ſo noch für einen Schreibtiſch. Dem Gedanken folgte auf dem Fuße die That, und in wenigen Tagen war das erſte Bändchen von dem trefflichen Volksbuche:„Der Menſch im Spie⸗ gel der Natur“ niedergeſchrieben. Doch was nützt ein Buch, wenn im Leben, wenn im Volke für ein ſolches nicht das Bedürfniß und das Intereſſe geweckt ſind? So ſchloß ſich an die ſchriftſtelleriſche Thätigkeit ſofort noch die des populären, naturwiſſenſchaftlichen Vortrags.„Herr Profeſſor Roßmäßler,“ ſo bemerkt ein Ludwigsburger Zuhörer,„hat die Zeit ſeiner unfreiwilligen politiſchen Sieſta, die er im Um⸗ gange mit theuren Verwandten und jenen treuen Freundin⸗ nen, die ihren wahren Verehrer überall begleiten, den Muſen, in unſerer ſtillen Stadt verlebte, theilweiſe dazu benutzt, um vor einem anfänglich ihm unbekannten, aber immer zahl⸗
hat Herr Roßmäßler diejenige Wiſſenſchaft, die ihm längſt Lebensaufgabe geworden iſt und in der er das Bild ſeines Gottes und der ſittlichen, wie der politiſchen Freiheit ſeiner Geſchöpfe ausgeprägt findet, nämlich die Wiſſenſchaft der Natur, in ihr großes Recht einzuſetzen geſucht, nunmehr, nach langer Verkennung und Vernachläſſigung, als Haupt⸗ factor in der Erziehung der Menſchheit mitzuwir⸗ ken.“ Wenn wir nun heute, nach faſt zehn Jahren, die immer ſtärker und gewaltiger hervortretende naturwiſſen⸗ ſchaftliche Volksliteratur, die Regſamkeit für naturkundliche Vorträge, die Rüſtigkeit in der Forſchung, die Begierde des Volkes, die Ergebniſſe der Wiſſenſchaft auf ſeinem Arbeits⸗ felde anzuwenden, überblicken, ſo iſt es zur Thatſache ge⸗ worden, die Naturwiſſenſchaft wirkt jetzt als Hauptfactor
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Spätherbſt.
Nach einer Originalzeichnung von f. H. v. Kittlitz geſchnitten von Ed. Kretzſchma
reicher werdenden Auditorium Vorträge über die Natur⸗ wiſſenſchaft zu halten, und zwar in einer unſeres Wiſſens neuen, allein höchſt beachtenswerthen und für eine Zeit, wie die jetzige iſt, überaus vielen Anklang verſprechenden Rich⸗ tung. Ausgehend von dem ſchönen und allein wahren Ge⸗ danken, daß die Freiheit des Menſchen und des Bürgers nachhaltig nur dann geſchaffen werden kann, wenn das Volk durch Bildung und Unterricht auf den Standpunkt des ſitt⸗ lich-⸗religiöſen Bewußtſeins gehoben wird, das ihm einerſeits ſeine Würde als freigeſchaffenen Weſens, andererſeits ſeine Unterwürfigkeit unter die großen Regeln, die der Welt⸗ ſchöpfer allem Irdiſchen geſetzt hat, nahe legt,— ausgehend von dieſem in einem höhern Sinne demagogiſchen, d. h.
volksleitenden und wahrhaft volksfreundlichen Gedanken,
r. Aus Roßmäßler's:„Die vier Jahreszeiten.““ Gotha, Verlag von Hugo Scheube.
mit in der Erziehung der Menſchheit, und neben ihr— die
Geſchichte. Als das Volk nicht mehr„berathen“ und„thaten“ konnte, forderte es, durch die großen Ereigniſſe auf einen höhern Bildungsſtand gehoben, inſtinctiv nur Thatſachen und Thatſächliches. Vorher war das Volk mehr im philo⸗ ſophiſchen Sinne und Geiſte„aufgeklärt“ worden. Nach der Freiheitsbewegung begehrte das Volk aus dem Borne der objectiven Wiſſenſchaft zu ſchöpfen und forderte von ſeinen Führern nicht die Aufklärung über ein philo⸗ ſophiſches Syſtem, ſondern die Erklärung der großen Thatſachen in der Natur und Geſchichte. Die Führer hin⸗ wiederum kamen dem Bedürfniſſe inſtinctiv entgegen, und ſo ſind die Erfolge der wirklich volksthümlichen Schriftſteller auf dem naturwiſſenſchaftlichen und geſchichtlichen Gebiete
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