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alle Theile des großen Reiches ausſendet, und die Reſidenz Peking, die ganze Mand⸗ ſchurei und Mongolei verſorgen muß. Wo der Reißbau florirt, iſt auch die Bevölkerung am dichteſten. Auf den Flüſſen und Kanälen erblickt man jederzeit eine Menge von Reiß⸗Dſchonken, welche nach Peking und in die nördlichen Länder ſteuern. Von jeden fünf Garben, welche der Chineſe erndtet, muß er eine als Ab⸗ gabe dem Kaiſer entrichten, und Seine Kaiſerliche Majeſtät bezahlt wiederum in Reiß den Gehalt ſeinen Beamten. Der Reiß belebt den Binnenhandel am meiſten und iſt die Grundlage deſſelben; iſt der Reiß billig, dann ſind auch in China glück⸗ liche Zeiten— ſo glücklich ſie nämlich in China zu haben ſind.
Eine ähnliche Bedeutung hat der Reiß für den Hindu, der zum Theil bloß von Pflanzenkoſt lebt. Auf die verſchiedenſte Art weiß er den Reiß zuzubereiten; der einfach in Waſſer gekochte iſt das tägliche Brod. Doch wird vom Reißmehl noch eine beſondere Art Brod gebacken. Zum Gähren des Teiges ſetzt man ſtatt un⸗ ſeres Sauerteiges etwas Palmwein und geſtoßenen Reiß hinzu, und das Gebäck ſoll ebenſo ſchmackhaft als leicht verdaulich ſein. Der geröſtete Reiß iſt eine Lieblingsſpeiſe für die Kinder. Man läßt den Reiß in der Hülſe mit wenigem Waſſer kochen und drückt ihn, bevor die Körner kalt geworden ſind, platt zu einer Art Teig. Hierauf läßt man ihn ſchwingen, wodurch er trocken wird und die Hülſen ſich ablöſen. Dieſe Speiſe ſoll beſonders nahrhaft ſein.
Das Reißwaſſer(das aus dem gekochten Reiß ausgedrückt wird) iſt das Haupt⸗ getränke, wodurch ſich der Hindu erfriſcht und ſtärkt. Auch bereiten die dortigen Muſſelin⸗ und Seidenweber ihren Aufzug mit dieſem Waſſer, und ziehen es dem Leim des Weizenmehls vor; ſelbſt in Italien werden die feinen Gaze und Flore mit Reiß⸗ waſſer gummirt. Daß aus dem Reiß Arak, der ſtarke Branntwein, deſtillirt wird, iſt bekannt. In Indien weiß man aber auch die Hülſen des Korns zu benutzen, die namentlich für die Kühe eine ſehr zuträgliche Nahrung bilden. Das Hülſenſtroh ent⸗ hält überdieß noch guten Feuerſtoff, das den Schmieden oft ſtatt der Kohlen dient. Mit Kohlen vermiſcht, gibt es dem Feuer eine ſolche Kraft, daß man um ein Drittel ſchneller die Eiſenſtangen zum Glühen bringt, als wenn man mit Kohlen allein arbeitet.
Wir Europäͤer laſſen uns den Milchreiß, und wer's haben lann auch den Reiß⸗ Pudding und Reiß⸗Creme, wohlſchmecken, aber dieſe angenehmen Speiſen ſind doch bloß Zugaben zu unſern kräftigen Fleiſchſpeiſen und zum Weizen⸗ oder Roggenbrod. Sollten unſere Arbeiter ſtatt des Brodes gedachten Reiß eſſen, wie die Hindus, und ſtatt des Bieres Reißwaſſer trinken, ſo würden ihnen bald die Kräfte ausgehen. Die milde Reißnahrung harmonirt mit der ſanften aber auch matten Hindurace, mit dem Despotismus des Orients, der nur ſo viel Arbeit vom Arbeiter verlangt, daß dieſer ſeine Abgaben entrichten kann; und nicht ganz mit Unrecht hat man geſagt: So lange der Javaneſe vom Reiß und die Neger auf Surinam vom Bananen⸗Mehl leben, werden ſie auch den Holländern unterworfen ſein.—
Man unterſcheidet, wie bei unſerem Getreide auch beim Reiß mehrere Spiel⸗ arten. Der Cochinchina⸗ oder Berg⸗Reiß(Oryza nepalensis) gedeiht auf den Abhängen des Himalaya in Höhen von 3000 bis 4000 Fuß, und wird in China und Cochin⸗China mit Erfolg angebaut. Er gibt zwar nur 60-⸗ bis 80 fältige Frucht, iſt aber noch wohlſchmeckender und dabei dauerhafter als der Sumpfreiß, und nimmt mit trocknerem Boden fürlieb. Beſonders gut gedeiht er, wenn Aawgaiia Urwald niedergebrannt iſt, auf dem durch die Aſche friſch gedüngten
oden.
Der ſogenannte wilde Reiß(Zizannia aquatica) in Amerika iſt ein beſonderes Geſchlecht. Er wächſt ſehr üppig in Kanada und weſtlich von den großen Seen, und bietet den wandernden Indianerſtämmen eine angenehme und reichliche Nah⸗ rung. In Minneſota ſind tauſende von Acres mit dieſem wilden Reiß bedeckt, und dieſe Frucht könnte eine zahlreiche Bevölkerung ernähren. Gegen Ende Auguſt ziehen die Indianer nach dem Red Lake, Cass Lake und Tutle Rives, und


