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Kaiſerpaläſte und den Circus Maximus in Rom, den Venus⸗ tempel bei Präneſte und die Thermen des Caracalla, in enkauſtiſcher Manier(Wachsmalerei) von Pape und Seiffert gemalt; das Deckengewölbe wird getragen durch Säulen aus pyrenäiſchen Marmormovnolithen, durch Goldſtreifen cannelirt, die bunten Wappenſchilder an der Decke ſind die Wappen der alten Städte Italiens und Siciliens. Vierunddreißig Statuen, theils Originale, theils Abgüſſe, ſind in der Mitte und an den Wänden dieſes prachtvollen Saales aufgeſtellt, unter ihnen die Minerva Giuſtiana, deren Original ſich im Vatican zu Rom befindet, der Dornauszieher, die berühmte Gruppe von St. Isle de Fonſo, den Schlaf und den Tod darſtellend, eine Centaurengruppe, Athene Parthenos mit Helm und Aegis und ein meiſterhaft ausgeführter ſchnalzender Faun aus Herculanum. Eine Doppelhalle führt aus dem römiſchen Saal nach dem Kuppelſaal und in den Saal für mittelalter⸗ liche Skulpturen. Die im Kuppelſaal aufgeſtellten Denk⸗ mäler ſind Denkmäler der byzantiniſchen und der altchriſt⸗ lichen Kunſt, die Wandmalereien ſtehen auch hier, wie in allen andern Sälen in inniger Beziehung zu den Skulpturen und ſtellen deshalb Scenen aus damaliger Zeit dar. Juſtinian weiht die Sophienkirche zu Konſtantinopel ein— von Schrader gemalt—, Wittekind unterwirft ſich Karl dem Großen— von Gräf nach dem bekannten Kaulbachſchen Car⸗ ton,— und Conſtantin der Große, wie er ſeinen feierlichen Einzug in Rom hält. Der mittelalterliche Saal wird durch bunte Marmorſäulen getragen und iſt mit den Bildern deutſcher Kaiſer geſchmückt. Die darin aufgeſtellten Skulp⸗ turen ſind größtentheils Abgüſſe von Statuen und Orna⸗ menten aus den erſten Denkmälern deutſcher Baukunſt. Der moderne Saal, deſſen Ausgangsthür wieder ins Treppen⸗ haus führt, iſt mit Malereien geſchmückt, die ſich auf die ſeit dem 16. Jahrhundert in Deutſchland blühenden Gewerbe beziehen, zwölf Säulen aus bunten Marmormonolithen tra— gen die Decke, die darin aufgeſtellten Sculpturen ſind natür⸗ lich Originale, eine Venus von Thorwaldſen, ein Merkur von Giovanni de Bologna, eine Scene aus der Sündfluth von Schinkel, zwei Denkmäler der Mediceer, Meiſterwerke Michel Angelo's Buonarotti's, ein Fragment des Alexander⸗ zuges von Thorwaldſen, und die berühmte Thür des Bap⸗ tiſteriums St. Giovanni zu Florenz, welche in zehn großen Reliefs wundervoll ausgeführte Scenen aus dem alten Teſta⸗ ment darſtellen. Im dritten Stock des neuen Muſeum be⸗ findet ſich das Kupferſtichcabinet, die Kunſtkammer und die ethnographiſchen Sammlungen. Die Galerien hinter der die Bekrönung des impoſanten Treppenhauſes bildenden Karyatidenhalle führen links und rechts in dieſe Abtheilungen. Die Kupferſtichſammlung iſt außerordentlich ſchön und beſteht aus über 500,000 Blättern, Holzſchnitten, Kupferſtichen, Handzeichnungen und Radirungen aus den älteſten Zeiten bis auf die Gegenwart, aus der Deutſchen, Niederländiſchen, Italieniſchen, Spaniſchen, Franzöſiſchen, Engliſchen und Ruſ⸗ ſiſchen Schule. Die Sammlungen in der Kunſtkammer und in dem ethnographiſchen Cabinet ſind erſt in der Aufſtellung begriffen.
Steigen wir nun nach dieſer Durchwanderung der Säle des neuen Muſeums, welche dem Leſer ein ungefähres Bild
des Innern dieſes großartigen Gebäudes geben wird, die
breiten Marmorſtufen im Treppenhauſe wieder hinab, und wir ſtehen wieder in der Vorhalle des untern Stockwerks. In dieſelbe führt die noch nicht geöffnete große Eingangs⸗ thür. Vier Säulen aus meiſt bunten carräriſchen Marmor⸗ monolithen tragen die Decke. Zwei hohe prächtige Thüren führen rechts in das ägyptiſche Muſeum. Wir treten durch
die uns gegenüberliegende Thür ein und erblicken den Vor⸗ hof eines ägpptiſchen Tempels. Es iſt die Copie der Vor⸗ halle des berühmten Tempels von Karnak in Oberägypten. Drei rings herum laufende Stufen führen in den mittlern Hof, der von oben einfallendem Lichte beleuchtet wird. So iſt der mittlere Hof ganz erhellt, während die ihn umgebenden Galerien im Schatten liegen. Sechszehn ägyptiſche Säulen, mit Bildern und hieroglyphiſchen Namen ägyptiſcher Götter geſchmückt, tragen das Deckengeſims. Zwiſchen demſelben und den Säulencapitälern läuft rings am Geſims der Galerie herum eine große hieroglyphiſche Inſchriſt, welche in deutſcher Sprache alſo lautet:„der königliche Sonnenaar, Preußens Rächer, König, Sonne und Stütze Preußens, Sohn der Sonne, Friedrich Wilhelm, Philopator, Euergetes, Eucha⸗ riſtos, vom Thot und der Seph geliebt, der ſiegreiche Herr des Rheins und der Weichſel, der hat aufſtellen laſſen in dieſem Gebäude Koloſſe, Statuen, Bilder und Bildwerke, Stelen, Säulen, Särge und vieles Gute, was hergebracht iſt aus Aegypten und dem Mohrenlande.“ Die Wände der den Vorhof des Tempels umgebenden Galerie ſchmücken ägyptiſche und nubiſche Landſchaften und Abbildungen antiker ägyptiſcher Bauwerke. Der Mond beleuchtet die coloſſalen Memnonsſäulen in der Ebene von Theben mit geſpenſtiſchen Streiflichtern, rothes Fackellicht erleuchtet das Innere der Pyramide des Cheops, die ungeheuren Pyramiden von Memphis ragen hier vor uns in die tiefblau gefärbte Luft auf, wir erblicken die Obelisken im kleinen Tempelhofe zu Karnak, das Innere des berühmten Tempels zu Karnak, deſſen Oberhalle dies Atrium nachgebildet iſt, den Hathor⸗ tempel zu Denderah, das Grabmal des Seſoſtris zu Theben und die Felſengräber zu Beni⸗Haſſan. Am Fuße der
zände der Galerie ſteht eine lange Reihe von Steinplatten mit farbloſen Bildern und hieroglyphiſchen Texten. Es ſind Todtenſteine, welche einſt die Wände düſtrer ägyptiſcher Grabkapellen bedeckten. Sie gehören eigentlich nicht in den ſonnigen Tempelhof, ſondern in den düſtern Gräberſaal. Die Bilder und Hieroglyphen auf denſelben ſtellen Lehren aus dem ägyptiſchen Religionscultus dar. Die Grabſteine ſtammen aus den Gräbern zu Memphis. Im Innern des ſonnigen Tempelhofes erheben ſich zu beiden Seiten des Ein⸗ ganges in das Hypoſtyl zwei rieſige Königskoloſſe. Der eine Koloß ſtellt den König Seſurſtaſer(Seſoſtris) den Erſten vor. Er lebte 1500 vor Chriſti Geburt, war einer der mächtigſten Könige Aegyptens; der andere iſt ein Bild ſeines Urenkels, Ramſes des Zweiten, welcher Vorderaſien eroberte. Vor ihnen ſteht ein äthiopiſcher ſchmuckloſer Altar, und zu beiden Seiten knieen zwei ungeheure Widderſphinxe aus Granit, goldene Sonnenſcheiben zwiſchen den vergoldeten Hörnern tragend. Hinter den Königskoloſſen fällt der Blick durch die offene Säulencolonnade auf das düſtere bedeckte Hypoſtyl, in deſſen Hintergrunde die Statue des Horus in rieſigen Dimenſionen in ſitzender Stellung aufragt. Zur Rechten und zur Linken dieſes Königskoloſſes blickt man in das Innere zweier Prieſter⸗ gemächer. Die Wände des Hypoſtyls ſind mit vergilbten Papyrusrollen bedeckt, deren Hieroglyphen und Bilder die Reiſen der Seelen in jenem Leben nach dem irdiſchen Tode erzählen, Blätter, welche einſt in den Gräbern der Mumien lagen, die im Gräberſaal aufgeſtellt ſind, und welche ein merkwürdiges zuſammenhängendes Todtenbuch bilden. Rechts führt eine Thür aus dem Hypoſtyl in die Gräberſäle, links in den hiſtoriſchen Saal, in dem eine Menge Zeugen des ägyptiſchen Thierkultus, wohleingewickelte Mumien von Katzen, Krokodilen, Ibiſſen, Schlangen und Sperbern und eine reiche Auswahl ägyptiſcher Alterthümer aufgeſtellt ſind,


