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Sumpfe ſtand vor 300 Jahren der üppigſte Hochwald, himmelhohe Tannen mit mächtigen Eichen untermiſcht, und noch heute findet man von ihren gewaltigſten Stämmen mitten in dem Schlamme. Der Wald aber hat denſelben Weg in der Zeit gemacht, den wir eben dem Raume nach verfolgt.
Wo und unter welchen Verhältniſſen je Torf ſich bilden mag, überall iſt ſtehendes Waſſer eine Hauptbedingung dazu. In dieſem werden nicht allein die Sumpf⸗ und Waſſergewächſe erzeugt, ſondern auch wieder der Ein⸗ wirkung der Luft entzogen, wohl theilweiſe zerſetzt, aber nicht der völligen Verweſung preisgegeben, ſondern viel eher unter Waſſer conſervirt. Dieſe Ueber⸗ reſte der Pflanzen in all ihren Stufen der Vermoderung, von der unveränderten Holzfaſer an bis zum gleichförmigen ſchwarzzähen Schlamme, ſind es, die eben den Torf ausmachen und ihm, je nach der Umwandlung, in der ſie begriffen ſind, ſeine verſchiedene Beſchaffenheit verleihen.
Wo das ſtehende Waſſer tiefer, da ſtellen ſich im Frühling bald jene faden⸗ förmigen gallertigen Waſſerpflanzen ein, die auf der Fläche langſam fließender Baͤche, der Teiche und Weiher ſchwimmen. Im Herbſte ſterben dieſe Conferven ab, ſinken unter und neue folgen im nächſten Jahre ihnen wieder nach. Vom Rande her breiten ſich nun allmälig auf ſolcher Unterlage eigenthümliche Sumpf⸗ gewächſe über die Waſſerfläche aus, das ſchwammige halb ſchwimmende Torf⸗ moos vor allen, dann aber auch Gräſer. Dieſe lockere Moosdecke verdichtet ſich, denn oben wächſt ſie beſtändig fort und verzweigt ſich, indeß die unteren, älteſten Theile abſterben und zu verweſen beginnen. Durch Fortwuchern nach den Seiten hin werden ſo ganze feſte Raſen gebildet, darauf auch eigentliche Sumpfpflanzen ſich anſiedeln: Löffelkraut, Ranunkel, Oechis, Weide und Binſen. Dieſe Raſendecke, 2 bis 4 Fuß dick, iſt ſo feſt, daß ſie auf Teichen und Seen nicht allein hie und da Grasplätze bildet, ſondern ſelbſt ſchwimmende Inſeln, auf denen Vieh gewaidet und gelegentlich geheut wird. Der Neuſiedlerſee in Ungarn trägt z. B. eine ſchwimmende Inſel von 6 Quadratmeilen Aus⸗ dehnung, die neben dem Schilfe, den Binſen und etlichen magern Birken und Erlen, mit ſaurem Graſe bewachſen iſt, das in trocknen Jahren gemäht, in maſſen von Vieh abgewaidet wird, wobei die Thiere nicht ſelten bis an den Bug im Moraſte einſinken.
Wie das Haidekraut die endlos öden trockenen Sandſtrecken im Norden
bedeckt, überzieht es häufig mit demſelben einförmigen Kleide gleicherweiſe auch den moorigen Raſen in unabſehbar ausgedehnten Flächen und liefert in ſeinen abſterbenden holzigen Stengeln und Wurzeln einen Beitrag an die Torfmaſſe, die ihm bereits zur wnrrerüdge dient. Da dieſes Haidekraut auf dem Moore adene weneiai an ſich reißt, giebt es ihm zugleich auch billig den Namen — Haidetorf. Durch fortwährendes Abſterben dieſer Gewächſe und Wachſen neuer auf ihnen, ſteigt das Lager in ſeiner Mitte allmälig in die Höhe, oft 10 bis 20 Fuß über die Waſſerfläche hinaus, und gleichwohl wachſen immer noch dieſelben Sumpfpflanzen auf ihm, denn wie ein Schwamm zieht die Schicht durch die Haarrohrchen ununterbrochen Waſſer nach und hinauf und fullt ſich damit an bis zur Oberfläche(Hochmoore). Anderſeits, da die Zerſetzung der vegetabi⸗ liſchen Theile beſtändig, ob auch langſam, fortſchreitet und der Druck von oben immer zunimmt, ſo werden die unteren Schichten ſtets dichter, ſchwerer, gleich⸗ artiger, unkenntlicher; das verfilzte Gewebe von Pflanzenſtengeln, Wurzeln, Blaͤttern verliert durch Vermoderung mehr und mehr ſeine faſerige Beſchaffenheit und wird zu einer ſchwarzbraunen, erdigen, ſchlammartigen Maſſe.
Denkt man ſich demnach ein Torflager in der Mitte von oben nach unten durchſchnitten, dann liegen von ſeinen verſchiedenen Beſtandtheilen in der Tiefe die zuerſt aufgetauchten, die Waſſerpflanzen. Ueber dieſen die derberen, faſe⸗ rigen Sumpfgewächſe und zu oberſt endlich die Landpflanzen, theilweiſe ſchon zerſtört, in ihrem jüngſten Nachwuchſe jedoch noch unverletzt, als lebendige


