Jahrgang 
1 (1858)
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Auch der Rothgerber hat ein Zeichen, das nicht trügt. Bekanntlich um⸗ geben in der Regel Haufen ausgeſaugter, ausgegerbter Lohe die Gerbereien, wenn nicht alsbald Lohkuchen zum Brennen daraus getreten werden. Bei langer Trockenheit trocknen dieſe Lohhaufen, die an und für ſich locker liegen, ziemlich tief hinab aus; allein ſobald die Luft feucht wird, zeigen ſich auf ihnen gold⸗ gelbe eigenthünliche Pilze, die wie Haufen darauf liegen. Die Ger⸗ ber ſagen, das Loh blüht; es gibt Regen! Dieſe ſchönen Pilze treten außer⸗ ordentlich ſchnell auf, ehe man noch andere Voranzeigen von Regen hat und verſchwinden ebenſo ſchnell wieder, wenn die Trockenheit der Luft wieder vor⸗ herrſcht, wie ſie urplötzlich gekommen ſind. Kinder nennen dieſe Pilze Schlangeneier.

Ich könnte die Reihe dieſer Voranzeigen des Witterungswechſels, nament⸗ lich bei den verſchiedenen Gewerben, in's Endloſe vermehren, auch könnten es Andere ohne Zweifel durch genaue Thierbeobachtungen, aber es hat für's Erſte mit dieſen genug, namentlich für die, welche zu aufmerkſamer Naturbeobachtung Neigung, Zeit und Gelegenheit haben. Nicht nur nützlich iſt es in manchen Fällen des Berufslebens, beſonders für den Landmann, ſondern es liegt noch ein anderer, höherer Gewinn darinnen, der nämlich, daß auch in Beziehung des Vorgefühls der Veränderungen der Witterung die Beobachtung der Geſchöpfe den ſinnigen Forſcher und Beobachter die Weisheit und Güte des Schöpfers erkennen und preiſen lehrt, die ſeine Weſen mit einer Gabe ausrüſtete, die ſie vor Schaden ſchützen und ſich bewahren lehrt, und dem Menſchen ſelbſt wohl⸗ thätig werden, wenn er ſie ſorgfältig beachtet.

Der Kreis der Beobachtungen iſt unendlich groß und weit und noch iſt wenig auf dieſem Gebiete geſchehen. Möchte das Wenige, was ich hier, meiſt aus eigener Beobachtung, mitgetheilt, Veranlaſſung werden, daß ſolche, denen Beruf und Umſtände, Zeit und Mittel gegeben ſind, meine und anderer Beob⸗ achtungen zu vervollſtändigen und zu ergänzen ſich zur Pflicht und Luſt werden laſſen. Es iſt belehrend und heilſam, und gewährt vielen Vortheil in ihrem Berufsleben.

Zum Schluſſe möchte ich aber nun noch eines abſonderlichen Wetterprophe⸗ ten gedenken, von dem ich nicht weiß, ob ich ihn dem Gebiete des thieriſchen Lebens zuweiſen darf, oder ob er in das Gebiet menſchlicher Kunſtprodukte zu rechnen ſein möchte. Vielleicht gehört er beiden zugleich an; aber das muß ich aus eigener langjähriger Erfahrung ſagen, er iſt untrüglich, und er macht ſeine Prophezeihung mit einer Ausdauer und Macht geltend, die, ob man es auch mit dem entſchiedenſten Willen und Vorſatz möchte, durchaus nicht unbeachtet bleiben kann.

Fragſt du, lieber Leſer, was ich meine und wo du dieſen Wetterpropheten zu ſuchen habeſt, ſo preiſe ich dich glücklich, denn du haſt ihn nicht; ich meine das ſo genannte Krähen⸗ oder Hühnerauge, auch Leuchtdorn genannt, das in deinem Schuhe oder Stiefel ſteckt. In der Regel hat es zwei zuſam⸗ menwirkende Urſachen, jugendliche Eitelkeit, die gerne einen netten Fuß haben möchte, und Schuſterunehrlichkeit, die ihr fröhnt und in die Hände arbeitet. Freilich gibt's auch Fälle, wo lediglich Schuſterdummheit und Pfuſcherei die alleinige Urſache iſt. Solch ein Krähenauge iſt eine Qual ohne Maß und Ende. Schneide man es, wie man will, und das iſt noch dabei eine lebensgefährliche Geſchichte, da ſchon Mancher ſeinen Tod durch ein zu ſcharf ausgeſchnittenes Kraͤhenauge geſunden hat, da ſich leicht Brand daran bildetz es ſchmerzt, quält und drangſalirt den, der damit beglückt iſt, bei jedem Schritt und Tritte; aber du haſt einen Wetterpropheten, der dir jeden Witterungswechſel ſicher vorher⸗ verkündigt. Nun ſagt aber das Sprüchwort: Es iſt nichts ſo ſchlimm, daß es nicht für Etwas gut wäre, und das beſtätigt ſich auch hier, denn du weißt, was ſo Viele im Leben nicht wiſſen wo dich der Schuh drückt!

u.