Soviel über das Aeußere und den Zweck des neuen Muſeum, deſſen Räume, ſobald die Aufſtellung der Kunſt⸗ werke und die Ordnung der Sammlungen in denſelben voll⸗ endet ſein wird, dem Publikum geöffnet werden ſollen. Eine Beſchreibung ſämmtlicher Säle würde den Raum dieſer Blätter überſchreiten. Ich kann mich deshalb nur mit wenigen Worten über die innere Einrichtung dieſes groß⸗ artigen Gebäudes auslaſſen, welche indeß wohl genügen werden, um dem Leſer ein allgemeines Bild zu geben, und werde dann auf die Beſchreibung zweier Abtheilungen, welche ſich durch ihre Architektur und Ornamentik vor allen andern auszeichnen, ſpecieller eingehen, nämlich des ägyptiſchen Muſeums und des großartigen Treppenhauſes.
Das Treppenhaus macht den Mittelpunkt des ganzen Gebäudes aus. Es hat eine Breite von 57 Fuß, und mißt die ganze Tiefe des Gebäudes, nämlich 128 Fuß, und die ganze Höhe des Mittelſtückes(100 Fuß). Es durchſchneidet alſo von oben nach unten den ganzen koloſſalen Bau, und auf daſſelbe öffnen ſich die Hauptthüren ſämmtlicher Galerien. In der Vorhalle des untern Stockwerks führen drei hohe Thüren in das ägyptiſche Muſeum, in das Muſeum nordiſcher Alterthümer und zur ethnographiſchen Sammlung. Steigt man nun die breite, aus ſchleſiſchen Marmormonolithen be⸗ ſtehende Treppe hinan und kommt bis zu den coloſſalen Roſſebändigern vom Monte Cavallo, ſo befindet man ſich im mittlern Stockwerke am Eingang zur Sammlung der Abgüſſe antiker und mittelalterlicher Skulpturen, welche in eilf Sälen aufgeſtellt ſind, von der altgriechiſchen Kunſt be— ginnend. Von hier führen zwei Treppen zum obern Stock⸗ werke und vereinigen ſich dort in einem der Karyatidenhalle des Pandroſeions zum Tempel des Erechtheus zu Athen nachgebildeten Tempel, der die Bekrönung des Treppenhauſes bildet, und wo links und rechts die Eingänge in die Säle des Kunſtcabinets und der Kunſtkammer ſich befinden. Von hier, von der Karyatidenhalle aus, hat man den beſten Ueberblick über das ganze Treppenhaus, welches einen außerordentlich impoſanten und großartigen Eindruck macht. Die Haupt⸗ wände des obern Stockwerks ſchmücken Kaulbachs wunderbar ſchöne Wandgemälde, die untere Hälfte derſelben und die Treppenwangen ſind mit antiken Reliefs bedeckt. Die Decke, welche ſich über dem Ganzen wölbt, iſt in Giebelform con— ſtruirt und bildet zugleich das Dach des Mittelſtückes des Gebänudes ſelbſt, mit freiliegenden Querbalken auf den mit vergoldeten Thiergruppen gezierten flachen Wandſeiten ruhend. Der Dom iſt caſettirt und in dunkeln Farben, blau und roth gemalt. Einen impoſanten Eindruck machen die oben an der Haupttreppe aufgeſtellten coloſſalen beiden Statuen, die Dioskuren vom Monte Cavallo in Rom. Sie haben eine Höhe von 17 Fuß 8 Zoll. Die Decken ſämmtlicher Säle, deren Eingänge, wie ſchon erwähnt wurde, auf das den ganzen Bau des neuen Muſeums durchſchneidende Treppen⸗ haus münden, ſind gewölbt und ruhen theils auf den Um⸗ faſſungsmauern, theils auf Marmorſäulen und reichver⸗ goldeten gußeiſernen Säulen, die Wände derſelben ſind überall mit landſchaftlichen, mythologiſchen und hiſtoriſchen Ma⸗ lereien geſchmückt, welche ſämmtlich zu den dort aufgeſtellten Kunſtwerken in inniger und erläuternder Beziehung ſtehen. So trägt das ganze Innere des neuen Muſeums einen außer⸗ ordentlich prachtvollen und glänzenden Charakter, und bildet ſowohl architektoniſch, wie kunſtwiſſenſchaftlich ein in ſich ab⸗ geſchloſſenes Ganze.
Im untern Stockwerke ſind die Eingänge zu dem ägypti⸗ ſchen Muſeum, zu dem Muſeum nordiſcher Alterthümer und zu den ethnographiſchen Sammlungen. Die nordiſchen
Alterthümer ſind in einem hohen großen Saale aufgeſtellt, deſſen Wände mit Gemälden geſchmückt ſind, welche Scenen der altgermaniſchen Götterlehre, nach dem isländiſchen Hel⸗ denbuche, der Edda, darſtellen, und in der von Kaulbach zuerſt angewandten ſtereochromiſchen Manier gemalt ſind. Auf der einen Seite des Saales erblicken wir die Lichtgötter und guten Heroen der altgermaniſchen Götterſage, auf der andern die Nachtgötter und böſen Genien. Die nordiſchen Alterthümer ſind theils in Schränken, theils an den Wänden auf Conſolen aufgeſtellt. Im zweiten Stockwerke liegen die Säle, in denen die Sammlung der Gypsabgüſſe der Skulp⸗ tur von der helleniſchen Zeit bis auf die Gegenwart aufge⸗ ſtellt ſind. Der erſte Saal iſt der athenienſiſche Saal. Seine Wände ſind mit landſchaftlichen Bildern: Anſicht des alten Athens, des Innern des Tempels des olympiſchen Zeus, des alten Aegina, der Stadt Syrakus, der Drei⸗ fußſtraße in Athen und der Gräberſtraße von Tlos in Lycien geſchmückt. Die Skulpturen ſind in der Mitte des Saales, der Länge nach und an den Wänden aufgeſtellt, Fragmente der Giebelfelder des Parthenon, des Athenetempels zu Aegina und Abgüſſe von Karyatiden und den Statuen der Pallas und des Eros. Durch ein Zwiſchengemach, in welchem ein Abguß der bekanntlich im vatikaniſchen Muſeum zu Rom
befindlichen berühmten Gruppe des Laokoon aufgeſtellt iſt,
kommt man in den Apolloſaal. In der Mitte deſſelben ſteht die berühmte Gruppe des farneſiſchen Stiers, deſſen Original ſich in Neapel befindet, an den Wänden erblicken wir Abgüſſe des Apollo von Belvedere, des ſchlafenden Endymion, der mediceiſchen Venus und der Venus von Capua und von Milo. Ein Durchgang führt von hier aus in den Kuppelſaal. Die Malereien der Wände von Däge, Stein⸗ brück, Hopfgarten ſtellen hier Scenen aus der griechiſchen Götter- und Heldengeſchichte dar, rings um die Kuppel ziehen ſich Bilder aus dem helleniſchen Göttercultus und Genien mit den Attributen der verſchiedenen Götter, von den hier aufgeſtellten Abgüſſen ſind die bedeutendſten der ſchla⸗ fende Faun, deſſen Original ſich in der Glyptothek in Mün⸗ chen befindet, die Minerva— das Original iſt im Louvre zu Paris— die Amazone mit dem Bogen und eine wunder⸗ ſchöne Gruppe, Bacchus mit zwei Satyrn darſtellend. Der nächſte Saal iſt der Niobidenſaal. Zwei Karyatiden, Aeſchines und Sophokles darſtellend, die erſtere zu Terra⸗ cina, die zweite in Herculanum gefunden, tragen das Thür⸗ geſims, Bilder von Ganelli, Peters, Henning und Kaſe⸗ lowsky bedecken die Wände. Sie ſtellen Scenen aus der griechiſchen Götter⸗ und Heldengeſchichte dar. Man erblickt Chiron, wie er den Achill erzieht, Cecrops, welcher die Statue der Athene anbetet, Hyllus, den Sohn des Herkules, wie er ſeiner Mutter das Haupt eines von ihm getödteten Feindes bringt, den zornigen Ajax, Dädalus und Jcarus, Odyſſeus und Achill und Antigone, wie ſie ihren blinden Vater Oedipus führt. Der Saal hat ſeinen Namen nach der darin aufgeſtellten Hauptgruppe, der bekannten Gruppe der Niobiden. Drei Diskuswerfer, der ſterbende Fechter, deſſen Original im Muſeum des römiſchen Capitols befind⸗ lich iſt, der Borgheſiſche Fechter und Statuen des Achill, des Antinous und der Venus umgeben die Gruppe der Niobiden. Eine Zwiſchenhalle, von braunen Marmorſäulen getragen, eine Reihe von Rebenlauben darſtellend, auf deren Zweigen und Blättern ſich buntgefiederte Vögel wiegen, führt in den römiſchen Saal, deſſen Wandmalereien landſchaftliche und architektoniſche Anſichten des alten Italiens darſtellen. Wir erblicken den Veſtatempel bei Tivoli, den Iſistempel in Pompeji, die Gräberſtraße und das Forum zu Pompeji, die
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