Zeitschriftenband 
17 (1851)
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464 Eine Stimme aus dem Zuchthause.

lich am Friedländer Thor geraubt haben. F. So müſſen ſie auch unter die Schlechteſten gebracht werden? a. Daß bleibt ſich ſie überlaſſen, gute Nacht. Was giebts nun, donnerten auf ein⸗ mal einige 16 Stimmen? die ſich in der Stube befanden. Ar⸗ reſtand, war die Antwort. Ein fetter Gaſt. Wie mir nun zu Muthe ward, kann ſich kein ſterbliches Auge denken noch vorſtel⸗ len Der nur kann von ſolche ſchwer befangenen Stunden ſpre⸗ chen, der ſie durchgemacht hat. Trauer Gebeth in LeidensZeit. Wäre ich, mit ſollch einem zerknirſchten Geiſt, wie ich ihm damals hätte, im ſollch einem Gefängniß gekommen, wie ich ſpäterhin beſchreiben werde, ſo wäre ich nie ein ſolcher Ver⸗ brecher geworden, als ich jetzt geworden bin, Ich wäre wenigſtens ein äußerlicher ſchein Chriſt geworden und hätte die Menſchheit gutes Gethan. Nun aber wollte Got es mit mir anders haben.

Erſte Unterhaltung im Gefängniß.Daß kommt Dir hier wohl ganz Neu vor, ſprach ein, ſchon vielmals gefangner Verbrecher zu mir, Du ſcheinſt mir ein Mutter⸗Püpchen zu ſein, Du haſt gewiß ſchon alles bekannt. Was haſt Du denn gefreſſen und weſhalb biſt Du gearetiert? Ich erzählte nun A und E. wie ich ſchon bemerkt habe. Denn ich gab ſogleich, durch die Mutter flehentliches Bitten, freies Geſtändniß, der Polizeibehörde. Du Narr, du Eſel, du Schafskopf, erſcholl es von alle Lager⸗Stätte, warum biſt Du ſo verrickt und thöricht geweſen. Hätteſt Deine Mutter frei und frech in die Augen ſpucken und lügen ſollen, daß Du ihr nichts gegeben haſt. Glaube gewiß, Du biſt verloren, wenn Du bei Deiner Ausſage bleibſt. Du willſt doch ein guter Kunde werden und das Handwerk erſtlich recht lernen. Du biſt noch jung, von Dir kann noch ein guter Cadgan⸗ ner werden. Ich konnte auf alle dieſe Reden keine Antwort geben, denn meine Gedanken wahren nur auf die Zukunft, auf die Mutter und auf mich ſelbſt gerichtet. Jetzt fingen ſie aber, da es Tag geworden war, an zu Singen, zu Pfeifen, zu Ratzen, Karten zu ſpielen, und was nicht ſonſt mehr, wehr kann alle dieſe Greul niederſchreiben, die im Gefängniß unter mehrern beiſammen⸗ ſitzende Verbrecher ſtad findet, und mit was ſie ſich die Lange⸗ weile beſchäftigen. So ſaugte ich nun alle dieſe Unſau⸗ berkeiten von der Erſten, bis zuletz angeführte Unterſuchung ein. Und lernte mich, da ich, wie ich angeben habe, ſchon im feirigen Geiſte geboren bin, Inſuprinatzjon gegen Vorgeſetzte begehen und