Jahrgang 
1 (1858)
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füͤllen, zahlloſe Waſſervögel aufſcheuchend, ihre Boote mit dem Reißkorn, das ſie, gleich jenen Vögeln, ernten, ohne geſäet zu haben.

Der Mais(Zea Mays) (auch Türkiſchkorn, Welſchkorn, Kukurutz genannt)

von A. W. Grube.

Mag das Land noch ſo flach und arm an ſonſtiger Schönheit ſein, im Sommer, wenn die vollen Roggenfelder unter dem Winde ſich beugen und die goldenen Weizen⸗ ähren im Sonnenſchein glänzen, wird auch das Ackerfeld ſchön; und wie das Herz ſich bee e des Regens von Oben erfreuet, ergötzt ſich das Auge an dem Feierkleide der Scholle.

Doch nur im Großen und Ganzen machen die Getreidefelder eine Wirkung auf den betrachtenden Sinn; der Grashalm für ſich allein iſt zu dünn und zu dürftig, um beachtet zu werden, oder den Blick zu feſſeln. Anders aber verhält es ſich mit der Maispflanze, die, je mehr ſie heranwächst zu einem vollen ſtarken Rohre, geziert mit den langen, ſchwertförmigen, glänzend dunkelgrünen Blättern, um ſo mehr den Blick anzieht und zur Bewunderung auffordert. Ein Knoten erſcheint nach dem andern, und der immer länger ſich dehnende Fruchtkolben ſchaut wie verſchämt aus den grünen Windeln, in die er ſorgſam eingehüllt iſt, und hoch oben auf dem Stengel thront die Blüthenrispe, die ihren Goldregen auf den Büſchel feiner, ſeidenartiger Piſtille fallen läßt, welche aus der Spitze des noch ganz geſchloſſenen Kolbens heraushängen. Man ſieht faſt die Pflanze wachſen, verfolgt jede Stufe ihrer Entwicklung. Die kleine Weizenähre und der dünne Grashalm iſt hier zum Rieſen geworden, jeder einzelne ſteht ſeinen Mann, bietet Wind und Wetter trotz und ſpricht zu dir: Betrachte mich! Aber die Natur bewahrt auch hier das Geheimniß der Zeugung, des Wachsthums von In⸗ nen— reiße nicht voreilig und vorwitzig die grünen Hüllen von der ſich bildenden Aehre, warte der Zeit, bis dieſe die Fülle ihrer Körner gewonnen hat und die Hülle durch ihr Welkwerden zeigt, daß ſie entbehrlich wird. Nun ſtreife ſte ab; du ſtaunſt und merkſt wohl, daß da ein köſtliches Juwel verwahrt werden ſollte, denn neunfach iſt die Hülle, und wo die Blätterſcheiden aufhören, da ſchmiegen ſich noch ſeidenweiche Fäden den Körnern an. Welch ein Glanz, ſei er hell⸗ oder dunkelgelb, rubinroth oder röthlich⸗ braun, und welch ein Reichthum an Körnern in den langen Zeilen dieſes Kolbens! Zehn, zwölf, fünfzehn Reihen ſind ganz gewöhnlich, und in jeder Reihe ſitzen dreißig bis vierzig vollwichtige Körner, ſo daß der Segen des Saamenkorns, das hundertfältig Frucht bringt, an der Maisfrucht ſich auf das Sechsfache, ja bis auf das Zehnfache ſteigert. Denn viele Stengel tragen zwei Kolben, und in der heißen Zone, namentlich wenn der Mais auf jungfräulichem Boden gebauet wird, iſt eine tauſendfältige Erndte gar nichts ſeltenes. Es gibt in Karolina und Mittel⸗Amerika Landſtriche, wo man vom Mais drei Mal des Jahres erndtet, und zwar auf dem gleichen Acker! Er⸗ wägt man, daß der Reiß in den günſtigſten Fällen nur hundertfältige Frucht bringt (unſer Weizen zehnfältig), ſo darf man dem Mais wohl nachrühmen, daß er unter allen Getreidearten der beredteſte Prediger des reichen Segens iſt, den der Schöpfer in die Körnerfrucht gelegt hat, und das Volk im nördlichen Europa, wo der Mais nicht mehr auf freiem Boden fortkommt, thut recht daran, ſich wenigſtens ein Paar Maiskolben zu Schmuck und Zier in ſeinem Garten zu ziehen.

Der Anblick eines Maisfeldes iſt ebenſo überraſchend als wohlthuend. Der Nordländer, der zum erſten Mal ein ſolches Feld erblickt, glaubt ſich in die tropiſche Natur verſetzt, und denkt an die Zuckerrohrfelder der heißen Zone. Fehlt es dem Boden nicht an Sonne und Feuchtigkeit— denn beider Hülfe bedarf das Türkiſch⸗