ſchäftsträger der oſtindiſchen Compagnie. Arabiſche Häuptlinge drängen ſich um den Sieger von Sebaſtopol, Marſchall Peliſſier, der den gelähmten Achilles der fran⸗ zöſiſchen Armee, den tapferen Marſchall Bosquet, am
Brillanten und Smaragden bedeckt. Der Kopfputz beſtand
Arme führend hereintritt. Oeſterreichiſche Uhlanen, preu⸗
ßiſche Huſaren, ruſſiſche Dragoner begrüßen ſich als alte
Waffenbrüder.
Doch wer möchte ſich unterfangen, die reizende Man⸗ nichfaltigkeit des ſchönen Geſchlechts zu ſchildern? Die Schwedin, die Polin, die Britin, die Ruſſin, die Italie⸗ nerin, die Spanierin entfalten ihre Anmuth, ihre Friſche oder wenigſtens ihren Diamanten⸗Schmuck und Juwelen⸗ reichthum.
Wir verlaſſen dieſen, ſo zu ſagen, weltbürgerlichen blauen Saal und treten abermals durch eine doppelte Flü⸗ gelthüre in den Spielſalon, wo, ſobald der Kaiſer paſſirt iſt, das unvermeidliche Whiſt Krieger, Staatsmänner und Glieder der franzöſiſchen Academie die Hälfte der Nacht beſchäftigt. Hier bleiben indeſſen die jüngeren Diplomaten zur Verfügung ihrer Vorgeſetzten, welche im benachbarten Thronſaal die Ceremonienmeiſter erwarten, unter deren Vortritt einige Minuten, bevor der Kaiſer nach dem Mar⸗ ſchallſaal ſich verfügt, ſie ſich ebenfalls dahin begeben. Zu⸗ erſt werden durch einen eigenen Ceremonienmeiſter die ge⸗ ſandtſchaftlichen Damen dahin geleitet und unmittelbar darauf die Botſchafter und Geſandten, nachdem ſie ſich dem kaiſerlichen Paare, das inzwiſchen aus den innern Räumen in den Thronſaal kommt, vorgeſtellt haben. Der päbſtliche Nuntius zieht ſich nun in gewohnter Art zurück, bevor das Feſt ſelbſt beginnt.
Vom Thron⸗ nach dem Marſchallſaale begibt ſich der kaiſerliche Zug in folgender Ordnung: die Ceremonien⸗
meiſter, die Ordonnanzoffiziere und Adjutanten des Kaiſers,
die Kammerherren, der erſte Stallmeiſter, der Oberſt⸗ Ceremonienmeiſter, der Oberſt⸗Kämmerer, der Oberſt⸗ Jägermeiſter,(Marſchall Magnan), der Großmeiſter des Palaſtes(Marſchall Vaillant), Prinz Napoleon, Prinz Jerome, der Kaiſer und die Kaiſerin, gefolgt von ihren Hofdamen.
Der Kaiſer, ſowie ſein männliches Gefolge mit Ein— ſchluß der Ordonnanzoffiziere und Adjutanten, trugen kurze Beinkleider, ſeidene Strümpfe und Schnallenſchuhe. Selbſt unter den fremden Botſchaftern und Geſandten war an jenem Abende Alles, mit Ausnahme des ruſſi⸗ ſchen und türkiſchen Botſchafters, in kurzen Beinkleidern erſchienen.
Bei dieſer Gelegenheit darf nicht mit Stillſchweigen übergangen werden, daß die echte Pariſerin nur höchſt ungern mit Soldaten in Uniform tanzt, gerade im Gegen⸗ ſatz zu unſern deutſchen Damen, auf welche das„zweierlei Tuch“, wie man zu ſagen pflegt, immer eine gewaltige Anziehungskraft ausübt. Die Kaiſerin, deren Schmuck der anweſenden Damenwelt einen Ausruf freudiger Be⸗ wunderung entlockte, trug ein weißes Tüllkleid, worüber ein bis zum Knie reichender Ueberwurf aus grünem Tüll mit einer Einfaſſung aus grünen Sammetblättern ge⸗ worfen war. Die Aermel waren mit koſtbaren Diamanten⸗ Agraffen geziert. Die Bruſt war mit einem Netz aus
aus einem Kranze von Sammetblättern, aus denen zahl⸗ reiche Diamantentropfen, gleich dem Thau in der Morgen⸗ ſonne, hervorblitzten.
Beide Majeſtäten gingen ſehr langſam durch die Staatsſäle, bei jedem Schritt ſtehen bleibend, um an bekannte Geſichter einige freundliche Worte zu richten.
Der Kaiſer ertheilte zahlreiche Handdrücke und ſchien ſehr heiter. Wenige Stunden früher hatte er den Beſchluß des ſchweizeriſchen Bundesrathes erfahren, wodurch der Neuenburger Fehde die friedliche Löſung geſichert ward.
Beim Eintreten in den großen Tanzſaal rief ein Kam⸗ merthürſteher mit lauter Stimme:„der Kaiſer!“, worauf das Orcheſter das franzöſiſche Nationallied ſpielte.
Der Ball wurde der Etiquette nach mit der ſogenann⸗ ten kaiſerlichen Quadrille eröffnet, worin ſich nebſt Kaiſer und Kaiſerin die Glieder der kaiſerlichen Familie und die vornehmſten Botſchafter und Geſandten bewegten.
Während dieſer Quadrille bleibt der Marſchallſaal der Brennpunkt des Feſtes; denn da nach dem Willen des Kaiſers füy die kaiſerliche Quadrille nur ſo viel Raum frei bleibt, als für die Bewegung der Tanzenden noth⸗ wendig iſt, ſo drängt ſich um dieſelbe das ganze Publicum, beſonders die Damen, zuſammen.
Mit Ausnahme der Geſandten und der Miniſter, welchen die Ehrenplätze neben der kaiſerlichen Eſtrade vorbehalten ſind, werden alle Geladenen in den Tuilerien als ebenbürtig betrachtet und behandelt. So z. B. nach⸗
dem der geſchilderte Kaiſertanz beendet und damit der
Hofſitte Genüge geleiſtet iſt, miſchen ſich Kaiſer und Kai— ſerin gern unter die übrigen Tänzer.
Das reiche Büffet, das am Eingange des Theater⸗ ſaals errichtet iſt, und an welchem Kaiſer und Kaiſerin mitten unter ihren Gäſten Erfriſchungen nehmen, wurde von 50 Haushofmeiſtern in ſchwarzer Kleidung, den Stahl⸗ degen an der Seite, bedient. Ungeachtet über 4000 Per⸗ ſonen geladen waren, konnte man ſich eben ſo leicht in den verſchiedenen Räumlichkeiten bewegen, als nach Belieben den Schenktiſchen nähern, was vorzüglich dadurch ermög⸗ licht wird, daß den Offizieren eingeſchärft iſt, jedem Nicht⸗ militair, der eine Dame am Arme führt, Platz zu machen. Der Kaiſer will auf ſolche Art unter dem Offiziercorps die alte franzöſiſche Galanterie erwecken. Uebrigens wird jeder Fremde im Allgemeinen durch die ausnehmende Artigkeit der franzöſiſchen Offiziere höchſt angenehm berührt.
Die Abendmahlzeit(Souper) wurde nach Mitter⸗ nacht in der Speiſegallerie genommen. Mit Ausnahme des Kaiſers ſitzen nur Damen an der Tafel der Kaiſerin, zu welcher die Gemahlinnen der fremden Botſchafter und Geſandten, ſo wie der Miniſter gezogen werden. Die Herren ſtellen ſich während des Soupers hinter den Sitzen ihrer Frauen auf und laſſen ſich erſt dann, wenn die Da⸗ men geſpeiſt haben, an der Tafel nieder, ſo wie überhaupt das ſchöne Geſchlecht am Hofe Napoleons III., wo weib⸗ liche Anmuth und Liebenswürdigkeit die Ahnenprobe er⸗ ſetzen, überall den Vorrang behauptet.
Berichtigungen.
In Nr. 5, Seite 42 iſt zu leſen Beſſel auſtatt Baſſel.—
Worte:„in der 8. Venus.“— In Nr. 7 de
Seite 43 Sonnenſyſtem anſtatt Sternſyſtem Leſeſtübchens S. 27 muß es ſtatt Dr. James heißen Dr. Jenner.
— Weltenraum anſtatt Wolkenraum.— Tellus anſtatt Cellus. Auch fehlen die
Verlag von Hugo Scheube in Gotha.— Verantwortl. Redacteur: Hugo Scheube in Gotha.— Druck von Gieſecke& Devrient in Leipzig.
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