Jahrgang 
1 (1858)
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Das Waſſer hat in dieſen tiefen Lagen kein Gefälle mehr gefunden, um nach den nächſten Flüſſen und dem Meere abzufließen, es iſt ſo in den Mulden ſtehen geblieben, hat ſich angeſammelt, Waſſerpflanzen ſind aufgeſchoſſen, haben die Grund⸗ lage abgegeben für die Sumpfgräſer, das Haidekraut, welches ihnen gefolgt, und die Torfoüdung war in vollem Gange.

Die Niederungen der Nordſeekuͤſte von Oſtfriesland nach Rußland, bei 20 bis 25 Meilen landeinwärts, zeigten ſich vor wenig Jahrhunderten noch durch zahlreiche Meeresarme in allen Richtungen durchſchnitten. Luſtig fuhren in dieſen die Schiffe umher, von einer Inſel zur andern. Heute iſt dieſe Gegend eine ganz andere: kein helles Waſſer blinkt mehr zwiſchen freundlichen Inſeln, Land und Meer iſt in das eine Moor umgewandelt und von den Schiffen wird nur aus den Torfgruben hier eine Planke, dort ein Ruder oder ein Anker gegraben.

Aehnlich verhält es ſich wohl auch mit der Entſtehung vieler kleinerer Torf⸗ gründe, mancher derMööſer z. B., woran die hüglige Schweiz ſo reich iſt. Bekannt ſind die großen Moöſer(Moore) zwiſchen dem Neuenburger⸗, Bieler⸗ und Murtnerſee, von deren Entſumpfung jetzt ſo vielfach die Rede geht. Dieſe weiten Strecken beſtehen zum großen Theile aus Torf. Wo heute drei Seen ſtehen, da war früher ein einziges großes Waſſerbecken, daraus bloß die höheren Hügel als Inſeln hervorragten. Das Waſſer lief in der Folge theilweiſe ab und hinterließ nur die drei Schalen, d. h. die drei größten Vertiefungen noch angefüllt. Der ehemalige Seeboden aber trocknete nicht völlig zu feſtem Grunde aus. Dieß hinderte das noch fortwährend ſich ſammelnde Waſſer, zwar nicht reichlich genug, um den großen einen See wieder herzuſtellen, wohl aber um Verſumpfung zu bewirken und alles zu bieten, was der Bildung von Torf förderlich. In der Weiſe geben ſich denn manche Torflager als Ueberreſte früherer Seen und Waſſerbecken zu erkennen.

Steigen wir aber aus den Tiefen und Thälern nach den Rücken der be⸗ waldeten Gebirge hinauf. Der Schwarzwald z. B. bietet hierzu die trefklichſte Gelegenheit. Dort oben auf der Höhe, mitten aus dem kräftigſten Hochwald, dem üppig ein junger Forſtwuchs nachſteigt, treten wir an eine lichtere Stelle vor, wo die Stämme kleiner, unanſehnlicher erſcheinen, die Gipfel der höheren Bäume aber abgeſtorben ſind und von den rauhen Aeſten graues Moos in langen Bärten herunterhängt. Die Bäume, die erſt nur hie und da ausge⸗ gangen, fehlen nun bald ganz, es wird öde auf der Höhe, Heidelbeeren, Moos⸗ beeren nehmen den Boden ausſchließlich in Beſchlag und überwuchern alles mit einem dicken Geſtrüppe, darin der Fuß immer tiefer einſinkt und mühſamer vor⸗ wärts dringt. Dann und wann ſteht etwa noch ganz vereinſamt aus beſſerer Zeit ein alter mächtiger Stamm da; wo aber jüngeres Gehölz verſucht hat nach⸗ zudringen, iſt es kränklich und verkümmert in halbem Wachsthum ſtehen geblieben. Wohl klammern ſich noch zahlreiche Strünke ringsumher mit den knorrigen Wurzeln an der Erde feſt, als wollten ſie die nicht laſſen, aber ſie ſind ſchon überwunden: die Wurzeln ſind vermodert und darüber weg iſt Moos, iſt die Heidelbeerſtaude gekrochen und verdecken ſie, wie ein dichtes Grabtuch, mit ihrem hellen Grun. Unter der üppigen Decke, in dem Gefilze des Mooſes, ſammelt ſich indeß der Niederſchlag von Nebel, Schneewaſſer und Regen und bleibt ſtehen in einzelnen Löchern und Vertiefungen das Jahr hindurch. Eine Sumpfſtelle hat ſich gebildet, in der Nähe ebenſo eine zweite und dritte, denn das Waſſer vermag nicht abzuſickern, weil unter dem Waldgrund ein Lager von Thon oder Granit liegt. Und ſo bieten ſich in einem regneriſchen oder ſchneereichen Jahre dieſe einzelnen Pfützen aus, vereinigen ſich mit einander und immer raſcher ſchreitet nun die Bildung des Moores vor. Isländiſch Moos und andere Flechten bedecken den Boden, im Waſſer fluthendes gelbliches Torfmoos ſchießt auf, häuft und verdichtet ſich zum ſchwammigen Raſen, Sumpfpflanzen wachſen nach und die weißen Flocken des Wollgraſes verdecken trügeriſch hie und da die bodenloſen Stellen des ausgebildeten Moores. An dieſem ſelben braunen