— 22—
das glücklichſte Leben führte, konnte das Leid des Mutterherzens nur mildern, nicht heilen. Der Fritz war einmal ihr Liebling geweſen. IV.
Wirſt du uns denn nun auch ſagen, wie es mit dem braven Fritz eigentlich ging? fragte Bräunches Willem, als Schmitz einmal ausruhete und ſich den Meer⸗ ſchaumkopf aus ſeinem langen Katzenbeutel friſch ſtopfte.
Gleich, gleich! ſagte Schmitz. Ich kann's und will's und ſo fuhr er denn auch zu erzählen fort, ſobald ſeine Pfeife wieder im Brande wahr.
Was der Herr Kurander dem Gebhard erzählt, war vollkommen wahr. Es war Alles wirklich ſo gegangen und das Schiff ſchwamm auf den Wellen des Meeres, an deſſen Bord Fritz ſich befand.
Die Offiziere hatten unterwegs ſchnell erkannt, was ſie an dem Friedrich Gebhard hatten. Er war wohlunterrichtet und überall zu brauchen, und Fritz freute ſich, als ſte ihn hier und dort zum Dienſte verwendeten, der Arbeit, die das allerbeſte Heilmittel für den Trübſinn iſt. Der leichtſinnige Pfälzer ſang und pfiff den ganzen Tag, wurde aber doch des einförmigen Seelebens müde, und fluchte manchmal, daß ſich die Maſte hätten beugen mögen.
Unter ſo vielem Auswurf, wie er hier auf dem Schiffe war, galt es, Ordnung und Zucht zu halten und die Offiziere mußten ganz erſchrecklich ſtrenge ſeyn. Da gab es denn Prügel mit einem getheerten Tauende und Einſperrungen alle Tage. Das erzeugte, mit dem andern ſchlimmen Umſtande, daß die Koſt ſchmal wurde, Unwille und Haß. Da entſpannen ſich denn heimlich die Fäden einer weitverzweigten Meuterei. Sie hatten nichts Geringeres im Sinne, als die Offiziere todt zu ſchlagen, mit dem Schiff in einen Hafen von Amerika einzulaufen, es dort zu verkaufen, den Ge⸗ winn zu theilen und ihr Glück in dem neuen Lande zu verſuchen. Das war ſo heimlich angezettelt, daß es keine Seele ahnete, und der Bruder Leichtfuß, der Pfälzer, der auf dem Schiffe keinen Wein zu trinken bekam, den er ſchwer vermiſſen mochte, ließ ſich tief mit ihnen ein. Da, als ſie ſchon weit an der Küſte von Afrika hinabgefahren waren, und vielleicht in zwei oder drei Tagen die Kapſtadt erreichen konnten, erkrankte er ſchwer, und es kam ſein Stündlein. Das fühlte er auch. Fritz kam nicht von ihm und ſah, daß ihn Etwas auf dem Gewiſſen drückte. Da hat er ihn denn gefragt und wenige Stunden vor ſeinem Tode hat er ihm den ganzen Plan der Ruchloſen entdeckt, und die Anſtifter und Rädelsführer ihm genannt. Der Tag der Ausführung war ſchon beſtimmt. Es war zum Entſetzen, und Fritz ſollte auch todtgeſchlagen werden.
Als nun Fritz dem armen Pfälzer die Augen zugedrückt und ſeine Leiche in's Meer unter frommen Gebeten verſenkt worden war, mußte Fritz eilen, es dem Be⸗ fehlshaber anzuzeigen, wenn es nicht zu ſpät werden ſollte. Er eilte daher möglichſt
mit ſeiner argen Mittheilung und die Offiziere, welche nichts Böſes ahneten, er⸗
ſchracken auf den Tod. Da Fritz in das gefährliche Geheimniß eingeweiht war, ſo⸗
zogen ſie ihn auch vertrauensvoll in ihren Rath. Was ſie thun mußten, das durfte nicht verzögert werden. Die Gutgeſinnten wurden in das Geheimniß gezogen und Abends ſchon war Alles abgethan. Die Rädelsführer waren gefeſſelt und die Andern flehten um Gnade. Dieſe wurde gewährt, aber auch die allerſtrengſte Mannszucht geübt; Alle, denen man nicht vollkommen trauen konnte, wurden überwacht und Fritz alsbald zum Corporal befördert. Jetzt aber kam neue Noth. Viele erkrankten und ſtarben. Auch ein Lieutenant. In deſſen Dienſte kam einſtweilen Fritz. Als ſie die Capſtadt endlich nach heftigen Stürmen erreichten, wurde an den Verbrechern ein ſtreng Gericht geübt. Sie wurden gehängt; aber auch das Verdienſt, welches Fritz ſich um das Leben der Beſſern unter der Mannſchaft, das der Offiziere, und um die Erhaltung des Schiffes erworben, ſo wie durch fortgeſetzte treue Dienſte und muſterhafte Dienſtführung in der Stelle, die ihm zu verwalten übertragen worden war, wurde mit gebührender Anerkennung dadurch belohnt, daß ihn der C ouverneur von Indien zum Lieutenant ernannte.


