Cartouche.
könne. Der Vorſchlag fand zuerſt wenig Anklang. Es waren beherzte Männer, die meiſt unter der Kutte von Mönchen, oder im Mantel der Abbés den Nachforſchun⸗ gen der Polizei Hohn ſprachen, aber es war nicht die Kutte und der Mantel, welche ihnen die nöthige Zuver⸗ ſicht gaben, ſondern das Gefühl unter der Leitung, in der ſichtbaren oder unſichtbaren Gegenwart eines Feld⸗ herrn wie Cartouche zu operiren. Es dünkte ſie, wenn Cartouche fort ſei wäre das Schlußglied einer feſten Kette gelöſt, jeder von ihnen wäre ein loſer Ring, und der Greveplatz, dem Keiner entging, ihnen um Vieles näher gerückt. Indeſſen wichen ſie den vernünftigen Vorſtellun⸗ gen. Cartouche ernannte die Oberoffiziere, welche in ſei⸗ ner Abweſenheit commandiren ſollten, und zog ſich nach Orleans, ſpäter nach Bar⸗ſur⸗Seine zurück.
Cartouche war entflohen. Das vernahm, das wußte Paris ſehr bald; er war längſt der Held der Geſpräche geworden. Man athmete auf; Einige ſagten er ſei nach Lothringen, Andre nach England. Noch Klügere glaubten, er habe ſich nur in Paris verſteckt und ſeine Flucht fin⸗ girt, um die Polizei zu täuſchen.
In Bar ſur Seine ſpielte er einen Betrug, der an den berühmten Criminalfall Martin Guerre erinnerte. Eine alte Bürgerfrau daſelbſt betrauerte die langjährige Abweſenheit ihres Sohnes, den ſie noch immer nicht für todt halten wollte, obgleich er ihr keinen Brief geſchrie⸗ ben, keine Nachricht von ihm ihr zugekommen war. Die Hoffnung, ihn wieder zu ſehen, war aber mit einer faſt kindiſchen Liebe für ihn mit den Jahren gewachſen. Car⸗ touche, der davon gehört, fand es zweckdienlich die Rolle des verlorenen Sohnes zu übernehmen. Einige in Er⸗ fahrung gebrachte Umſtände über ſein Jugendleben und die Kenntniß vom Charakter der ſchwachen alten Frau


