Vorwort.
Wir legen hier dem Publikum den erſten Jahrgang des„Feierabend“ zu einem Band geſammelt vor. Mannichfaltigkeit in Text und Bildern wird man ſchwerlich vermiſſen, und die allerdings bemerkbare Ungleichheit der Grundſätze, nach denen das Blatt im erſten Anfang und nach denen es ſpäter geleitet wurde, hoffentlich als einen Fortſchritt zum Beſſeren entſchuldigen. Wir haben uns
mehr und mehr überzeugt, daß es nicht die Aufgabe eines Volksblattes ſein darf, allzu tief
herabzuſteigen, daß es vielmehr bemüht ſein muß, das Publikum emporzuheben. Der letztere Grund⸗
ſatz hat ſich uns mehr und mehr als der leitende feſtgeſtellt und er wird es auch in Zukunft bleiben. Wir werden den Kreis unſrer Leſer nicht dadurch zu erweitern ſuchen, daß wir den Vorurtheilen und den philiſterhaften Gewohnheiten der Maſſe ſchmeicheln, daß wir dem ſchlechten Geſchmack und den gemeinen Leidenſchaften Nahrung und Befriedigung geben. Wir werden mit einem Wort nicht für den Pöbel ſchreiben. Wohl aber werden wir uns angelegen ſein laſſen, in den weiteſten Kreiſen Bildung des Geiſtes und des Herzens, Kenntniß der Natur und der Welt und ein richtiges
Bewußtſein der Stellung zu verbreiten, die der Einzelne zum Ganzen hat. Und durch die Ver⸗
folgung dieſes Zieles glauben wir den Charakter wahrer Popularität nicht zu verſcherzen, ſondern erſt zu verdienen. Auch laſſen die auf weite Leſekreiſe berechneten literariſchen Unternehmungen, die jetzt in großer Anzahl auftauchen, doch freien Raum genug übrig, um neben ihnen unſre eigen⸗ Stellung zu behaupten.
Insbeſondre ſchämen wir uns nicht, noch ſcheuen wir uns einen patriotiſch⸗nationalen Stand⸗ punkt unverrückt feſtzuhalten, und wenn wir einerſeits jede politiſche Parteitendenz, als mit einem Familienjournal unverträglich, abweiſen, ſo ſind wir andrerſeits der ſehr beſtimmten Ueberzeugung, daß patriotiſche Geſinnung und Bewußtſein unſrer nationalen Stellung zur Welt und zur Welt⸗ bewegung eine Pllicht iſt, der ſich in unſern Tagen der Einzelne nicht mehr entſchlagen kann, wenn er überhaupt einen Sinn für menſchenwürdiges Daſein hat. Wir konnten es deshalb nicht für angemeſſen, oder auch nur für möglich halten, dem politiſchen Indifferentismus zu dienen, d. h. um den Zuſammenhang des Einzelnen mit der Weltbewegung und der Weltregierung uns nichts zu
bekümmern, ſondern wir hielten uns verpflichtet, regelmäßige Berichte über das Weltleben und


