Werken verſchiedener Autoren zum Schaden der rechtmäßigen Eigenthümer zuſammengeflickt waren. Das Leipziger Börſen⸗ blatt hat dieß— wie oft!— im Einzelnen durch Nebeneinander⸗ ſtellung unwiderſprechlich nachgewieſen. Allerdings ſagte Herr Meyer, auf dieſe Weiſe müßten die geiſtigen Größen der Nation dem Volke erſt zugänglich gemacht werden und nur dieſem Volke zu Liebe gebe er ſeine Nachdrücke heraus. Ganz ebenſo ſtahl Crispinus das Leder nur um den Armen billige Schuhe zu lie⸗ fern. Es war aber unſerem erleuchteten Jahrhundert und der „Gartenlaube“ vorbehalten, eine ſolche Crispinus⸗Natur als den Inbegriff aller ſittlichen und geiſtigen Vollkommenheiten darzu⸗ ſtellen. Herr Meyer ſoll ein„tiefforſchender Gelehrter und einer der bedeutendſten und markigſten Schriftſteller geweſen ſein!“ So viel wir wiſſen, hat die Welt von den ſchriftſtelleriſchen Fähigkeiten und der Gelehrſamkeit des Herrn Meyer keine an⸗ dern Proben in Händen als eine Ueberſetzung Shakespeares, die anerkanntermaßen das Gräulichſte iſt, was je im Fach der Ue⸗ berſetzungen geliefert wurde, und den Text zu dem von ihm her⸗ ausgegebenen Univerſum. Der letztere voll Schwulſt und Phraſen⸗ und ſehr häufig mit langen Reminiscenzen aus wirklichen deutſchen Schriftſtellern, um nicht zu ſagen mit Plagiaten durchwoben, hat nur bei der unterſten und am wenigſten urtheilsfähigen Claſſe des Publikums Anklang finden können; jeder Mann von Bil⸗ dung und Verſtand hat augenblicklich begriffen, daß hinter dem Wuſt von Phraſen kein Gedanke zu finden iſt. So war Joſeph Meyer als Buchhändler ein geſchickter Nachdrucker und Pla⸗ giarius, als Textſchreiber ein Phraſenmacher und dieß iſt ein Urtheil, in welchem alle literariſch gebildeten und urtheilsfähigen Männer in Deutſchland ſchlechterdings übereinſtimmen müſſen,
inſofern ſie nämlich ein Gewiſſen haben. Ueber Herrn Meyers!
ſonſtige induſtrielle Unternehmungen begeben wir uns des Ur⸗ theils. Wir räumen ein, daß der mangelnde Erfolg nicht ſchlecht⸗ hin gegen ihn zeugt und daß er dennoch ein induſtrielles Talent geweſen ſein kann, wenn ſeine Unternehmungen auch mißlangen. Aber wäre dieſes Talent das außerordentlichſte und unbeſtrit⸗ tenſte, ſo wäre dadurch eine Vergötterung, wie die„Gartenlaube“ ſie angeſtellt hat, noch gar lange nicht gerechtfertigt. Dieſes ſonſt ſo gute Blatt ſcheint hier nicht zu begreifen, daß es ſich ſelbſt wie ſein Publikum tief herabwürdigt, wenn es ſich mit Allem, was in Deutſchland Verſtand und ſittliches Urtheil beſitzt, in einen ſo kläglichen Widerſpruch verſetzt, während gerade ſeine große Verbreitung ihm umſomehr die Pflicht auflegt ſeinem Publikum richtige Urtheile und geſunde Begriffe mitzutheilen. Herr Ludwig Storch hat ſich als Verfaſſer dieſes unbegreiflich plumpen Artikels genannt und man könnte, ſowie derſelbe ſchließt, faſt glauben, er habe die Beſtimmung auf die Gläubiger des Meyer'ſchen Nachlaſſes einzuwirken, wenn man nicht wüßte, daß, ſo viel geleſen auch die Gartenlaube ſein mag, doch Capitaliſten ſchwerlich durch ihre Artikel ſich zur Oeffnung ihres Beutels be⸗ ſtimmen laſſen.
Die letzten Gedichte Bérangers aus der Zeit von 1833— 57 ſind vor kurzem erſchienen. Es haben ſich aber diejenigen ge⸗ täuſcht, die da glaubten, er werde die Entwicklung vom Libera⸗ lismus zum Socialismus mitgemacht haben. Er iſt in dieſer Zeit derſelbe geblieben, der er unter der Reſtauration war, und ſeine jüngſten Gedichte athmen ganz denſelben Geiſt wie ſeine frühſten. Auf den Staatsſtreich findet ſich nicht die leiſeſte An⸗ ſpielung,— möglich freilich, daß äußere Gründe Ausmerzungen veranlaßt haben. Er ſpricht ſich in der Vorrede über das Ver⸗ hältniß zu ſeinen Miniſter gewordenen Freunden ſo aus:„Ich habe ſeit 1830 immer Freunde auf der Miniſterbank gehabt, deren zahlreiche Umgebung mich verhinderte ſie zu beſuchen, wie
Verlag von Hugo Scheube in Gotha.
ich in einer Zeit gethan, die für ſie und für mich ohne Zweifel die ſchönſte war. Ich würde eine Pflicht verletzen, wenn ich nicht hinzufügte, daß dieſe Freunde, zur Macht gelangt, mir häufig behilflich geweſen ſind, Dienſte zu erweiſen, das ſicherſte Mittel mich durch Erkenntlichkeit zu verbinden. Dennoch hätte dieſes meinem Weſen natürliche Gefühl nicht verhindert gegen Vorgänge aufzutreten, welche mir tadelnswerth geſchienen. Die Schwierigkeit aber hätte darin beſtanden, faſt Alles zu wieder⸗ holen und in den Geſängen wieder zu ſagen, was ich unter der letzten Regierung gethan und geſagt habe.“ Nach Bérangers Meinung alſo ſind von den Miniſtern, die ſich der Reihe nach in Frankreich folgten, immer wieder dieſelben Fehler gemacht worden. Da liegt freilich nahe den Grund dieſer ſich immer gleich bleibenden Fehler nicht mehr in den ſo verſchiedenen Per⸗ ſonen, ſondern im Staat ſelbſt zu ſuchen.
Die amerikaniſche Geldkriſis wirkt ganz beſonders auf die
deutſche Cigarrenfabrikation zurück. Die Zeitungen melden aus
Süddeutſchland, daß die dortigen Cigarrenfabriken mehr und mehr ſich gezwungen ſehen, einen Theil ihrer Arbeiter zu ent⸗ laſſen. Cigarren gewöhnlicher Sorte gingen nämlich bisher in fabelhafter Anzahl aus Deutſchland nach Amerika. Die Geld⸗ kriſis hat für die nächſte Zeit dieſen Handel geſtört. Glücklicher⸗ weiſe finden die entlaſſenen Arbeiter in der Landwirthſchaft und in andern Fabrikationsbranchen leicht wieder Beſchäftigung.
Die Magyaren haben die Schwäche, ſich für ein Urvolk zu halten und können ſich daher nur ſchwer entſchließen, das Ergeb⸗ niß der Sprachforſchung anzuerkennen, nach welchem die magya⸗ riſche Sprache zu den finniſchen gehört, die Magyaren alſo zu völkerſchaftlicher Verwandtſchaft mit den Lappen gelangen. Sier hätten es vorgezogen, ihre Ahnen in den alten Perſern oder in den Arabern zu erblicken. Die Akademie in Peſt hat bis jetzt dieſe nationalen Illuſionen befördert, bis endlich Hunfalvy, ein magyariſcher Gelehrter, den Muth hatte, den Grundſatz einer Verwandtſchaft des Magyariſchen mit den finniſchen Sprachen anzunehmen. Aber unzählige Gegner haben ſich erhoben, um ihn zu bekämpfen und er hat Mühe ſeine Anſicht zu behaupten. Außerhalb Ungarns wird unſres Wiſſens die magyariſch⸗finniſche Verwandtſchaft nirgends mehr bezweifelt.
Als in der Stadt der Intelligenz ſeiner Zeit die Antigone des Sophokles im Hoftheater und zwar mit Beifall aufgeführt worden war, gab der Director eines Berliner Theaters dem Regiſſeur den Auftrag, im Adreßkalender die Wohnung des Hrn. Sophokles aufzuſuchen.„Schreiben Sie dem Sophokles, ſagte er mit großem Ernſt, daß er mir für mein Theater auch ein Stück wie die Antigone machen ſoll; ich will es ihm bezahlen.“
Das„Magazin für die Literatur des Auslandes“ hat neue Gründe aufgefunden, um ſeinen Haß und ſeine Verachtung gegen England zu motiviren. In einer der letzten Nummern theilt daſſelbe die ſchreckliche Entdeckung mit, daß„in ganz London keine Kaffeetrommel, kein Plätteiſen, kein Quirl und ſonſtige Inſtrumente kulinariſcher Cultur aufzutreiben ſind.“ Ein Volk ohne Kaffeetrommel hat offenbar kein Recht ſich für civiliſirt auszugeben, oder gar die Welt zu beherrſchen. Indem das „Magazin für die Literatur des Auslandes“ glücklich an dem Punkt angelangt iſt, wo die Bedeutung der Völker von der Kenntniß der Kaffeetrommel und des Quirls abhängig gemacht wird, hat es uns der Mühe überhoben, in Zukunft ſeine Expek⸗ torationen gegen England zu notiren.
Verantwortl. Redacteur: Hugo Scheube in Gotha.— Druck von Gieſecke a Devrient in Leipzig.
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