Jahrgang 
1 (1858)
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Elektrizität in der Luft vor einem Gewitter auf den Menſchen und ſeine Nerven läh⸗ mend wirkt, ſo wirkt ſie auf die Vögel belebend. Das möchte denn auch bei dem Hof⸗ hahn der Fall ſein. Denn wenn er frühe am Morgen gellend und anhaltend kräht, ſo gibt's in der Regel am Mittage Regen oder am Nachmittage ein Gewitter.

Die meiſten bekannten Vögel gehören der zweideutigen, unſichern Zunft der Wet⸗ terpropheten mit größerem Rechte auf wohlverdientes Vertrauen an, als ihre menſch⸗ lichen Genoſſen. Pas dieſe erklügeln wollen, ſagt jenen eine untrügliche Vorahnung künftiger Dinge in dieſer Beziehung, die Gottes Güte zur Erhaltung dieſer Thierchen in ihre Natur gelegt hat. Wer ſeine Aufmerkſamkeit ihnen zuwendet, geht ſicher und kann ſich vor Schaden und Nachtheil bewahren.

Fliegt die Schwalbe am Morgen frühe ſchon hoch hinauf in die blauen Räume, daß ſie uns oft nur noch wie ein Käferlein erſcheint, ſo gibt es einen hellen, trockenen Tag. Die Luft iſt rein von feuchten, ſchweren Dünſten, denn die kleinen Schnaken, Fliegen und Inſekten, von denen die Schwalbe lebt und die ſie im Fluge haſcht, ſind in dieſe Höhen hinauf geſtiegen, was ſie nicht gethan haben würden, wenn der Luft⸗ raum nebelig, duftig und mit Waſſerdünſten angefüllt wäre. Nicht Luſt hat die Schwalbe hinauf geführt; ſie will ſich nicht, wie mehre überſchwenglichen Dichter ſagen, im reinen Aether die Bruſt baden, ſondern ſie will für ſich und ihre hungernden Kinder ein Frühſtück holen.

Streicht die Schwalbe tiefer der Erde oder ganz nahe an den niedern Mauern hin, ſo wird es bald regnen; aber nicht darum, weil die Schwalbe ſo nieder an der Erde oder an den Mauern der Gebäude hinſtreicht, ſondern aus dem Grunde, weil eben dieſe kleinen Thierchen, die bei reiner, trockner Luft ſo hoch hinaufſteigen, ahnend, daß die höhere Luft bald nicht mehr für ſie iſt, und ſich an die Erde geſenkt, an den Mauern und in den Ritzen ſich geſetzt haben, oder dort noch herumſchwärmen, wo ſie, wenn nun der Regen kommt, ſchnell eine ſichere Zuflucht finden. Das iſt es, was die Schwalbe zum Wetterpropheten macht, aber unbedingt zu einem zuverläſſigen.

Steigt am Morgen die Lerche jubilirend in die Lüfte, der Sonne entgegen, ſo wird der Tag ſchön. Bleibt ſie aber am Boden, und läßt ſie bloß ihren ein⸗ tönigen Ruf hören, oder ſchweigt ſie ganz, ſo greife getroſt zum Regenſchirm, wenn du etwa einen weitern Weg zu machen haſt.

Sitzen die Haustauben am Morgen mürriſch auf dem Dache und federn ſich oder ziehen die Federn durch den Schnabel, den ſie vorher an der Fettdrüſe am Steiß befeuchtet, ſo wird es über Kurz oder Lang zu regnen anheben. Das⸗ ſelbe kannſt du bei Hühnern und Enten beobachten. Ebenſo deutet's auf Negen⸗ wenn ſich die Huͤhner in trockener Erde oder im Staube wälzen und ſträuben.

Wenn das Hausrothſchwänzchen Morgens oft ſeinen krächzenden, wetzen⸗ den Ton, mit dem kurzen Pfiffe davor, wiederholt, ſo iſt das eine ungemein ſichere Vorherverkündigung, daß der Tag nicht ohne Regen vorübergehen, leicht ein völlig regneriſcher werden wird.

Sitzt der Sperling oder Spatz am Morgen pauſchig da, ſo wittert er einen naſſen Tag. Ebenſo iſt es ein Zeichen des kommenden Regens oder eines baldigen Umſchlags der Witterung, wenn der Canarienvogel im Käfig, gleich viel im Sommer oder im Winter, ſich am Morgen badet.

Daß auch die Vierfuͤßer und größeren Thiere Vorahnungen des Wetters ha⸗ ben, möchte man im Voraus annehmen, obwohl man ſie kaum kennt. Man hat da viel zu wenig beobachtet.

Unſere Hausfrauen haben übrigens auch ihre eigenthümlichen Wetterprophe⸗ zeihungen, die völlig ſicher ſind. Brennt am Kochtopfe von Eiſen oder an der Pfannenkuchenpfanne der Ruß und dringt der Rauch, durch die Schwere der außern Luft gedrückt, durch den Rauchfang im Schornſtein, ſtatt in die Luft zu ſteigen, in die Küche zuruck, ſo weiß ſie, was draußen bevorſteht, und ſagt mit voller Sicherheit: Es gibt Regen, und der Erfolg beſtätigt vollkommen ihre Vor⸗ ausſagung.