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verfolgten, durchſchnitten und die wir durchſchreiten mußten. Wir bemerkten, indem wir ſie bekletterten, daß Sträucher, welche meiſt eine Höhe von ſechs bis ſieben Juß erreichen, nur zwei oder drei Fuß aus dem Sande hervorragten. An einigen Stellen ſah man nur noch die äußerſten Blätter; der Strauch war während der Nacht in den Strom dieſer beweglichen Maſſe gänzlich ver⸗ ſunken. Hätte uns der Sturm, den wir zu erdulden gehabt, mitten in dieſen Dünen überraſcht— wir wären ohne Zweifel verloren geweſen. Verlaſſen von unſern Kameelen, die durch nichts beſtimmt werden konnten ihren Weg fortzuſetzen, hätten wir vergebens geſucht, aus dieſem Sandmeere herauszukommen. Ohne die Richtung zu wiſſen, die wir nehmen mußten, wären wir auf dieſem ſchwankenden Boden umhergewatet, bis er uns verſchlungen hätte.
Thier⸗ und Pflanzenleben des Meeres. Wo an den Felſen— klippen Spitzbergens, an dem Victoria⸗Lande des Südpols keine Flechte mehr klebt, wohin kein Rennthier ſich verirrt, kein Eisbär jagen geht, da gedeiht der rieſenhafte Beerentang, da wimmelt es von Infuſorien in meilenweiter Ausdehnung. Anderthalb Quadratmeilen breit färben ſie das ultramarinblaue Grönlän⸗ diſche Meer grün, ſo daß 80,000 Menſchen, und wenn ſie vom Anfange der Schöpfung gezählt hätten, nicht im Stande ſein würden, dieſe Menge kleiner Thierchen zu zählen, denn bis 1400 Fuß regt ſich Thier an Thier, während es in den Buchten des⸗ ſelben Meeres gegen zehn Breitengrade weit von braunen Me⸗ duſen wimmelt, von denen 110,592 erſt einen Kubikfuß füllen. In der Nähe der Tejomündnng iſt ein 60 Millionen Quadrat⸗ meter großer Strich von rothen Pflänzchen bedeckt, die ſo klein ſind, daß 40,000 Millionen erſt einen Quadratmeter ausfüllen. An dem Erebus, dem 14,000 Fuß hohen Vulcane des Südpolar⸗ landes, leben 58 Pflanzen⸗Infuſorienarten; das Meer bei Ulloa an der peruaniſchen Küſte färben Infuſorien chocoladenbraun, das von Californien pupurroth; beim Cap Pilares bedecken ſie einen Raum von 5 ½ Meilen Länge und 1 ½ Meilen Breite. Mikroskopiſche Pflanzenzellen, dieſe Urformen des Pflanzen⸗ lebens, färben das Rothe Meer und bilden bei Bahia lange beckenartige Bänke.— Als Capitän Roß in das Nordpolarmeer ſein Senkblei bis in die Tiefe von 6000 Fuß hinabließ, fand er dort noch lebende Infuſorien, deren es bis zu 12,000 Fuß Tiefe geben ſoll, wo ſie alſo einen Druck von 50 Atmoſphären auszu⸗ halten haben. L.. e.
Gedankenblumen.
Der Mann und die Frau, welche ſich mit wahrhaftiger Liebe lieben, haben in ſich die Quelle des idealen Lebens. Aus der Vereinigung ihrer Naturen und Gedanken geht das hervor, was man„den göttlichen Sinn“ der Dinge nennen könnte, und das iſt es, was ſie ſo unauflöslich verkettet; denn jeder von ihnen
weiß, daß, getrennt von dem Weſen, welches ihn ergänzt, er alsbald dieſes höchſte Geſchenk, dieſe geiſtige Anmuth, verlieren würde, ohne welche er nicht zu leben weiß. Fürchtet für ſolche Liebende weder Ermüdung, noch Widerwille. Sie kennen nicht die Ueberſättigung, welche ſo bald den Freuden der gewöhnlichen Liebenden ein Ziel ſetzt. Für ſie iſt die Ermattung der Sinne eine höhere Wonne, weil dann, befreit von den Banden der Erde, ihre Seelen ſich ſuchen und ſich in einem unausſprechlichen Frieden verſchmelzen. Naiv, wie Kinder, denn die wahre Liebe führt zu der energiſchen Einfachheit der Natur zurück, gefallen ſie ſich in ihrer gegenſeitigen Schönheit. Ihr Lächeln iſt ein großer Zauberer, welcher die Welt verwandelt. Alles in ihnen und um ſie her folgt einem ſo leichten Rhythmus und verkettet ſich in ſo ſüßer Harmonie, daß ſie ſich erſtaunt fragen, warum nicht alle Menſchen ähnliches Glück empfinden. Und wie mitleidig ſind ſie, wie beklagen ſie die Uebel die Irrthümer und beſonders die Ver⸗ gnügungen derer, welche nicht lieben. Sie fühlen in ihren Herzen die Quelle unerſchöpflicher Freuden, welche ſie über die ganze Menſchheit ausbreiten möchten. Und wenn die geheiligte Stunde für ſie geſchlagen hat, wenn,—— doch ſchweigt, ihr Menſchen⸗ worte, ihr ſeid zu oft befleckt und entheiliget worden. Unſterb⸗ lichkeit der Liebe, wir glauben an dich!
Die Liebe, ſagt ihr, iſt ein vorübergehendes Gefühl! In welchem Irrthum ſeid ihr befangen. Von Allem was das Men⸗ ſchenherz bewegen kann, giebt es nichts, dem eine längere Dauer nöthiger iſt. Damit die Liebe zu dieſer Vollkommenheit gelange, welche allein die menſchliche Seele ganz erfüllen kann, muß ſie durch viele Prüfungen gehen. Sie muß alles erleben: die Ge⸗ genwart und die Abweſenheit, die Geſundheit und die Krankheit, das Glück und das Unglück, die Welt und die Einſamkeit, den Fehler ſelbſt und das gegenſeitige Verzeihen. Eine ſolche Liebe entſteht nicht in den kalten Regionen, in denen ihr vegetirt.— Ihr ſchließt daraus, daß ſie nicht exiſtirt— ich ſchließe nur daraus, daß ihr es ſeid, welche nicht exiſtiren.
Die gewöhnliche Menge beklagt oder rühmt ſich, gehaßt, verleumdet, geliebt zu werden. Der Vernünftige beſchäftigt ſich nicht mit den Gefühlen, welche er einflößt, ſondern mit denen, die er empfindet. Er weiß, daß es traurig, bitter, ſchmerzlich iſt,— nicht etwa gehaßt zu werden, ſondern zu haſſen, daß
es ſüß, edel, groß, göttlich iſt,— nicht etwa geliebt zu
werden, ſondern zu lieben.
Es iſt ein ewiges Geheimniß, das die Herzen bindet. Die Geiſter berühren ſich ungehindert durch Tauſende von Meilen und von Jahren. Glaube nicht, daß das Auge allein die Brücke der Liebe iſt!
Abonnements⸗Erneuerung.
Mit Nr. 27 beginnt das dritte Quartal des„Feierabend.“
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ährliche Pränumerationspreis bleibt unverändert beſtehen,
obgleich Redaction und Verlagsbuchhandlung mit dem neuen Vierteljahre noch bedeutendere Anſtrengungen machen
werden, dem Blatte immer größere Vollkommenheit zu geben.
Hugo Scheube.
Berichtigung.
In Nr. 21 unſeres Blattes hat ſich leider,— hauptſächlich veranlaßt durch die Entfernung des Druckorts vom Sitz der Redaction und der Verlagshandlung— ein auffälliger Irrthum eingeſchlichen, indem nämlich bei dem Artikel„der Seidenſpinner„eine Verwechſelung der zugebörigen Abbildungen mit denjenigen ſtatt fand, welche einen noch ungedruckten Aufſatz„die Amerſe“ iluſtriren ſollten.— Wir werden nun bei dem in Kürze folgenden zweiten Artikel„die Seidenzucht“ nachträglich die richtigen Abbildungen bringen
und ſpäter bei dem Artikel„die Ameiſe„auf Nr. 21 hinweiſen. Die Red.
Verlag von Hugo Scheube in Gotha.— Verantwortl. Redacteur: Hugo Scheube in Gotha.— Druck von Gieſccht a Devrient in Leipzig.
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