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menten und griechiſchen Tempeln, den Zeugen der Helleniſchen
Weltanſchauung von Amaliens Freund und Vertrauten
Wieland. Wir genießen die romantiſch-idylliſche Atmoſphäre
dieſer Stätten und wenn auch nicht der wackere Paſtor des Ortes unſer Cicerone wäre, würden wir doch an den alten
ſteinernen Tiſchen, die wir an den lieblichſten Punkten finden, Goethes und Schillers gedenken, die hier„in bedeutenden Da indeſſen allzuviel Schwärmen
Geſprächen“ geweilt. weder unſerm Geſchmack zuſagt, noch der Geſundheit zuträg—
lich, ſo laſſen wir es uns recht gern gefallen, daß ein vor⸗
treffliches Gaſthaus dicht am Geſtade der Ilm, die hier „manches unſterbliche Lied“ entſtehen ſah, uns mit vortref⸗ lichen Goldforellen und einem guten Blankenhainer Bier verſorgt. Der Idealismus bedarf eines realiſtiſchen Gegen⸗ gewichts.
Dieſe Ueberzeugung hat glücklicherweiſe in Deutſchland nie gemangelt und mangelt auch heute nicht. Bei unſrer
nur die Frucht großer politiſcher Thaten war und mit den öffentlichen Zuſtänden Deutſchlands in einem weit engeren Zuſammenhang ſteht, als Manche glauben wollen. Carl Auguſt, unter deſſen Schutz die Muſen in Weimar ihren Sitz aufſchlugen, war eine durch und durch politiſche Perſön⸗ lichkeit, und nur weil er dieß war, hatte er die Fähigkeit und fühlte er den Beruf, die geiſtigen Beſtrebungen der Beſten ſeiner Zeit zu fördern.
Eine nationale Literatur ſetzt eine ſelbſtändige Thätigkeit des nationalen Geiſtes, ſomit ein Selbſtbewußtſein gegen⸗ über den andern Völkern und nicht bloß die Abweſenheit fremder Einmiſchung in die heimiſchen Angelegenheiten, ſon⸗ dern auch ein gewiſſes Gefühl der Sicherheit gegen ſolche Einmiſchungen voraus. So lange dieſe Vorausſetzungen
in Deutſchland nicht zutrafen, hatten wir keine nationale Literatur, wir wußten unſre Sprache nicht zu handhaben noch auszubilden, wir konnten überhaupt nicht deutſch denken.
Rückkehr in die Stadt ſpät Abends, fanden wir die Gaſt⸗
häuſer mit Verehrern der deutſchen Muſen belebt, die hier
einer andern Gottheit opferten. Der deutſche Idealismus hat ſich ſtets in Begleitung untadelhafter Eß⸗ und insbeſon⸗ dere Trinkfähigkeit gefunden, und Manche wollen ſogar be⸗ haupten, die Deutſchen würden etwas praktiſcher und poli⸗ tiſch⸗brauchbarer werden, wenn ſie ſich erſt entſchlöſſen, auf einige Maaß Bier per Tag zu verzichten. Wir laſſen dieß dahin geſtellt ſein; aber wir ſind der ſehr beſtimmten Mei⸗ nung, daß man die Literatur eines Volkes nicht von ſeinen öffentlichen und politiſchen Zuſtänden abtrennen kann, und daß diejenigen ſehr in Irrthum ſind, die da glauben, es ſei die Beſtimmung der deutſchen Nation ſich nur in den geiſti⸗ gen Schöpfungen ſeiner großen Geiſter als Eins zu finden, und ſie habe ſich mit dieſer geiſtigen Einheit zu begnügen. Gerade das Feſt, das hier gefeiert wird, iſt eine Aufforde⸗ rung, daran zu erinnern, daß auch die glänzende Literatur⸗ periode, die in Weimar ihren Brennpunkt hatte, durchaus
Dieſe Vorausſetzungen aber, nationales Selbſtbewußtſein und Gefühl der Sicherheit gegen fremde Einmiſchungen, gingen unter Friedrich II. in Erfüllung. Es kann Niemand einfallen läugnen zu wollen, daß die Schlacht von Roßbach, der Sieg einer deutſchen Armee und eines deutſchen Fürſten über die Franzoſen, durch ganz Deutſchland als eine nationale That empfunden wurde, daß ſie das erloſchene Nationalge⸗ fühl weckte und daß fortan eine deutſche Literatur möglich wurde. In dieſe Periode, wo ein Gefühl nationaler Selbſt⸗ ſtändigkeit ſich wieder bildete und folglich auch der nationale Geiſt ſeine jungen Schwingen zu regen begann, fällt die Jugend Carl Auguſts. Aber was keinem der Geiſter, die er an ſich feſſelte, gelang, das gelang ihm: dieſe Zeit in allen ihren Beziehungen zu umfaſſen, nicht bloß in den literariſchen, ſondern als Staatsmann, nicht als Staatsmann im gewöhn⸗ lichen Sinn, ſondern als politiſche Perſon, welche einen vor⸗ handenen Drang und ein erkanntes Bedürfniß durch Aus⸗ prägung feſter Formen zu befriedigen ſtrebt. Er ſtand daher


