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ſein, ſind übrigens ſehr ungleich erhalten. Halb vermodert jene und zerſtört, die ſchon abgeſtorben in dem Moore verſanken. Andere dagegen härter und dauer⸗ hafter, als je im friſchen Zuſtande, und dann von außen nach innen vom Schwarzen in’s Dunkelbraune gefärbt. Dieſe ſind als kräftige Bäume gefallen und in die Tiefe untergegangen, dort haben die harzigen und fäulnißwidrigen Subſtanzen der Moorfeuchtigkeit ſie durchdrungen, verdichtet und ſie vor Ver— moderung bewahrt. Aus gleichem Grunde trifft män auch Tannen und Fichten, die von Hauſe aus harzreich ſind, in den älteſten Mooren vor anderen Bäumen wohl erhalten. Dieſe zerſetzungswidrige Eigenſchaft der Torffeuchtigkeit bewährt ſich übrigens noch an Gegenſtänden, die viel leichter verweſen als Holz, an Kleidungsſtücken und an Leichen von Menſchen und Thieren. 49 Jahre lang hatten zwei Leichen in einem irländiſchen Moore gelegen, und als ſie 1737 an's Licht gezogen wurden, ſollen ſie und ihre Kleider ſo unverſehrt ausgeſehen haben, als ob erſt vor wenig Tagen das Begräbniß ſtattgefunden hätte. Ihrer Tracht nach ſeit hunderten von Jahren untergeſunkene Koͤrper zeigten ſich nicht minder gut erhalten, mit der alleinigen Ausnahme, daß die Haut braun gefärbt erſchien. Nicht immer jedoch werden die weichen Theile ſo unverletzt bewahrt, dieß bezeugen die zahlreichen Schädel und Gerippe von Hirſchen, Pferden, Ochſen, Schafen, Schweinen und Hühnern, die aus den Torfen ausgegraben worden und die doch ſchwerlich allein, ohne Haut und Fleiſch, auf die trügeriſche Sumpfdecke ſich gewagt, um darin einzuſinken. Häufiger noch finden ſich kleinere Thiere eingeſchloſſen, außer Fiſchen, z. B. Schnecken, d. h. ihre Schalen, beſonders aber Käfer, deren Flügeldecken ſchillernd mitten aus einem Stücke braunen Torfs hervorblicken, in Bruchſtücken freilich manchmal, von denen nur das Mikroscop angeben kann, wem alles bei Lebzeiten ſie angehört.
Trotzdem aber ſolche Moore ein weites, weites Grab ſind für viel tauſend Thiere und ſo unzählbare Millionen von Pflanzen, die in Jahrhunderten darin verſunken, und ſie auch ſelber düſter und einförmig genug dazu ausſehen, ſo iſt doch eine geheimnißvolle Macht in ihnen thätig und ſind ſie noch mit einge⸗ ſchloſſen in den Kreis der ſchöpferiſchen Weisheit, die auch, was todt und erſtorben ſcheint, noch in Liebe hält und mit verborgenen Kräften darin webt. Ein innerliches Arbeiten und Schaffen regt ſich mitten in der Verweſung, es bietet dem Untergange Halt und zeugt neues Leben. Was den Weltball mit gewaltigen Kräften geſtaltet, das iſt im Kleinen noch heute thätig in der ſtillen oͤden Wüſte des Torfmoores. Aus den Waſſern ſteigt, wie am Tage der Schöpfung das Feſtland mit ſeinem grünenden Leben über das Chaos empor, eine eigne kleine Welt mitten in der ganzen allgemeinen. Eine Schichte Torf legt ſich auf die andere, wie einſt die Gebirgsmaſſen in den unergründlichen Tiefen der Erdfeſte ſich über einander gelagert. Beide begraben und bewahren in gleicher Weiſe die Thiere und Pflanzen zu ihrer Zeit. Hier ſind es die Gräſer und unſere Hausthiere, dort Palmenwälder und die Rieſengeſchöpfe der Urwelt, die einen verſenkt im Felſenſarge eines Gebirges, im weichen Schlamme eines Moores die andern. Den Steinkohlenminen tritt das Torflager gegenüber und wenn an einem Orte nach Jahrzehnten gezählt wird, am anderen aber nach Jahrtauſenden, der Menſch in ſeiner Spanne Zeit mag wohl einen gewaltigen Unterſchied finden, aber was will das Alles heißen vor dem Auge, deſſen, dem nichts groß und nichts klein iſt und tauſend Jahre wie ein Tag vergehen.


