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die Gewalten, welche mit brutaler Willkühr der Freiheit Feſſeln anlegen, der Sieg über die tauſend Hinderniſſe, die eine unvollkommene, oft von den verhaßteſten und un⸗
vernünftigſten Mächten beherrſchte Wirklichkeit dem Ein⸗
zelnen in den Weg wirft: ſie erregen in den weiteſten Kreiſen Intereſſe, Jubel und inniges Mitgefühl. Es
fehlt dem Leben Schillers nicht dieſer Kampf und Sieg:
er hatte ſich frei zu machen aus drückenden äußeren Ver⸗ hältniſſen und dann erſt die ſchwerere Arbeit der Selbſt⸗
bildung zu vollziehen. Beides und zumal das Erſte wurde vom Publikum liebend anerkannt. Die angeborne dich⸗ teriſche Natur in der Empörung gegen die rohe Gewalt,
die Einer jener Duodez⸗Deſpoten des vorigen Jahrhun⸗
derts ihr anthun wollte, die entſchloſſene Flucht vor dieſem Deſpoten, die kümmerliche äußere Lage, in welche der Dichter dadurch geräth und der nur nothdürftig durch Freunde abgeholfen werden kann, die Entſchiedenheit, mit
welcher ſich der von dem Fürſten Verbannte dem Publi⸗ kum in die Arme wirft, der Wiederhall aller dieſer Erleb⸗ niſſe in den erſten dramatiſchen Arbeiten Schillers: das Alles begründete ebenſo viele Anſprüche auf das Mitge⸗ fühl und die Liebe der Nation. Und nur dieſe Liebe der Nation war es, was dem Dichter dann auch mächtigere Gönner und Freunde zuführte: nicht als Günſtling eines Fürſten erwarb er ſich Ruhm bei der Nation, ſondern der wohlerworbene Ruhm bei der Nation gewann ihm
ſelbſt die Achtung und Liebe mächtigerer Gönner. In ſofern bildet Schiller, und Er vor Allen, ein weſentliches Element jener Periode, in welcher der nationale Geiſt die Fürſten zu berühren, zu ergreifen, zu bewältigen begann, einer Periode, die ſpäter durch außerordentliche Ereigniſſe unterbrochen wurde, die aber noch nicht zu Ende iſt, ſon⸗ dern allem Anſcheine nach wieder aufgenommen werden wird. Die Mächtigen beugten ſich vor dem nationalen


