462 Eine Stimme aus dem Zuchthause.
Autobiograph auf keinen Fall zu den gewöhnlichen Ver⸗ brechern rechnet. Wir halten uns nicht für befugt, irgend etwas an dem Manuſcript zu ändern, am wenigſten an der religiöſen Färbung, von der wir wünſchen, daß Leſer,die ihr nicht angehören, ſich deshalb nicht abſchre⸗ cken laſſen die 10 Bruchſtücke zu durchleſen, da die Um⸗ hüllung dem Kerne nichts von ſeiner Körnigkeit raubt.
1.„Vorrede.— Groß und wunderſam ſind Deine Werke, Du König der Heiligen! Wer ſollte Dich nicht fürchten und Deinen Namen preiſen, denn Du allein biſt heilig! Heiliger und gerechter Gott, tief gerührt und mit ſchwer betrübten Herzen ſchreibe ich daß: wozu mir mein Gewiſſen und meines Herzens Schwermuth treibet; und ohne Furcht und ſchrecken will ich bezeigen, daß ich noch nicht der bin: Wofür mich dieſe Welt anjetzo hält. So frei und offen wie ich gegen Dir O Vater im Himmel ſtets geweſen bin, ſo frei und offen bin ich auch ſtets gegen jeden Menſchen ge⸗ weſen, vorzieglich wo ich offenbar wieder Dein Geſetz geſündigt habe. Nun ſtehe mir bei, du gnädiger Gott und Vater in dieſer meiner ſchweren Gefangenſchaft in welcher ich mich jetzt befinde und verleihe mir Muth Kraft und Stärke, daß ich nicht zaghaft werde an daß, Wozu Du mir treibſt, ſtehe mir bei mit Deiner väterlichen Güte und ſei mir gnädig. Amen!“
2.„So ward mein äußerlicher Menſch. Wie mag aber mein innerlicher jugendlicher Geiſt beſchaffen geweſen ſein? Darüber will ich mich nun auch erklären. Von jugend auf liebte ich jugend⸗ liche Geſellſchaft. Jedoch aber, wo zank, ſtreit, eichel Namen (Ekelnamen), ratzen, ſchlägerei, betrug, lügen, betrügen u. ſ. w., wie alle böſen Leidenſchaften heißen mögen, vorkamen, machte ich nich mit. Denn meine Eltern hätten mich vor ſolchem Uebel noch ſo ziemlich bis zum Einſegnen, bewahrt. Und überhaupt hielt es für ſie nicht ſchwer, indem ich ja, wie ich früher ſchon bemerkt habe, ſchon ſo gebohren wahr. Denn die Liebe wahr in mir ſo ſtark, daß ich von jugend auf ein Liebling für jeden Menſchen wahr. Thierqülerey könnte bei mir nicht vorkommen, weil ich ein Thier⸗ Freund ward. Denn es that mir leid, wenn es mich Fliegen grif, daß ich ſie tödten müſte zum Fiſchfang
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