Jahrgang 
1 (1858)
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einen harten und frühen Winter rechnen, denn ſie ahnen das, und ſuchen die milderen Himmelsſtriche auf, wo ihnen im Waſſer, in der Luft und an der Erde die Nah⸗ rung geſichert iſt.

Niſten die Strich⸗ und Wandervögel noch ſpät, ſo iſt das ein ſicheres Zeichen eines milden Herbſtes und Vorwinters, der ihnen und ihren Kindern auch noch einen ſpätern Zug in die milderen Himmelsſtriche zuläßt.

Zeigen ſich im Wunter Spatzen, Finken und Ammern nahe bei den Wohnungen, Scheunen und Ställen, und zeigen ein ſtrüppiges Gefieder, ſo gibt's ſtrenge Kälte. Liegen darauf, ſelbſt wenn es noch kalt iſt, die Federn glatt wieder an, locken ſie und entfernen ſie ſich wieder von den menſchlichen Wohnſtätten, ſo tritt Thau⸗, überhaupt milderes Wetter ein, und die Erde wird bald frei und bloß. Zwitſchert der Zaunkönig, gackert, lacht und narrt die Elſter(am Rheine: Atzel) mit ihres Gleichen, und macht ſie ihre Verbeugungen häufig, ſo wird das Wetter mild und gut. Zeigt es ſich, daß bei beginnender Kälte dieſe Vögel ſich zuſammenſchaaren und ſitzen ſie, mit geſträubten Federn, puffig da, ſo iſt Schnee im Anzuge, mit Kälte im Gefolge, es müßte denn ſein, daß Spatzen und Conſor⸗ ten irgendwo einen Malzſpeicher wüßten, der zugänglich wäre. In dieſem Falle machen ſie ſich weniger Kopfbrechen.

Wenn etwa im Frühling noch einmal ein ſpäter Schnee einfällt, aber die Staare luſtig ihr Liedlein pfeifen und die Lerche ſich nicht abhalten läßt, in den Lüften zu jubiliren, ſo iſt Hundert gegen Eins zu wetten, daß die Sorgen um das Liegenbleiben des Schnee's überfluͤſſig waren und das Sprüchwort nichts gilt: Märzenſchnee thut Frucht und Weinſtock weh. Der Schnee wird bald ſchmelzen und es iſt den Vögeln. nicht bange um Frühſtück, Mittageſſen und Abendbrot. Sind ſie dagegen bei ſpätem Schnee traurig, hüpfen mit häͤngendem, geſträubtem Gefieder umher; die Lerche piept eintönig und der Finke laäͤßt, ſtatt ſeines gel⸗ lenden Frühlingsſchlages, ſein Brrrrr hören, ſo ſieht's bedenklich aus, und es iſt anzunehmen, daß der Schnee länger liegen bleibt, und daß es wieder kalt wird. Eine ſolche Trauer bei den ſchon bei uns eingetroffenen Strichvögeln, als: Bach⸗ ſtelzen, Rothſchwänzchen, Rothkehlchen, Zaunkönigen, Amſeln, Droſ⸗ ſeln iſt ein ſicheres Vorzeichen noch nahender Kaͤlte. Die Thierchen haben, da ſie meiſt von Inſekten leben, Furcht und Sorge um ihre Nahrung, und viele erliegen dann dem ſchauerlichen Hungertode. Im Jahre 1837 machten wir am Rheine und an der Nahe dieſe Bemerkung und wieder anno 1847, und der große Mangel an dieſen wohlthätigen Thierlein, die unſere Raupen vertilgen und unſer Obſt ſchützen, zeigt ſich anno 1857 noch. Die Lücken ſind noch nicht ausgefüllt, die der Hunger in dem ſpäten Schnee und ſeiner Eiskruſte in ihren Reihen hervorbrachte.

Ungünſtige Frühlingswitterung zeigen die Vögel an, wenn ſie ſich zuſammen⸗ rotten, unruhig umherflartern, nirgends ruhig ſitzen und ſtatt ihres fröhlichen Schlages, nur zirpen. Damit zeigen ſie beſonders ſtürmiſche, regneriſche Witterung an. Sie würden ſich ſonſt in einzelne Paare abſondern und zu niſten beginnen. Zichen gegen die Zeit des bald nahenden Frühlings die Ackerkrähen, ſich in den Lüften trillernd, gen Nordweſten, ſo kann man unbedingt auf bald eintretende üble, kalte oder viel Schnee bringende Witterung ſchließen. Kehren ſie gen Südoſten zurück, ſo iſt die gute Witterung in ihrem Gefolge. Schreien ſie heftig, ſteigen in die Luft und ſchwenken ſich dort mit lautem Gekrächze, ſo wird's ſtürmiſch und rauh. Viele, ja die meiſten Vögel, richten ſich mit ihrem Niſten und ihrer Brut nach der lünftige Frühlingswitterung. Wenn ſie nun Anfangs April den Tag über in Flügen und Schwärmen zuſammenhalten, ſo kann man drauf rechnen, daß ein ungünſtiges Frühjahr eintreten wird. Sie niſten dann erſt im Mai, und nur einmal im Jahre. Sondern ſie ſich aber Anfangs April in Paare und halten ſich viel bei ihren Neſtern auf, ſo wird der Frühling günſtig.

Kürzer eintretende Witterungsveränderungen zeigen die Vögel ſehr ſicher an. Wenn die Singvögel am Morgen hell gellend und anhaltend ſingen, ſo iſt anzuneh⸗ men, daß es am Tage ein Gewitter gibt, denn ein Beobachter ſagt, daß⸗ wie die