt enhält bisweilen ein Viertel⸗Quart des reinſten und klarſten Waſſers. Da ruft der Menſch aus: Herr, wie ſind deine Werke ſo groß und viel! Die Erde iſt voll deiner Güter! Du thuſt deine milde Hand auf und ſättigeſt Alles mit Wohlgefallen! Wo hätte der Herr ſeiner Geſchöpfe jemals vergeſſen?