Jahrgang 
1857
Seite
251
Einzelbild herunterladen

2=

wegung verriethen. Selbſt die Tailleurs, fünf außer Jenem, welcher die Karten hielt und auf der Hälfte der Tafel zu

ſeiner Rechten, wo der junge Mann ſaß, das Spiel über⸗ wachte, die Gewinne einzog und, bisweilen von einem der zwei gegenüberarbeitenden Tailleurs unterſtützt, die Ver⸗ luſte zahlte, ſelbſt die Tailleurs, dieſe, weil an die Wech⸗ ſelfälle des Spiels gewöhnt und für ihre Perſon dabei unbe⸗ theiligt, doppelt kalten Menſchen mit abgemeſſenem unerſchüt⸗ terlichem Weſen und klaren, durchdringenden Falkenaugen, ſelbſt ſie richteten, ſobald ihre Arbeit gethan war, die Blicke nach dem jungen Manne und ſeinem Spiele.

Als drei Banknoten, jede zu tauſend Franken, die For⸗ derung des Letztern befriedigt hatten, nahm er die verſchränk⸗ ten Arme auseinander, ergriff eine der Harken, deren die Spielenden ſich bedienten, und ſchob den ganzen Satz auf Schwarz. Wieder erfolgte die Frage:Cela porte? wieder die Antwort:Six mille francs, wieder das Unbetonte des Tailleurs:C'est bien. Und die Karten fielen, und Schwarz gewann.

Ein lauteres Gemurmel mit deutlichem Ausdrucke des

Erſtaunens flog durch die Galerie und ein längeres, ſicht⸗ bareres Lächeln um den Mund des jungen Mannes. Hedwig erbleichte, ihre Geſtalt erbebte; mit zitternder Hand faßte ſie die Lehne des Stuhls, hinter welchem ſie ſtand, und hob die andere, als ſuche ſie den Schutz des Begleiters. Curt, achtſamer auf ſie als auf das Spiel, fing ihre Hand in ſeiner Linken, legte ſeinen rechten Arm um ihre Hüfte, wendete ſie leiſe und trug ſie eher, als daß er ſie führte, nach dem offenen Fenſter, an welchem das arme, getäuſchte Weib

Aber die kleine Höhe hinauf bis wo der Weg ſich links nach der

ſaß, welches inzwiſchen ſeine Thränen getrocknet und unge⸗ beten keinen Augenblick ſäumte, der ſchwankenden Gräfin ihren Stuhl zu überlaſſen. Halb ohnmächtig ſank Hedwig darauf nieder, der friſche Lufthauch belebte ſie, und nachdem das Waſſer, welches einer der Saaldiener, derſelbe, den Curt am erſten Tage ſeiner Ankunft für die Stühle überreich belohnt, aus dem Vorgemache geholt, ihre Lippen benetzt hatte, und ſie die neugierig auf ſie gehefteten Blicke einiger Frauen gewahrte, war ihr erſter Laut die Bitte an Curt, ſie aus dem Saale ins Freie zu geleiten.

Durch das Vorgemach auf den Platz gekommen, wo vor der das Converſationshaus mit den Reſtaurationsräumen verbindendenGalerie des fumeurs Stühle und Tiſche zur Bewirthung ſtanden, lehnte Hedwig die ihr von Curt angebotenen Erfriſchungen, lehnte auch den ihr vom Saal⸗ diener ihr nachgetragenen Stuhl ab, und verlangte fort aus aus dem Gewühle und aus der Nähe der ſchallenden Muſik. Am liebſten, antwortete ſie auf Curt's Frage: wohin? möchte ich nach der Ruhebank, auf welcher wir geſtern ſaßen, Sie, der Graf und ich, dort oben.

Während Beide den Weg dahin gingen vorüber an der Säulenlaube des Converſationshauſes und an den Leſeſalons,

Ruhebank wendet, ſagte die Gräſin:Ich fürchtete Sie bit⸗ ten zu müſſen, mich nach unſerer Wohnung zu bringen. Aber ich fühle mich beſſer. Die Luft thut mir wohl. Und es könnte den Grafen beunruhigt, beim Spiele geſtört haben. Ich darf ihm keine Sorge machen. Keine unnöthige, ſetzte ſie hinzu.(Fortſetzung folgt.)

Was beliebt.

Ein Sturm in der Wüſte. In einer ſchönen Nacht des Mo⸗ nats Juni erzählt ein Franzoſe reiſte ich durch die Wüſte der Byſcharen(Afrika). Ich befand mich etwa drei Tagereiſen entfernt von Soaken. Der Himmel war vollkommen hell, und kein Wölkchen entzog mir den Anblick der glänzenden Sterne. Tiefe Stille herrſchte in der Luft, als mit einem Male die Scene ſich änderte. Eine ſchwarze Wolke zeigte ſich plötzlich in Oſten, erhob ſich mit reißender Schnelligkeit und umzog in wenigen Augenblicken die Hälfte des Himmels. Ein Windſtoß von raſender Heftigkeit überſchüttete uns mit Sand, und Kieskörner von der Größe einer Erbſe ſchlugen an unſre Körper. Der Wind kam direkt von Oſten, und da wir nach Oſten zu gingen, kam er uns gerade entgegen. Die Kameele ſuchten zu laviren, und es wurde uns ſchwer, ſie auf dem rechten Weg zu halten. Der Himmel wurde in Kurzem durch eine ungeheure Sandwolke bedeckt, ſo daß bei der tiefen Finſterniß es unmöglich wurde, ſich über den Weg zu orientiren. Wir hatten uns mit Sorgfalt das Geſicht geſchützt; allein wir vermochten nicht die Augen zu öffnen, ohne daß ſie ſich mit Sand füllten. Sie wurden dadurch ſo gereizt, die feinen Adern ſo mit Blut gefüllt, daß ſich Alles, was wir noch unterſcheiden konnten, mit einem röthlichen Schein umkleidete. Die Kameele grunzten und fielen faſt bei jedem Schritte in die Kniee. Nur mit Mühe konnte ich meine Leute wieder ſammeln, wenn die Dunkelheit und die Unlenkſamkeit ihrer Kameele ſie ein wenig von einander entfernt hatte. Mochte dieſe Entfernung auch nur wenige Schritte betragen, ſo liefen ſie doch die größte Gefahr, ſich zu verlieren, da ſie meine Stimme, obwohl ich ſie ſo viel ich nur vermochte, erhob, kaum hörten.

ich über ſeine Beine fortſchritt.

Wir hielten an. Die Kameele ſtreckten ſich ſogleich auf dem Lande nieder; ich lud ſie aber nicht ab, da die Leute zu ſehr gequält wurden von dem Hagel, der ſie traf, und welcher ihnen Augen, Naſe und Mund füllte. Ich lehnte mich an mein Kameel, deſſen etwas erhöhter Sattel mich ein wenig ſchützte, bedeckte den Kopf mit einem langen Shawl von Tripolis, der meinen Gürtel bildete, und überließ mich dem Schlafe, wagte jedoch nicht, mich auszuſtrecken, aus Furcht, von der Sandfluth begraben zu werden. Meine Leute ahmten meinem Beiſpiele nach. Als ich beim Anbruch des Tages erwachte, war die Ruhe wiedergekehrt und der Himmel vollkommen klar. Ich ſah um mich. Die Kameele waren bis an den Hals im Sande verſunken. Ohne Zweifel hatten ihre Bewegungen ſie noch tiefer in den Sand ſinken laſſen. Einer von meinen Kameelführern war vollkommen vom Sande bedeckt, nur ſein Kopf, den er wohl während des Schlafes öfters in die Höhe gerichtet, ragte bis zu den Ohren aus dem Sande hervor. Er ſchlief noch; ich weckte ihn, ohne zu bemerken, daß Drei bis vier Zoll Sand lagen auf ſeinem Leibe und auf ſeiner Bruſt, und ich glaube, daß der Boden, auf dem wir uns befanden, um nichts weniger erhöht war. Meinen Säbel, den ich vor dem Einſchlafen neben mich gelegt, ſah ich nicht mehr; ich mußte lange im Sande wühlen, ehe ich ihn wieder fand. Ich gab Befehl zum Aufbruch und wir ſetzten uns wieder in Bewegung. Ich fragte meinen Führer, ob wir noch eine ernſtliche Gefahr zu befürchten hätten. Die größte Gefahr antwortete er wird ſogleich offenbar werden. In der That; nach einer halben Stunde ſahen wir eine Reihe von Dünen vor uns, die in einem rechten Winkel den Weg, den wir