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Vom Torfe.
von Th. Meyer⸗Merian.
Im Felde draußen iſt das Gras und des Graſes Blume verdorrt, die Früchte ſind gefallen und eingeheimſt, auf dem Boden liegt der Wälder Schmuck und durch die leeren Zweige zieht der feuchte kalte Nordwind. Braun und fahl iſt's auf der Erde, grau am Himmel ſo weit das Auge ſchweift. Das heitre Geſicht der Natur iſt ernſt und dürſter geworden und geſchreckt flieht der Menſch aus dem Freien in ſeine Städte und Dörfer hinein, ſchließt Fenſter und Thüre und arbeitet tüchtig zwiſchen den vier Wänden, daß er warm bekomme. Und wenn nun da die langen Abende einbrechen, rücken ſie zuſammen um das Feuer, das im Ofen oder auf dem Heerde praſſelt, ge⸗ denken vergangener Tage oder erzählen ſich Mährlein zur Kurzweil, bis draußen im erſten Frühlingsſtrahl der Schnee wieder vom Dache träufelt, die Haſelſtauden zu blühen beginnen und die Amſel zum erſtenmal ein helles Lied anſchlägt. Aus einer Welt flüchten die Menſchen in eine andere, laſſen ſich am liebſten von Zaubergärten und Wunderinſeln erzählen, die großen und kleinen Kinder, oder von längſt ent⸗ ſchwundenen ſeltſamen Zeiten. Und je höher der Schnee liegt, je dicker die Fenſter⸗ ſcheiben gefroren ſind, deſto weiter uͤber Land und Meere tragen die Flügel ihrer Ge⸗ danken, deſto lieber weilen ſie in der fremden Welt, Eis und Froſt zu vergeſſen, die ſie gefangen halten.
Und in ſolch eine fremde, verborgene und geheimnißvolle Welt ſoll dir auch jetzt der Blick geöffnet, der Weg dadurch gewieſen werden, wenn du zu der Reiſe dein Ruheſtündchen hergeben willſt.
Sieh dieſe weite Ebene, die braun und düſter ſich ausdehnt, öde Alles und un⸗ fruchtbar, der dunkle feuchte Boden nur hie und da mit ſaurem Riedgraſe bedeckt. Nichts unterbricht die Einförmigkeit, als die eckigen Haufen der ausgeſtochenen ſchwarzen Torfſtücke, aufgeſchichtet zum Trocknen, die finſteren Gruben mit dem trüben Waſſer drin und graue ſchwere Nebel, welche nieder und faſt unbeweglich darüber hängen.
Bei dieſem Moore, das ſo weit abliegt von den Fruchtäckern und Gärten des alltäglichen Lebens, verweile ein wenig. Wohl iſt es kein freundliches Bild; aber laß dich nicht zurückſchrecken. Tritt muthig auf das düſtere ſumpfige Feld, richte das Auge auf's Unſcheinbare und Verborgene, mit jener Liebe bewaffnet, die auch in das dringt, was von gewöhnlichen Blicken gering geachtet wird. Gewöhne es im Dunkeln zu ſchauen und was dich erſt erſchreckt, wird entſchwinden, gleich einem gelöſten Zauber. Wie dem einfachen Waſſertropfen unterm Vergrößerungsglaſe Wunder über Wunder entſteigen, ſo wirſt du auch in dem Einförmigen, Oeden und Unfruchtbaren, dem ſchein⸗ bar Erſtorbenen eine neue unendliche Welt erſchloſſener Geheimniſſe entdecken.
Weithin breiten ſich im Norden und Weſten Europas dieſe Torflager aus. Die Niederungen zwiſchen der Nord⸗ und Oſtſee ſind neben ihren Kieferwäldern und Haiden mit Mooren bedeckt, welche das langgeſtreckte Tiefland ausfüllen. An der Grenze von Holland und Hannover(im Bourtanger⸗Moor), iſt ein Punkt, wo der Horizont, wie das offene Meer, von einer reinen Kreislinie umſchloſſen erſcheint, kein Buſch, kein Baum, keine Hütte, nichts auch nur von der Höhe eines Kindes, in der ſcheinbar endloſen Einöde uͤber den Boden aufragt. Denn ſelbſt jene blauen Inſeln in nebliger Ferne, die entlegenſten, im Birkengehölze verſteckten, Anſiedlungen ſind end⸗ lich hinter dem freien Horizonte hinabgeſunken. Dieſe ganze unendliche Weite von fünfzig bis ſechszig geographiſchen Quadratmeilen wird von nichts bedeckt, als von Haideraſen und den, über dem braunen Schlamme ſchwankenden, Halmen des Ried⸗ graſes. Das Moor von Montoire, ſüdlich der Loire, zählt 50 Stunden im Um⸗ fang, das Düvelsmoor im Bremiſchen 20 an Länge und 4 bis 5 in der Breite. Noch größere Sümpfe ſchließt Irland ein, von deſſen Boden überhaupt mehr als
drei Millionen Juchart(3 Mill. acres) durch Moor in Beſchlag genommen ſind.
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