Jahrgang 
1 (1858)
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Thierreiche, und doch bin ich überzeugt, daß auch in dieſem reichen Gebiete der Schöpfung Wetteranzeiger in Fülle vorhanden ſind.

Unter den grünenden Pflanzen gibt es manche, an denen auffallende Veränder⸗ ungen vorgehen, wenn ſich irgend ein Wechſel in der Luft vorbereitet, vom Trocknen zum Feuchten oder umgekehrt. Ich erinnere an eine, als ſo genanntes Unkraut in un⸗ ſern Gärten und Feldern ſehr häufig wachſende Pflanze, an den gemeinen Gauch⸗ heil oder Hühnerdorn(anagallis arvensis), die als Wetterprophet betrachtet, unſere ganze Aufmerkſamkeit verdient. Die Pflanze blüht von Anfang Juni's bis Ende Auguſt's. Wenn ſie am Morgen ihre Blüͤthen recht fröhlich ausbreitet, und in dieſem Zuſtande weilt, ſo darf man mit entſchiedener Sicherheit darauf rechnen, daß es im Zeitraum von vier und zwanzig Stunden nicht regnen wird. Verſteckt die Pflanze am Morgen ihre Blüthen unter ihre grünen Blätter, etwa zur Hälfte, ſo gibt's, was man einen Sprützer nennt; aber ſchließt ſie ſie gar nicht auf oder verbirgt ſie ganz in die Blätter, ſo mag der, welcher noch Etwas im Trocknen vollenden will, ſich eilen, denn es wird bald und ſtark zu regnen anheben.

Auch verſchiedene Sorten des Klee's haben die Eigenſchaft, das Wetter vor⸗ her anzukündigen. Schließt der Klee ſeine zarten Blüthen am Tage, ſo kann die Hausfrau eilen, ihre Waſche vor dem nahenden Gewitter unter Dach und Fach zu bringen, wenn ſich auch die Wetterwolken noch nicht zeigen, und der Blitz nicht geſehen, der Donner noch nicht gehört wird. Nur ſuche dann Niemand Schutz unter einem Baume, weil die Bäume den Blitz anziehen, und ſchon gar mancher Unbedachtſame ſeinen Tod gefunden hat, da er meinte, Schutz vor dem Regen zu finden. Auch der Sauerklee(oxalis stricta) hat dieſe Vorahnung des Wetters, und die Tulpe mit ihrem ſchönen, farbengeſchmückten Kelche, und die ſtolz ihren Stengel mit gelben Blü⸗ then emporhebende Königskerze. Beide zeigen die Neigung zu Regen in der Luft durch Schließung ihrer Bluͤthen an. Ich bin feſt überzeugt, daß eine Menge Pflanzen uns ſichere Leiter in dieſer Beziehung wären, wenn wir ſie ſorgfältiger beobachteten und genauer kennten.

Das Thierreich, weil beſſer und genauer beobachtet, liefert uns faſt in allen Klaſſen Wetterpropheten in Menge, ja ſelbſt auf eine geraume Zeit voraus; ſelbſt bie ten uns Manche Voranzeigen, wie ſich ein Winter, ein Frühling, ein Sommer arten werde. Sehen wir ſie uns im Einzelnen an!

Schon der Name: Regenwurm zeigt eine Beziehung dieſes Thiers zur feuch⸗ ten Witterung an. Dieſe iſt unzweifelhaft. Stößt er in der Nacht Löcher und zeigt ſich an der Oberfläche, ſo iſt der Regen nicht fern. Findet man beim Spaten der Gär⸗ ten im Herbſte den Regenwurm noch häufig nahe der Oberfläche der Erde, ſo hat man ein ſicheres Zeichen eines milden Winters oder aber auch eines ſchneereichen, der dann uͤbrigens auch eben kalt ſein kann, da der Schnee die Erde vor dem tiefen Eindringen der Kälte in den Boden ſchützt. Der Regenwurm macht ſelbſt den tappiſchen Maulwurf zum Wetterpropheten. Dieſer ſucht bekanntlich den Regenwurm als Nahrung auf. Iſt daher im Frühling der Regenwurm, weil er gute, warme Witterung ahnet, nahe der Oberfläche, ſo ſtoßt der Maulwurf häufig ſeine Aufwurfhaufen, und der Schluß iſt leicht zu machen. Von dem allbekannten hellgrünen Laubfroſch will ich nicht aus⸗ führlich reden. Man ſieht ihn häufig in Gläſern, die halb voll Waſſer ſind, und ſtehet ein hölzernes Leiterchen drin. Iſt das Wetter in den kommenden Tagen hell und gut, ſo ſteigt der langbeinige Geſelle an ſeiner Leiter hinauf, ſetzt ſich behaglich nieder und harret der Fliege, die ihm ſein Ernährer darbietet. Gibt's Regen, ſo ſteigt er trübſelig in's Waſſer hinab, und wird ein Sturm daherbrauſen, ſo wird er im Waſſer am Bo⸗ den des Glaſes unruhig, und rumort toll drin herum. Nicht viel anders macht es der Blutegel; ſetzt man ihn in eine Flaſche und gibt ihm oft reines Waſſer, ſo kann man ihn(die Flaſche muß aber, wie auch bei dem Laubfroſch, wohl mit einem Läpplein, das hinlänglich Luft zuläßt, verbunden ſein) lange erhalten. Er zeigt das Wetter ge⸗ nau an. Wird es trocken, ſo ſetzt er ſich außer dem Waſſer in träger Ruhe am Glaſe feſt. Gibt es bald Regen, ſo ſinkt er in's Waſſer. Iſt der Regen vorübergehend, ſo bleibt er etwa in der Hälfte des mit Waſſer gefüllten Raumes; hält der Regen länger