Jahrgang 
1857
Seite
460
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nicht beſchädigten Fracht, denn die unteren Kiſten waren durch eingedrungenes Seewaſſer erweicht und verdorben worden, und kletterte dann ohne Weiteres durch eine ſchmale Oeffnung in der Bambuswand nach hinten, der Chineſiſchen Cajüte zu.

Der Steuermann, der dort gerade wieder eine Partie der Barren aufgenommen, hatte ihn aber kommen hören, den Deckel des Verſchlags wieder zugedrückt, und einen alten Kaffeeſack über die Barren geworfen die außen lagen.

Hollo, Meier, was giebts? redete er den Unter⸗

ſteuermann dabei an.Seid ihr bald fertig drüben?

Gleich, Steuermann wollte nur einmal ſehn was hier noch ſteckt, und ob wir noch etwas davon gebrauchen könnten.

Hier iſt nicht viel mehr ſagte aber der Steuermann, vollkommen ruhig.Die Bücher und Inſtrumente, die übrigens nicht viel werth ſind, hab' ich dem Capitain ſchon hinauf gereicht. Ein paar Dutzend geſchnitzte Elfen⸗ bein⸗Schachſpiele ſtanden übrigens noch hier, und anderes Spielwerk von Bambus und Holz. Doch das werd' ich ſchon Alles ſelber ausräumen, und wenn wir wieder unter⸗ wegs ſind, können wir den ganzen Kram dann ſortiren und aufſchreiben..

Wie wird es denn mit dem Tauwerk? ſchlagen wir das los?

Das Beſte davon, ja die Anker nehmen wir auch mit Ketten haben die Burſchen ja ſo nicht an Bord. Auch etwas von dem Holzwerk laßt überwerfen; wir könnens zur Feuerung gut gebrauchen. Aber macht raſch, Meier wir haben uns ſo ſchon länger mit dem Wrack aufgehalten als gut iſt, und dahinten die Wolken werden uns wohl bald eine ſtärkere Briſe bringen.

Hm ſagte der Unterſteuermann und wollte, wie in

Gedanken, den vor ihm liegenden Kaffeeſack vom Boden aufheben. Der Steuermann aber, der jede ſeiner Bewe⸗ gungen beobachtet hatte, verhinderte ihn daran und ſagte ruhig:

Laßt den nur liegen, Meier den brauch ich noch, die Kleinigkeiten hinein zu packen, denn wir wollen Alles mitnehmen, was wir hier finden. Daheim können wir's nachher als chineſiſche Merkwürdigkeiten verkaufen, oder unſeren Leuten mitbringen. Geht nur wieder an Eure Arbeit, daß wir fertig werden.

Meier mußte allerdings dem Befehl Folge leiſten. Der Steuermann hatte aber nicht hindern können, daß er den Sack ein klein wenig verſchob, und des Seemanns

ſcharfes Auge entdeckte im Nu unter dem einen Zipfel die

Spitze einer der glänzenden Barren. Er erſchrak ordent⸗ lich darüber, wußte aber auch nicht gleich was er thun ſolle, und kroch langſam wieder in den Raum zurück, ſich dort die Sache erſt vor allen Dingen einmal zu überlegen.

Hier beſchloß er jedoch den Leuten vor der Hand von ſeiner Entdeckung noch Nichts zu ſagen, denn daß das Geſehene Gold geweſen ſei, daran zweifelte er keinen Augenblick mehr. Der Blick den er nach dem Sack und ſeinem darunter verborgenen Inhalt geworfen, war aber dem Steuermann ebenfalls nicht entgangen, und beun⸗ ruhigte ihn nicht wenig. Vielleicht hatte der Mann aber doch eben nichts weiter geſehen, und er ging jetzt nur deſto eifriger daran, die letzten der unerwartet zahlreichen Barren in Sicherheit zu bringen.

Er that das ſo ſchlau als möglich und wickelte immer einige von ihnen in ein Tuch ein, während er dem Capi⸗ tain dabei zugleich ein paar andere gleichgiltige Gegen⸗

die Segel wieder aufzubraſſen und zu ſetzen.

ſtände offen mit hinüber reichte, bis nach Verlauf einiger Stunden auch der letzte Reſt des gefundenen Schatzes ge⸗ hoben und geborgen war.

Eine Stunde etwa verging jetzt noch mit Durchſtöbern

des verlaſſenen Fahrzeugs, aus dem das und jenes als

der Erhaltung werth, mitgenommen wurde, bis endlich der Capitain den Befehl gab, die Taue loszumachen und Wenige Minuten ſpäter flogen die Raaen herum, die Iſegrimm entfaltete wieder einen Theil der bisher geborgenen Lein⸗ wand, und glitt bald darauf von dem geplünderten Wrack hinweg, das es, ſchwerfällig ſchaukelnd und ſeine Maſten ſchleppend, auf den Wellen zurück ließ.

Die Iſegrimm ſetzte unterdeſſen ihren Weg nach Batavia fort, und die Mannſchaft hatte den Tag über genug zu thun, das geborgene Gut an ihrem eigenen Bord überall ordentlich unterzubringen. Umſonſt ſuchten ſie aber dabei von dem Unterſteuermann herauszubekommen, was er eigentlich in der Dſchunken⸗Cajüte geſehen, und was der Oberſteuermann dort getrieben.

Der Unterſteuermann hatte ſich die Sache nämlich indeſſen überlegt und gefunden, daß er für ſeine eigene Perſon viel beſſer fahren würde, wenn er den Steuer⸗ mann wiſſen laſſe, er habe etwas gemerkt, und könne es, wenn er wolle, den Leuten verrathen. Dadurch zwang er ſeine beiden Vorgeſetzten ohne weiteres, ihn zum Theil⸗ haber ihres goldenen Fundes zu machen. Ging die Sache ihren ordentlichen Weg, ſo kam doch nicht eben beſonders viel auf den einzelnen Mann, rettete er aber für ſich ſelber ein Drittheil des geheimen Fundes, den er übrigens gar nicht für ſo bedeutend hielt ſo zählte das viel eher.

Noch an dem nämlichen Abend nahm er deshalb auch Gelegenheit dem Steuermann ziemlich deutlich zu ver⸗ ſtehen zu geben, daß er der Unterſteuermann nicht ſo leicht hinter das Licht geführt werden könne, und ganz genau wiſſe, was noch ſonſt an Bord der DOſchunke ge⸗ weſen außer den Schachſpielen und Theekiſten. Der Steuermann that aber, als ob er auch kein Wort von der Anſpielung verſtände, und als der Unterſteuer⸗ mann endlich, dadurch ärgerlich gemacht, geradezu be⸗ hauptete, eine Goldſtange unter dem Kaffeeſack geſehn zu haben, lachte ihm ſein Vorgeſetzter in's Geſicht und meinte: dann thäte es ihm entſetzlich leid, daß er ihn daran verhindert habe den alten Sack wegzunehmen, denn in dem Fall hätten ſie vielleicht gar einen Schatz gefunden, der nun jetzt noch auf der Dſchunke im Meer herum ſchwimme.

Aus dem Burſchen war Nichts in Gutem herauszu⸗ bekommen, das ſah der Unterſteuermann jetzt wohl ein. Wenn er aber auf ſolche Art ſein Dritttheil aufgeben mußte, war er wenigſtens feſt entſchloſſen, ſich nicht um den ihm gebührenden Antheil des Fundes prellen zu laſſen, und dem Steuermann konnte es nicht entgehen, daß Meier noch an dem nämlichen Abend eine lange und eifrige Unter⸗ redung mit dem Zimmermann, dem Vorgeſetzten des Vorcaſtels hielt.

Die Sache konnte am Ende doch ſchief gehen, denn wenn die Leute auch unterwegs Nichts unternehmen durften, was ſie im nächſten Hafen der Anklage von Meuterei ausgeſetzt, und da ſicherer und ſcharfer Strafe überliefert hätte, ſo brauchten ſie ihren Verdacht im nächſten Hafen eben nur zur Anzeige zu bringen, und eine Ent⸗ deckung des beabſichtigten Unterſchleifs war dann ſicher zu befürchten.