Jahrgang 
1 (1858)
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darauf und nach dreißig bis vierzig Jahren war der Torf wieder von neuem erzeugt und zum Abſtechen reif, wenn nicht etwa das Waſſer abgeleitet oder Vieh darauf gewaidet worden.

Denn ebenſo wie Haiden, Wieſen und Wälder allmälig in Moor ver⸗ ſumpfen, können auch umgekehrt auf Torfboden gelegentlich wieder Wieſen ent⸗ ſtehen, indem durch Kanaͤle die oberſte Schichte des Moores entwäſſert, der filzige Raſentorf mit ſeiner Pflanzendecke ein Paar Fuß tief abgetragen und die Moderfläche einfach gedüngt wird. Von ſelbſt, und ohne beſondere Anpflanzung, keimt nun dichtes ſüßes Gras hervor mit Kleearten untermiſcht, beide dem ur⸗ ſprünglichen Moore gleich fremde Gewächſe. Woher der Same dazu gekommen? Kaum wohl wo anders her, als aus dem Dünger und in dieſem aus dem ſeiner Zeit verfütterten Heu.

Und wie von dieſer Wiedererzeugung des Torfes die Zeitdauer bekannt iſt, ſo läßt ſich auch von gar manchen Torflagern, die noch immer fortwachſen, angeben, weniger zwar, wie viele Jahre ſie zu ihrer jetzigen Bildung bedurft, als vielmehr, wann ſie noch nicht beſtanden haben. Die unwiderlegbarſten Nach⸗ richten hierüber finden ſich zum Theil in den Mooren ſelber, und dieſe alle deuten in die geſchichtliche Zeit. Sie bieten zugleich den Aufſchluß über ihren Urſprung, ob ſie denſelben einem Walde, einer Hoide, die verſumpft, oder einem See, der halb eingetrocknet, verdanken. So finden viele Orte in Deutſchland, Frankreich, Schottland, die römiſche Aufzeichnungen als bewaldet bezeichnen, in bodenloſen Moor umgewandelt, in den Ardennen z. B.

Es wurde die Vermuthung aufgeſtellt, daß die Veranlaſſung hierzu der Befehl des Kaiſers Sevetus gegeben, die Waldungen in den eroberten Provinzen aus Kriegsrückſichten zu zerſtöͤren. Kupferne römiſche Feldkeſſel und Töpfe, Keulen, Aerte und andere Waffen, ſelbſt Münzen romiſchen Gepräges, gaben aus der Tiefe der Torflager Zeugniß von deren Alter, wenn auch nicht von ihrem Urſprunge. Aerte, Pfeilſpitzen von Stein dagegen, hölzerne Boote aus einem einzigen Stamme und dergleichen Gegenſtände, wie ſie aus deutſchen und brittiſchen Torfen ſchon öfter gegraben worden, erwieſen ſich wieder als den Ein⸗ gebornen zugehörige Geräthe. Noch ſichrere Belege für das Alter manches Torf⸗ lagers bieten eine römiſche Kunſtſtraße, ein römiſcher Damm, welche in ſeiner Tiefe verlaufen. So entdeckte man 5 bis 6 Fuß tief im Murtnermooſe einzelne Stellen einer gepflaſterten Straße, wie auch eingerammtes Pfahlwerk. In dem großen Moore an der hannover⸗oldenburgiſchen Grenze(von Lohne zum Duͤmmer⸗ ſee) ſtieß man 4 Fuß tief im Moor ebenfalls auf römiſche Bauten. In der niederländiſchen Landſchaft Drenthe findet ſich in geringer Tiefe ein Straßen⸗ damm, der 4500 Schritte weit verfolgt wurde. Andere alte Heerſtraßen weiſſen die ſchottiſchen Moore auf, während man im Salzburgiſchen und Bayeriſchen Scheunen und Gartenzäune von Moor überwachſen gefunden.

Zu den häufigſten Erſcheinungen in Torfmooren aber gehören die Baum⸗ ſtämme, einzeln oder in Maſſe eingelagert. Und natürlich, iſt doch an der Stelle ſo vieler Moore früͤher Wald geſtanden. Durch Wachsthum des Sumpfes erſtickten die Bäume, ſtarben ab, die umgeſtürzten Stämme ſanken, und immer tiefer, dem Zuge ihrer Schwere folgend, bis auf den Grund. Hingegen wird der Torf über den gefällten Wald geradezu hinaus gewachſen ſein, dort, wo man Baumwurzeln antrifft, die auf dem Grunde eines Moorlagers noch im Boden ausgebreitet ſind. Stuͤrme mögen den Wald einſt umgeworfen haben, wie dieß auch die ſtarken abgebrochenen Stämme von Eichen, Tannen und Buchen, die neben ihren Wurzelſtrünken liegen, bezeugen. Bekannt iſt, daß z. B. in der Mitte des vorletzten Jahrhunderts in Roß⸗ſhire der Sturm einen Wald niederriß, an deſſen Stelle fünfzig Jahre ſpaͤter Torf gegraben wurde. Im Hatfieldmoor, vor 1800 Jahren ebenfalls ein Wald, fand man neben Fichten, Erlen und Haſeln Cichen liegen von mehr als 100 Fuß Länge. Dieſe Stämme, die Niemand in den Moor getragen, die einſt dort müſſen gewachſen