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die Wiſſenſchaft heiſchte. Da machte er dann mehrmals am Tage ſeine Beobachtungen, zeichnete ſie genau auf, und wenn dann das geſchehen war, zog er ſein Facit. Das klappte allemal vollkommen für den Monat, der vergangen war, aber wie ſtand's um den nächſtkünftigen? Schlimm genug, das wiſſen wir Alle. Item der vor⸗ treffliche Stieffel hatte ſich in einer Sackgaſſe verrannt und fand den Ausweg nicht mehr. Die launenhaften Schwankungen der Witterung machten ſeine Prophezeihungen hundertmal zu Nichte, aber das ſtörte ihn nicht auf ſeinem Wege.
Noch denke ich daran, wie es mir, einem ſeiner älteſten Freunde, mit ihm einſt er⸗ ging. Ich war in Karlsruhe und wollte eine Reiſe in den Schwarzwald machen. Na⸗ türlich kam da viel auf die Witterung an, wie bei jeder Reiſe. Abends vor der Reiſe ſprach ich ihn. Nun, lieber Wetterprophet, ſagte ich, was werde ich denn für Reiſe⸗ wetter haben? Er lächelte in ſeiner eigenthümlichen, humoriſtiſchen Weiſe und ſagte: Wenn ſo brave Leute, wie Du, reiſen, ſo iſt allemal das Wetter ſchön und die Sonne lächelt allezeit! Als ich aber am andern Morgen in den Eiſenbahnwagen ſtieg, tröpfelte es ſchon tüchtig, und als ich in Baden⸗Baden aus dem Eiſenbahnwagen in den Omni⸗ bus ſtieg, da regnete es, als hätten ſich alle Fenſter des Himmels aufgethan. Das war nun freilich, nach Stieffel's Aeußerung, ein ſchlimmes Zeugniß für mich. Als ich endlich nach vierzehn Tagen ihn wiederſah, und ihn gehörig dazwiſchennahm, lächelte er wieder in ſeiner unnachahmlichen Weiſe, zuckte die Achſeln und ſagte: Du biſt, wie es hier vorliegt, doch ſo brav nicht, als ich geglaubt habe. Damit hatte ich ſchon einen Theil, und er zog ſich aus der Klemme, allein ungerupft iſt er eben doch nicht wegge⸗ kommen, und ſein Wetterprophetenthum empfing tüchtige Püffe, die er aber wieder lächelnd einnahm. 2
Dieſe Anekdote, wie unbedeutend ſie auch an ſich iſt, beweiſt doch wieder, wie es um das Vorherſagen des Wetters ſteht. Soviel iſt gewiß, daß Jeder, der es als völlig gewiß vorausverkündigen wollte, ganz entſetzlich neben die Scheibe ſchöſſe, und daß ſelbſt die allervollkommenſten Inſtrumente, die wir beſitzen, nicht im Stande ſind, ſelbſt bei der gewiſſenhafteſten und ausreichendſten Beobachtung, uns einen Standpunkt dar⸗ zubieten, von dem aus es gelingen möchte, die Witterungszuſtände künftiger Tage mit Gewißheit vorauszuſagen.
Und dennoch gibt es ſichere, ja untrügliche Wetterpropheten; freilich nicht auf Jahre, aber doch auf Tage, ja ſelbſt auf lange Zeit hinaus, und dieſe gehören allen van Reichen der Schöpfung Gottes, dem ſogenannten Stein⸗, Pflanzen⸗ und Thier⸗ reich an.
Meine Leſer und Leſerinnen werden es mir vielleicht Dank wiſſen, wenn ich ſie, ſoweit ſie nicht in ihrer eigenen Umgebung ſchon viele davon kennen, darauf hinweiſe. Was ich ihnen hier mittheile, beruht großentheils auf eigenen Beobachtungen, aber ich habe auch gerne die Beobachtungen Anderer in meinen Kreis hereingezogen, ſo weit ſie mir bekannt und zugänglich geweſen ſind. Wie ich überzeugt bin, daß Viele meine Mittheilungen beſtätigen werden, ſo wünſche ich dadurch Veranlaſſung zu eignen Be⸗ obachtungen zu geben.
Beginne ich denn!
Wer die Steine beobachtet, wird ſicherlich gefunden haben, daß es Sandſteine gibt, namentlich an und in Mauern, die, wenn es ſich draußen zum Regen neigt, auch wenn ſelbſt andere Voranzeigen mangeln, zu ſchwitzen oder mit andern Worten, feucht zu werden beginnen. Dieß thun beſonders ſalpeterhaltige Sandſteine. Jeder⸗ mann weiß, daß, wenn es nach langer Trockenheit regnen will, oder wenn im Winter nach langem und ſchwerem Froſte das Wetter umſchlagen will in mildere Witterung, die Pflaſterſteine auf der Straße an ihren Rändern, und das zwiſchen ihnen liegen gebliebene Erdreich feucht wird, und endlich auch die Pflaſterſteine ſelbſt. Es iſt dieß immer eine Voranzeige des feuchten Wetters. Im Winter pflegen, bei nahendem Um⸗ ſchlage der Witterung, die Mauernin den Häuſern und Gebäuden feucht zu werden, und einen eigenthümlichen Geruch zu verbreiten, der aber nur denen bemerklich ſein dürfte, welche mit einem ſehr feinen und ſcharfen Geruchsſinne begabt ſind. Die⸗ ſer eigenthümliche Geruch ſtellt ſich ſchon ein, ehe man die Wände feucht anfühlen
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