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Die Wetterpropheten in der Natur. Nach eigenen und fremden Beobachtungen.
Von W. O. von Horn.
Es gibt nicht leicht eine Sache, die mißlicher und bedenklicher wäre, als das Wetterprophezeihen. Niemand kommt bei den Launen der Witterung öfter in die Brüche, und riskirt leichter Ruf und Vertrauen, als der Wetterprophet. Schlimmer iſt er daran, wenn ſeine liebe Frau ihre große Waſche trocknen will, und er ihr gutes Trock⸗ nenwetter, das heißt Sonnenſchein, prophezeiht hat, und der Himmel ſein liebes Blau, die Sonne ihr ſtrahlend Angeſicht hinter Wolkenſchleier verbirgt, und es gar zu regnen anhebt! Dann iſt er— nicht beneidenswerth, denn die Beſte wird brummig— und — auf ein Kapitel oder Kapitelchen kann er rechnen. Sein Ruf wird aber noch wan⸗ kender bei dem, der alle die Einflüſſe kennt, die in dem unermeßlichen Luftraume ſich geltend, und ſchier alle ſicheren Vorausbeſtimmungen zu Schanden machen. Selbſt die beſten Inſtrumente reichen nicht zu, und von dem allbekannten Wetteranzeiger, dem Barometer, ſagt ein bekannter, kundiger Mann: drei Viertel des Jahres ſei er unſicher und ein Vierteljahr falſch.—
Am Schlimmſten aber ſteht's um die armen Kalendermacher, die das Wetter gar für ein ganzes Jahr vorausſagen müſſen, und wiſſen doch nicht, wie's Morgen aus⸗ fällt, und unter ihnen gar der arme Hundertjährige, der weiter hinaus ſoll, als ſelbſt ein Leben!— Daß das eitel Lug und Windbeutelei iſt, kann ſich Einer leicht denken, aber dennoch wollen die Leute ſolche Schnurrpfeifereien, und ein Kalender ohne Wet⸗ ter? Nein, den würde Niemand kaufen. Hab' ich's doch ſelber mit eigenen Ohren ge⸗ hört, daß die Leute, wenn ſie ſich einen Kalender kauften, allemal fragten: Iſt auch das Wetter d'rin? ihn aber erſt dann nahmen, wenn die Frage bejaht worden war. Der, welcher den Straßburger hinkenden Boten ſchreibt, einen weitverbreiteten Kalen⸗ der, kann davon reden. Vor einer Reihe von Jahren, genau kann ich das Jahr nicht mehr angeben, ſagte er einmal recht wahr und ehrlich: Er habe nun ſo und ſo viel Jahre das Wetter in ſeinem Kalender prophezeiht, und er habe es niemals getroffen, es ſei denn, daß er, wie ein blindes Huhn auch einmal ein Broſämlein oder Körnlein finde, auch blind zugetappt ſei. Er wolle deswegen, weil das doch nur pure Faſelei ſei, die Wettervorausſagung an den Nagel hängen. So ſtand denn in ſelbigem Jahre das Wetter nicht im Kalender. Aber nun kam eine Geſchichte, an die der Kalenderſchreiber nicht gedacht hatte, nämlich, die Leute kauften ſeinen Kalender nicht, und er hatte das Nachſehen und den Schaden.— Im folgenden Jahrgange des Kalenders meinte er: Er ſähe nun wohl ein, daß die Leute abſolut das Wetter im Kalender haben wollten; er ſetze es denn nun wieder hinein, gehe es, wie es gehe; aber er nähme keine Verant⸗ wortung und kein Riſiko auf ſich, und wenn im Kalender Sonnenſchein ſtehe und draußen in Gottes ſchöner Welt regne es tüchtig oder umgekehrt, ſo ſchüttele er ſich. Und ſo ſtand's denn wieder im Kalender und ſteht wahrſcheinlich auch ferner drinnen; und— die Leute kauften, trotz alledem, den Kalender wieder, wie früher auch. Die Nutzanwendung mag jeder Leſer und jede Leſerin der Maje ſich ſelber machen, aber wenn ſie dennoch bei irgend einer Gelegenheit, wo es wichtig wäre, zu wiſſen, wie ſich etwa das Wetter geſtalte, in dem Kalender nachſehen— dann— hab' ich nichts mehr
zu ſagen, noch weniger etwas einzuwenden, aber ich bedaure es, dieſe ehrlichen Worte geſchrieben zu haben. Mir iſt in meinem Leben kein ehrlicherer und gewiſſenhafterer Wetterprophet vorgekommen, als der ſelige Profeſſor Stieffel in Carlsruhe, der das Monatsblättlein„Zeus“ herausgab, das die Aufgabe löſen ſollte, jedesmal das Wet⸗ ter für den künftigen Monat voraus zu ſagen. Stieffel war, wie Alle unbedingt bei⸗ ſtimmen werden, die ihn im Leben kannten, eine lautere, grundtreue, grundehrliche Na⸗ tur, und ein Mann, der ein gründliches Wiſſen inne hatte, in Summa im vollen Sinne des Wortes: ein Ehrenmann. Er nahm's mit dem Wetterverkündigen haarſcharf und glaubte ſelbſt dran. Alle Inſtrumente, welche irgend Bezug hatten auf die Beobachtung der Witterung, hatte er gekauft, und die waren in ſeinem Hofe ſo aufgeſtellt, wie es * ₰ „ 35


