Jahrgang 
23 (1855)
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422 Seidenfaden.

ſie und die Kinder nicht vergeſſen, ſondern für ſie ſorgen. Die Frau aber läßt ihm durch eine andere bei ihr woh⸗ nende Frau ſagen: ſie wolle ihn nicht ſehen, er möge, ſo ſchnell er könne, ſich aus dem Staube machen. Seidenfaden kannte Holland aus frühern Streifereien. Dorthin richtete er ſeine Schritte. Er bettelte ſich durch, ohne irgendwo nur einmal angehalten zu werden. In zwölf Tagen einer von Noth und Angſt begleiteten Wanderſchaft war er, am 24. April bei Zwoln, in der Nähe des harlemer Sees angelangt. Vor der Stadt lag ein Schiff, das nach Amſterdam ſteuerte. Er hatte keinen Stieber, um die Ueberfahrt zu bezahlen; aber der Schiffer nahm den ſtarken Mann gern für ſeine Dienſte als Ruderknecht an Bord. In Amſterdam wollte er Dienſte als See⸗ oder Landſoldat ſuchen. Man wies ihn an einen Werber. Trotzdem, daß er weder Papiere, noch eine ſonſtige Legitimation bei ſich trug, ward er, als ein Hausknecht Wilhelm Wiggers aus Lübeck, ange⸗ nommen zum Kriegsdienſt für Surinam. Man brauchte Leute. Sogar 2 Ducaten Handgeld empfing er, monat⸗ lichen Sold 10 ½ Gulden und die Zuſicherung einer Penſion nach 20 jährigem Dienſt in den Colonien. Aber es war das Jahr 1830. In Folge der Juli⸗ revolution brach der belgiſch⸗holländiſche Krieg aus. Man brauchte die für die Colonien geworbenen Solda⸗ ten gegen die Belgier. Nachdem Seidenfaden in Har⸗ derwyk als Rekrut einexercirt worden, mußte er mit allen nach Surinam beſtimmten Jägern nach Antwerpen rücken. In einem Treffen um den Beſitz der Stadt am 20. September eilf Tage nachdem ſein Spießgeſell Möl⸗ ler durch das Oberappellationsurtheil zum Tode verur⸗ theilt war gelang es ihm mit einem andern Came⸗ raden in eine ſchlecht bewachte Batterie des Feindes zu