holzleer, auch nicht ein einziger Strauch befand ſich damals auf demſelben, eine wahre Wüſtenei, in welcher der Reiſende nur ſelten auf eine Horde nomadiſirender Nogaier ſtieß. Die Einwanderungen dauerten von nun an bis zum Jahre 1817, wenn gleich nur in geringer Anzahl fort, ſo daß gegen⸗ wärtig die ganze Anſiedelung der Mennoniten an der Mo⸗ lotſchna aus 17148 Seelen, in 1991 Familien und 50 Colo⸗ nien vertheilt, beſteht.
Eine ſolche Mennoniten⸗Colonie ſtellt je nach der größe⸗ ren oder geringeren Anzahl von Bauerwirthen(unterſchieden von den Handwerkern, welche kein Ackerland haben) ein größeres oder kleineres, immer aber ein durchaus plan⸗ und regelmäßig gebautes Dorf vor, in welchem die einzelnen V aneinander gereihten Bauernhöfe zu beiden Seiten einer brei⸗ ten, die Länge des Dorfes durchziehenden Straße liegen.
Was die einzelnen Bauernhöfe einer ſolchen Mennoniten⸗ Colonie anlangt, ſo ſind ſie insgeſammt nach einem und dem⸗ V ſelben Typus angelegt, und beſtehen aus einem Hofe mit den V Wohn⸗ und Wirthſchaftsgebäuden und aus einigen für land⸗ wirthſchaftliche Zwecke beſtimmten freien Plätzen ſowie Garten⸗ ländereien..
Da die ſämmtlichen Bauernhöfe eng aneinander gereiht ſind und die breite Dorfſtraße zu beiden Seiten von den Bäumen der Gärten eingefaßt wird, ſo bietet das Dorf einen außerordentlich freundlichen Anblick dar. 3
Die Einrichtung des Wohnhauſes und der Wirthſchafts⸗ gebäude iſt weſentlich dieſelbe geblieben, wie ſie die Menno⸗ niten in ihrer früheren deutſchen Heimath lieb gewonnen. Das Wohnhaus iſt von gutgebrannten Ziegeln erbaut, wobei man in den meiſten Fällen Bedacht genommen hat, die Ziegel⸗ ſteine, deren es rothe und hellgelbe giebt, regelmäßig abwechſeln zu laſſen, was ſehr hübſch ausſieht, da man die äußere Seite ohne Bewurf läßt; das Dach des Wohngebäudes iſt eben⸗ falls von Ziegeln, und der hochgeſparrte Bodenraum dient zum Aufbewahren der ausgedroſchenen Getreidevorräthe und einiger Haus⸗ und Wirthſchaftsgeräthe. Auch iſt gewöhnlich im Giebel noch ein Zimmer eingebaut. Der hölzerne und mit einem Strohdach verſehene Stall iſt unmittelbar an das
Berliner
aus, gelangen kann.
Wohnhaus angebaut(bisweilen iſt auch der Stall aus Zie⸗ geln aufgemauert und mit Dachpfannen gedeckt), und auf dem Boden dieſes Gebäudes findet das zum Füttern des Viehes während der Wintermonate beſtimmte Heu ſeinen Platz.
Das Innere der Mennoniten⸗Wohnung zeigt den wackern, tüchtigen Mann, wie er bei ſeiner Hausfrau ſitzt und von der Arbeit ruhend ſeine Pfeife ſelbſterbauten Tabaks ſchmaucht. Im Hintergrunde hängt die Schwarzwälder Uhr(die übrigens auf der Colonie fabricirt wird), in der Ecke rechts ſteht das gewaltige Himmelbett mit bunten Gardinen, in welchem ſich der thurmhohe Vorrath von Federbetten befindet. Links hinter dem Ofen iſt die„Hölle“ und ein in der Mauer ein⸗
gelaſſener Wirthſchaftsſchrank, zu welchem man übrigens
auch von der andern Seite, nämlich vom Wirthſchaftszimmer Der große Kachelofen fällt von ſelbſt in die Augen. Neben dem Ofen an der linken Wand des Zimmers, zwiſchen der auf der Zeichnung nicht mehr ſicht⸗ baren Eingangsthür und dem Ofen, befindet ſich gleichfalls ein in die Wand eingelaſſener Schrank, in deſſen oberem Aufſatz hinter Glasthüren Porzellan⸗Geräthſchaften ſtehen, deren man ſich bei feierlichen Gelegenheiten bedient. Gegen⸗ über an der rechten Wand, die ein(in der Zeichnung eben⸗
falls nicht ſichtbares) Fenſter hat, welches nach dem Garten führt, findet der Spiegel ſeinen Platz und unter demſelben
die„Truhe“, in welcher die Hausfrau ihre Habſeligkeiten und Koſtbarkeiten birgt; drei blanke, große Meſſingvögel zieren dieſes oft buntgemalte Geräth. Die vierte(in der Zeichnung nicht ſichtbare) Wand beſitzt zwei Fenſter, zwiſchen denen vor dem Tiſche ein Sopha ſteht, auf welchem ich öfter ſaß, um mit Vergnügen den anziehenden Mittheilungen des erfahrenen und gemüthlichen Wirths, der vor länger als einem halben Jahrhundert mit ſeinen Eltern und Geſchwiſtern (im Jahre 1804) von Weſtpreußen hier einwanderte, ein aufmerkſames Ohr zu leihen.— Die gleiche Einrichtung findet ſich bei jedem Mennoniten vor; überall die Uhr, das
Himmelbett, die Truhe, der Wandſchrank u. ſ. w., und Alles
in holländiſcher Reinlichkeit.
Skizzen.
Von Guſtav Naſch.
IV. Der ägyptiſche Tempel und die gräberſäle üm neuen Muſeum.
Das neue Muſeum liegt hinter dem alten Muſeum, mit dem es durch eine Galerie verbunden iſt. Die Hauptfront iſt noch Oſten der Spree zugekehrt, und hat eine Länge von 337 Fuß und eine Höhe von 75 Fuß, während der auf beiden Fronten hervortretende Mittelbau, in welchem auf der Hauptfront das Hauptportal liegt, ſich bis zur Spitze des Frontispices zu einer Höhe von 100 Fuß über die Sei⸗ tenbauten erhebt. Einen Totalanblick des großartigen Ge⸗ bäudes wird man erſt dann haben können, wenn durch die jetzt begonnene Abtragung der Privatgebäude der mit Colon⸗ naden umgebene große freie Platz, welcher ſich von der Hauptfront bis zur Spree ausdehnen ſoll, geräumt ſein wird. Das Gebäude bildet ein faſt regelmäßiges Viereck, und ſoll ſowohl architektoniſch wie kunſtwiſſenſchaftlich ein abgeſchloſ⸗ ſenes Ganze darſtellen, indem es durch die Ausführung und durch die Ornamentik ſeiner einzelnen Theile ſich ſo mit den darin aufgeſtellten Werken der Kunſt verbindet, daß Beide!
zuſammen ein lebendiges Verſtändniß der Kunſtgeſchichte geben. Der Plan des Gebäudes, der in Folge des eben an⸗ gedeuteten Grundprincips alſo nicht einen beſtimmten ein⸗ fachen Bauſtil haben kann, iſt vom Könige ſelbſt entworfen und vom Oberbaurath Stüler unter Mitwirkung der nam⸗ hafteſten Meiſter in der Malerei und in der Skulptur aus⸗ geführt. Das neue Muſeum iſt nicht eigentlich, wie das alte Muſeum, einzig und allein zum Aufnehmen von Origi⸗ nalkunſtwerken beſtimmt, ſondern es wird alle die Kunſt⸗ denkmäler in Abgüſſen aufnehmen, welche in Rückſicht auf kunſtgeſchichtliche Ueberſicht zur Vervollſtändigung der Samm⸗ lung dieſer Originale nöthig ſind mit Ausnahme der Skulp⸗ turen der ägyptiſchen Kunſt und der nordiſchen Alterthümer, welche ſämmtlich aus Originalen beſtehen. Außerdem finden darin die Kunſtkammer, die aus dem Nachlaß des Grafen Roß erworbene ethnographiſche Sammlung und das Kupfer⸗ ſtichcabinet ihren Platz.


