Da ſetzte ſich Valentin Horn in ſommerlicher Klei⸗ dung vor ſein Gehöfte und begann im raſchen Takt die Senſe zu dengeln, daß ſie morgen wieder luſtig in das üppige Gras ſchneide. Die grellen Schläge tönten in den Park herüber, aber Grube ließ ſich nicht ſtören, die Zeitung zu durchblättern, welche der Ma⸗ jor allabendlich zu ſeinem Lieblingsplätzchen mitnahm. Insbeſondere war es der Marktverkehr, der ihn feſ⸗ ſelte, und mit ſcharfen Blicken überflog er den Bericht, wie ſich die Preiſe des Getreides, der Papiere und des Hedes auf den bedeutendſten Handelsplätzen geſtaltet hatten.
welcher die höchſte Bildung, wie der einfachſte Lebensver⸗ ſtand ſich wohlthuend angeſprochen fühlen: danickten ſich die Männer freudig zu, und ſelbſt die Mädchen ſaßen ſtill und ſinnig, daß kein Wort an ihren Ohren vorüberging.
So nahm auch jetzt der Pfarrer das illuſtrirte Volksblatt, das ihm Grube reichte, und las bald von Städten und Ländern, von Menſchen und Sitten, die darin geſchildert waren, daß ſich gleichſam eine neue Welt vor den Blicken der Lauſchenden aufthat. Dann ließ er alte und neue Zeiten, frohe und traurige Tage an ihrem Geiſte vorübergehen oder zeigte ihnen das Leben verdienſtvoller Männer und Frauen wie in einem klaren
— Die Werrabahn.
Bald aber ſagte der Major, faſt ungeduldig:„Ei, ſo Spiegelbilde. Oder er wandelte mit ihnen bald durch die
laſſen Sie doch auch was hören!“ Dceenn es war zur ſchönen Sitte in dem gemüthlichen Kreiſe geworden, daß, wenn die Tagesgeſpräche beſeitigt
waren, bald aus einem anſprechenden Buche, bald aus
öffentlichen Blättern vorgeleſen wurde.
Vorzugsweiſe aber liebte man die volksthümliche Sprache, die in jeder Menſchenbruſt ein Echo findet und mit ihren ſüßen und doch gewaltigen Tönen unwill⸗ kürlich das Gemüth ergreift. Und wenn irgend ein Blatt den rechten Ausdruck für die Strömung des Zeit⸗ und Volksbewußtſeins, die rechte Tonart zu finden wußte, in
Werkſtätten der menſchlichen Betriebſamkeit, bald durch die Wunder der Natur und durch die Geheimniſſe des Himmels, daß die Blicke immer lichter, immer freier und die Herzen immer weiter und voller wurden. So vergaßen ſie über die Erde nicht den Himmel und über den Himmel nicht die Erde, über die Heimath nicht die Fremde und über die Fremde nicht die Heimath, über das tägliche Brot nicht die Bereicherung des Geiſtes und über die geiſtigen Schätze, die ſie ſammelten, nicht das tägliche Brot.
Plötzlich riefen die Knaben— es waren Ida's Brü⸗


