Jahrgang 
1857
Seite
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nicht bloß als Fürſt, ſondern durch den Umfang ſeiner Zeiter⸗ kenntniß ungleich höher als ſämmtliche Weimarer Poeten, ſo gewiß es iſt, daß dieſe viel weiter und tiefer in das deutſche Publikum drangen, weil ſie Vieles und Gutes ſchrieben, während Carl Auguſt zwar nicht glücklich, aber nach Maß⸗ gabe der Zeitverhältniſſe richtig und unermüdet wirkte und handelte, um jenes Gefühlder Sicherheit, das ſchon ſo Großes und Schönes geleiſtet, durch feſte Begründung der national⸗ politiſchen Zuſtände dauernd zu machen. Was weder Schiller noch Goethe, der Eine in Folge ſeiner bedrängten Lage, die ihm keine Zeit gewährte um in ein feſtes und klares Verhältniß zur Realität zu kommen, ſondern ihn nöthigte fortwährend auf die Verwerthung ſeines Talentes bedacht zu ſein, der Andre in Folge ſeiner ercluſiv individualiſtiſchen Geiſtesrichtung be⸗ griffen, das begriff Carl Auguſt mit dem klarſten Bewußt⸗ ſein: daß Preußen, durch ſeine Politik im öſtreich'ſchen Erb⸗ folgekriege und durch die Energie und Größe mit welcher Friedrich ſeinen Raub dem geſammten Continent gegenüber behauptet, die alte deutſche Reichsverfaſſung unheilbar zer⸗ ſtört hatte, und die Indemnitätsbill, welche ganz Deutſchland dem wenig liebenswürdigen König für die Zerſtörung der morſchen Verfaſſung bereitwillig deshalb ertheilte, weil er zuerſt wieder Deutſche über Franzoſen und Ruſſen ſiegen ließ, zeigte dem Fürſten von Weiniar keinen andern Ausweg, konnte ihm damals auch keinen andern zeigen, als von Preußen aus eine neue Verfaſſung Deutſchlands zu Stand

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Deutſchland vorzugsweiſe auszudrücken liebt, ehren, theils endlich ſeine politiſche Wirkſamkeit nur in preußiſch⸗deutſchem Sinn auffaſſen wird.

Unter den fremden Verehrern, welche zu dem Feſte etwa

ſich einfinden mögen, wird die zweite Claſſe vorherrſchen.

zu bringen. Daß eine ſolche nothwendig war, um wieder

ein wirkliches Nationalleben zu erzeugen, daß ſie für Deutſch⸗ land das Höchſte war, was überhaupt erſtrebt werden konnte, weil alle, aber auch alle andern ſittlichen und geiſtigen Güter durch ſie bedingt waren, darüber hegte Carl Auguſt nie einen Zweifel ſo wenig ſeine Poeten ihm auf dieſer Bahn folg⸗ ten dafür kämpfte er voll Muth und Ehre, unermüdlich, und unter allen Gefahren unerſchüttert. Daß von Droyſen auf dieſe Seite des Weimarer Feſtes in einem eigenen kleinen Schriftchen hingewieſen wurde, iſt verdienſtlich; daß der Ver⸗ faſſer den Anlaß benutzt hat um eine preußiſch⸗deutſche Parteiſchrift an den Mann zu bringen ohne eine ganz be⸗

ſonders günſtige Gelegenheit iſt freilich heutzutage ein ſolches

Unterfangen gar zu hoffnungslos iſt, gelind geſagt, höchſt albern. Für Carl Auguſt war Preußen ein Mittel zum

Zweck, Deutſchland, nicht der Zweck ſelbſt, wie für gewiſſe

deutſche Profeſſoren, die jeder Zeit bereit waren Deutſchland unbedingt und auf Gnade und Ungnade in Preußens Hände zu legen, unter dem thörichten Vorgeben Preußens Politik müſſe ja deutſch ſein wie ſehr ſie dieß ſein muß, zeigt ſich

Dazu gehört vor Allem die ganze Bande der Goethepfaffen, die nach meiner Ueberzeugung wahrhaft eine Krätze ſind unter der Haut der deutſchen Nation. Ihnen ſcheint gerade das groß an Goethe und empfehlenswerth und zur Aneignung geeignet, was unendlich klein und gerade nur einem großen Geiſte zu verzeihen iſt, ſeine aus dem ſich abſchließenden Individualismus hervorgegangene wahrhaft jämmerliche Stellung zur Politik und zur Welt überhaupt. Es iſt dieß gerade das, was ihn von ſeinem fürſtlichen Jugend⸗ freunde weſentlich unterſcheidet, ihn von dieſem im Lauf der Zeit immer weiter entfernt hat. Carl Auguſt fühlte ſich durchaus als ein Glied eines durch ſelbſtthätige Mitwirkung zu erſchaffenden und zu geſtaltenden Ganzen; Goethe, der abſtrakte Individualiſt, dem das Individuum durchaus Selbſtzweck, gelangt, allerdings ganz conſequent und natur⸗ gemäß, zu einer alle Freiheit und Selbſtthätigkeit ausſchlie⸗ äußere Realität. In allem was Politik und öffentliches Leben betrifft, wird er dadurch zu einem jämmerlichen, förm⸗ lich trivialen Philiſter und Bureaukraten, der einen förm⸗ lichen Haß empfindet gegen alle Beſtrebungen einer freien und ſelbſtthätigen Geſtaltung der Völkergeſchicke. Es fehlt ihm nie an ſchönen Redensarten des Bedauerns, daß die Deutſchen keine Nation ſeien, er kann ſogar ſo weit gehen, daß er in einer vertraulichen Viertelſtunde, ganz ebenſo wie der allererbärmlichſte Philiſter, der allerjämmer⸗ lichſte Lakai, zu einem Bekannten ſagt: Auch ich bin für die Freiheit, für's Vaterland, aber und nun kommen die miſerabelſten, wahrhaft verächtlichen Bedenken es iſt noch nicht an der Zeit, ja man kann überhaupt nichts thun, um dieſe Zeit zu beſchleunigen, gar nichts, als Bildung zu verbreiten, aber nur individuelle Bildung, denn und das iſt der Inbegriff der jämmerlichen Weisheit Goethes: Zur Nation Euch zu bilden, Ihr hofft es, Deutſche, vergebens, Bildet, Ihr könnt es, dafür freier zu Menſchen Euch aus. Unzählige Schwachköpfe ſchwatzen dieſen Unſinn nach, in welchem Goethe ſeine eigene beſſere Kenntniß von Welt und Geſchichte aus quietiſtiſchem Abſcheu gegen eine freie Bethä⸗

tigung des politiſchen Volksgeiſtes ſchmählich verleugnet.

z. B. jetzt eben in Conſtantinopel und anderwärts), er wollte

nichts von demAngliederungsſyſtem des Herrn Droyſen, und darum war er auch was freilich der Herr Profeſſor in ſeinem von unſinnigem Haß gegen Oeſtreich dik⸗ tirten Parteiſchriftchen klüglich unterſchlägt, auf dem Wiener Congreß, als Preußen den deutſchen Erwartungen nicht entſprach, mit aller Macht thätig Oeſtreich zur Wieder⸗ annahme der Kaiſerwürde zu bewegen, ein Plan, in welchem er ſich mit Stein einig fand, und der nur an der Weigerung Oeſtreichs ſelbſt ſcheiterte, während die gothaiſirenden Pro⸗

feſſoren, wie die Staarmatzen, immerfort dieſelben Phraſen Man findet ſeine elende Hingebung an Napoleondie

herplappern, mag um ſie her vorgehn was da will. Es iſt in jedem Fall beklagenswerth, daß eine richtige Auffaſſung Carl Auguſts, eine wahre und tiefere Erkenntniß ſeines Werthes ſo wenig Ausſicht hat der Feſtfeier zu präſidiren, die ohne Zweifel theils nur den weimar'ſchen Landesvater, tüchtigen Regenten und Conſtitutionsgeber, theils nur den

Mäcen oder Medicäer und den Menſchen, wie man ſich in feſten Felſen aus in das tobende Meer hinabſieht, und den

Denn dieſe mußte ihm ſagen, daß eine wahrhaft nationale Bildung auch den Menſchen am beſten entwickelt, und daß in Deutſchland, eben weil die Deutſchen, um mit Goethe ſelbſt zu reden,im Ganzen ſo miſerabel ſind, auch der Menſch als ſolcher am allerwenigſten gilt; daß z. B. nirgends in der Welt die lächerlichſten Titel, gegen deren Annahme das Ehrgefühl jedes anſtändigen Menſchen ſich ſträuben ſollte, eine Geltung in der Geſellſchaft verleihen, wie eben in Deutſchland. Und dieſer ganz feige und häßliche Quietis⸗ mus Goethes, den zu ertragen Carl Auguſt der ganzen Er⸗ innerung der einſtigen Jugendfreundſchaft bedurfte, ſoll nun, ſo wollen es die Goethepfaffen, als ein Beiſpiel zur Nach⸗ ahmung, als ein Zeugniß geiſtiger Größe dargeſtellt werden.

Politik iſt das Fatum, dieſer Grundſatz entſprach freilich ganz der goethe'ſchen Unterwerfung unter die Realität ſeine Verehrung des Hoſenknopfes von Augereau, ſein

kaltes Herabſehen auf die Leiden ſeiner Umgebung unter der

Schande des Vaterlandeswie ein Mann der von einem

ßenden Hingebung und unbedingten Unterwerfung unter die.

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