blätter, welche eine ſehr ſcharfe Fläche haben, von den Kolben abzuſtreifen, muß man Handſchuhe anziehen, da ohne eine ſolche Bedeckung die Finger von einer einzigen Tagesarbeit ihrer Haut verluſtig gehen würden; am zweiten Tage würde ſicher das Blut aus den Fingerſpitzen dringen und die Hand auf längere Zeit zur Arbeit untüch⸗ tig werden. ¹)
Die Fruchtböden oder ſo genannten Kolbenzapfen, die unreif geröſtet und verſpeiſt werden, bilden nach der Erndte ein vorzügliches Brennmaterial, und ſo bleibt kein Theil der edlen Pflanze unbenutzt. Selbſt die Deckhäute der Kolben laſſen ſich zum Aus⸗ ſtopfen von Matratzen verwenden; auch macht man daraus Matten zu Vorthüren und ein braunes Papier.
Indem man eine Reihe von Jahren immer die ſchönſten Kolben, und zwar von ſolchen Pflanzen, welche drei bis vier Kolben trugen, ausbrach, hat man es im reichen Ertrag des Maiskorns außerordentlich weit gebracht. Auch die Spielarten ſind ſehr mannigfaltig: man untenſcheidet den großen, gelben, gewöhnlichen Mais und den gro⸗ ßen, weißen tyroler, den kleinen, gelben Perlmais, das großkolbige Dultonskorn, den in 30 Tagen reifenden Quinquantini, den amerikaniſchen Rieſenmais, der eine Höhe von 12 bis 16 Fuß erreicht, ferner den ſchönen, durchſichtigen Mais, den Zuckermais, den frühen early-Sioux mit langen Kolben, den marmorirten Tuscavora, den tyroler Frühmais, der ſelbſt in rauhen Lagen fortkommt, und noch manche andere Spielarten.
Das Vaterland des Maiskorns iſt Amerika. In den Pyramiden und Grab⸗ mälern Aegyptens hat man wohl Weizenkörner gefunden, aber nirgends auf einem Bilde oder in einem Sarkophage der alten Welt das Maiskorn. In Amerika war aber der Mais als wichtige Kulturpflanze ſeit den älteſten Zeiten auch ein Gegenſtand der Sculptur. Nach Garcilaſo de la Vega, einem der älteſten peruaniſchen Geſchichts⸗ ſchreiber, waren die Palaſtgärten der Inkas in Peru mit Mais geſchmückt, deſſen Stengel, Aehren, Körner, Blätter, in verſchiedener Größe, ſammt und ſonders in Gold und Silber nachgebildet waren. In dieſer koſtbaren Weiſe fand ſich ein ganzes Feld dargeſtellt, ein Zeugniß des Reichthums aber auch der hohen Verehrung, welche die Maispflanze bei den Inkas genoß. Bei dem Sonnentempel auf einer Inſel im Titi⸗ kaka⸗See ward der Mais, obgleich nicht ohne Mühe, gebauet, um als Opfer dem Son⸗ nengott dargebracht zu werden und dieſes heilige Korn unter das Volk zu vertheilen, das jedes beim Tempel erzeugte Körnlein als eine ſegensreiche Gottesgabe betrachtete, und davon ſich die beſte Erndte verſprach. ²)
Von den Felſengebirgen in Nordamerika bis nach Paraguay in Südamerika herab wird die Maispflanze wildwachſend gefunden, und als Kolumbus auf der Inſel Kuba landete, ſah er bereits den Anbau dieſes Kornes bei den Eingebornen. Gegen⸗ wärtig wird der Mais— mit Recht india-corn genannt— in der ganzen heißen und gemäßigten Zone angebaut; aus der neuen Welt iſt er in die alte, nach Europa, Aſien, Afrika und den Inſeln des großen Oceans gewandert. Als Gegengabe hat dafür Amerika von Aſien den Reiß empfangen, der in der neuen Welt eine ſtets wachſende Bedeutung erlangt. Wie ſehr übrigens ſchon der Mais im Hindoſtan eingebürgert iſt, lehrt ein Blick auf die Bazars der Städte. In Bombay z. B. ſieht man zur Seite des Getreidehändlers ſtets eine heiß gehaltene eiſerne Pfanne, in welche der Manm Mais ſchüttet, der von der Hitze aufgeſprengt, ſich röſtet, und in dieſer Form eine bei den Hindus ſehr beliebte Speiſe bildet. Nicht ſelten wird die in den offenen Hallen (Veranda's) verſammelte Schuljugend, zur Belohnung ihres Fleißes, vom Lehrer mit geröſteten Maiskörnern bewirthet.—
1 ergl. Frauendorfer Blätter 1855, S. 126 ff. Bergl. F 25 S 2) Vergl. Petermann's geograph. Mittheilungen, 1856, S. 412
Die Maje. I. Jahrg.
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