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vermehren wirſt; oder kämpfe gegen deine unartigen Gäſte mit Leimruthen, Giftſchwämmen und mit ſüßen Lockſpeiſen beſtrichenen Holzklappen*). Am beſten aber ſchützeſt du dich gegen dieſe Dränger, mer r und kühl hältſt und alle ſüßen Nahrungsmittel wie Milch, Zucker, Honig, Obſt, aus demſelben entferneſt. Willſt du dich ihrer ohne Blutvergießen entledigen, ſo jage ſie biswei⸗ len mit geſchwungenen Tüchern zum Fenſter hinaus; doch vergiß nicht, das Fenſter ſogleich wieder zu ſchließen: denn die Fliegen ſchmollen nicht und kehren gern und ſchnell wieder in deine Behauſung zurück.
*) Das beſte Mittel, um die Fliegen in den Zimmern zu vertilgen, iſt— wie Dr. Rathgeber im„Leſeſtübchen“ empfohlen hat— das in jeder Apotheke zu habende Quaſſia⸗ oder Fliegenholz.
wenn du dein Zimmer immer rein
So oft ich dieſes Thierchen ſehe, fällt mir ein Anekdötchen
ein, das mich in meiner Kindheit ſchon ergötzte. Ein halbge⸗ lehrter Schriftſteller in einem einſamen Dörfchen, den dieſe Gäſte auch wacker folterten, ſinnt und ſinnt auf alle möglichen Mittel, um ihrer los zu werden. Er probirt's ſo, er probirt's ſo, alles hilft nichts. Da ſieht er eines Abends wieder Hun⸗ derte von dieſen Eindringlingen, die ſeinen wiſſenſchaftlichen Eifer gar nicht zu reſpektiren ſcheinen, an einem warmen Plätzchen der Wand zuſammenſitzen und hört ſie ihr Schlum⸗ merlied ſingen. Leiſe ſchleicht er in den Hof hinab, holt ſich einen Strohwiſch, ſteckt ihn an ſeiner Lampe in Brand, hält
die brennende Lunte unter die erſchrockenen Fliegen,— und
die Bibliothek, ja das ganze Haus ſteht in Flammen. Der Herr Profeſſor kratzte ſich hinter den Ohren, hat aber nie
wieder für ſeine Fliegen einen Scheiterhaufen angezündet.
Sonſt und Jetzt.
Aus E. J. Reimann's nachgelaſſenen Papieren.
(Schluß.)
Hier haben wir noch etwas Merkwürdiges hinzuzufügen. Durch die Vergleichungen einer Menge von alten Nachrich⸗ ten und darunter alten Kirchenbüchern und Liſten über Ge⸗ borene und Geſtorbene von der Zeit an, aus welcher man dergleichen beſitzt, hat man gefunden, daß in den neueren
Zeiten von einer gleichen Anzahl Geborenen nicht ſo viele
verſterben, ohne alt zu werden, als ehedem. Zwar iſt das höchſte Lebensalter, das Menſchen erreichen, nicht größer geworden, und es ſind hauptſächlich nur die nördlichen Län⸗ der, wie Schottland, Norwegen und Rußland, in denen nicht ſelten fabelhaft hohe Alter vorkommen; aber die Zahl derer, welche ein hohes Alter erreichen, iſt geſtiegen. Die Natur iſt unverändert geblieben; aber Einrichtungen und Lebens⸗ weiſe der Menſchen haben Veränderungen hervorgebracht Wir wollen die vorzüglichſten Urſachen davon anführen. Erſtens: Die Menſchen haben ſich allmälig an mehr Reinlichkeit gewöhnt. Gehen wir fünf- bis ſechshundert Jahre in der Zeit zurück, ſo finden wir, daß die Straßen, ſelbſt in den großen Städten, nicht gepflaſtert und über⸗ dies eng und dunkel waren. Die Unreinlichkeit war groß, ſowohl in den Straßen, als in den Häuſern; deshalb wurden auch damals alle großen Orte gewöhnlich von peſtartigen Krankheiten heimgeſucht, die viele Tauſende ins Grab brach⸗ ten. Die Verbeſſerungen in der Lüftung und Reinhaltung der Städte gingen übrigens nur langſam vorwärts; aber ſo wie dieſe fortſchritten, wurden die anſteckenden Krankheiten ſeltener und weniger mörderiſch. Eine Krankheit, wie die jetzt in Europa ſtrichweiſe auftretende Cholera, würde vor 500 Jahren wahrſcheinlich gleich dem ſchwarzen Tode ge⸗ wüthet haben, beſonders da der gemeine Mann damals viel ſchlechter lebte, als jetzt. Die Sterblichkeit war in London vor 200 Jahren gleich der, die jetzt noch in den gefürchtet⸗ ſten Kolonien hauſt. Man kleidete ſich auch nicht reinlich. Der gemeine Mann wußte wenig von Leinwand, woraus folgt, daß der Haut ein großes Erfriſchungs⸗ und Reini⸗ gungsmittel abging, das man jetzt nicht entbehren möchte.
Deswegen waren alle Arten von Hautkrankheiten gemein,
und der ſchreckliche Ausſatz richtete, wie ſpäter die Blattern, große Verwüſtungen an. Die Verbeſſerung iſt langſam er⸗ folgt, und man hält wohl noch nicht überall Gaſſen, Häuſer,
Kleidungsſtücke oder den Leib ſelbſt ſo rein, wie es zu wün⸗ ſchen wäre; aber das, was allmählig geſchehen iſt, iſt doch bedeutend, und hat ſeine Früchte getragen. Welche Umwäl⸗ zungen in dieſer Beziehung haben nicht allein Glas und Seife hervorgebracht!
Zweitens: Die Menſchen aßen ehedem ſchlechter als jetzt, waren aber auch unmäßiger in Speiſe und Trank, als in unſerer Zeit. Zwar glauben in Beziehung auf das letztere Viele das Entgegengeſetzte, aber ſie merken da nur auf die Schwelgerei, welche noch ſtattfindet und abgeſchafft werden ſollte, und denken nicht an die langen Beſchreibungen, die wir von dem haben, was ehedem bei Gaſtgelagen verzehrt wurde. Der Unmäßigkeit im Trinken waren die Menſchen der Vorzeit beſonders ergeben. Sie berauſchten ſich damals meiſtens in Bier und Meth, die ſie berauſchender gemacht hatten, als es in unſern Tagen zu geſchehen pflegt; aber der Rauſch von dieſen Getränken, welche ſo unſchuldig ſind, wenn ſie mit Maß genoſſen werden, iſt weit ſchädlicher, als der Weinrauſch. Die Einführung des Branntweins, und die größere Leichtigkeit, Wein zu bekommen, hat allerdings bei⸗ getragen, die Unmäßigkeit in Bier und Meth zu verbannen; aber dagegen hat der Branntwein dadurch geſchadet, daß deſſen Wohlfeilheit den Verbrauch allgemein gemacht hat. Die Unmäßigkeit im Trinken hat deswegen in einer gewiſſen Zeit und bei einzelnen Völkern mehr zu-, als abgenommen; aber jetzt darf man wohl ſagen, daß ſie in den letzten Men⸗ ſchenaltern im Allgemeinen ſtark abgenommen hat. In die⸗ ſer Hinſicht ſind die höheren Stände, beſonders in den letzten funfzig Jahren, den unteren mit einem guten Beiſpiel vor⸗ angegangen, und Scenen, wie am Hofe Peter I., kommen auch in Rußland und Polen nicht mehr vor. Soweit es von der Mäßigkeit im Trinken abhängt, erlangen jetzt mehr Vornehme ein geſundes Alter als früher; bei dem gemeinen Manne freilich iſt die Verbeſſerung hierin nicht ſo groß, wie man wohl hoffen darf, daß ſie werden wird.
Drittens: Die Arzneikunſt iſt ſehr verbeſſert worden, und wir haben mehr gute Aerzte, als ehedem. Hierzu kommt, daß die Thorheit, ſeine Rettung durch abergläubiſche Mittel und den Rath alter Schäfer u. dergl. zu ſuchen, mehr und mehr außer Gebrauch gekommen iſt, obgleich ſie immer
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