Jahrgang 
2 (1864)
Einzelbild herunterladen

Von J. H. Müller. 47

h mit dir ſoll Naſe und Ohren laſſen abſchneiden, dich zum Schelm machen und

n wer⸗ alſo zum Teufel jagen!

h ihm Darauf habe ich geantwortet: Ew. Excellenz, da behüte Gott vor. ſie Ich bin ſo wohl ein Menſch wie Sie, ob ich gleich ein Jude bin, und

meiſter verhoffe nicht, Ew. Excellenz werden ſo hart mit mir verfahren. Ich

bak zu habe es ja nicht verſchuldet und bitte tauſendmal um Gotteswillen um

Gnade. Nun, Jude, weil du um Gnade bitteſt, ſo ſoll dir auch Gnade widerfahren, alſo ſollſt du ſchaffen 400 Dukaten Ranzionz; ſo ſolches ge⸗ ſchieht, ſo ſollſt du entledigt ſein. Und ſofern du ſolch Geld nicht wirſt ſchaffen, ſo ſollſt du die Strafe ausſtehen, die dir diktirt iſt. Hierauf habe ich bei dem Herrn General⸗Major gebeten, er möchte mir doch Friſt geben, inzwiſchen wolle ich nach Hamburg an meine Freunde ſchreiben.

97 Der Herr General⸗Major hat darauf geantwortet: Ja, das kann wohl le⸗ ſein, aber du ſollſt an ſie keine hebräiſchen Briefe ſchreiben. Denn die 4 Schreiben ſoll der Bauſchreiber ſchreiben, du aber ſollſt ſie unterzeichnen. hei So iſt es geſchehen und hat man in den Brief alle Beſchuldigungen auf⸗ Vt genommen, wiewohl ich doch ſolche vorher abgelehnt hatte.

i Wie nun dieſer Brief nach Hamburg gekommen, iſt derſelbe an den

Hert Reſidenten Emanuel Tarxerer gebracht, welcher ſich meiner angenommen

und nach dem Fürſten Herzog Chriſtian von Mecklenburg, ſo anjetzt in 9 Hamburg iſt, ſich verfügt hat. Was allda unter ihnen vorgefallen, ſolches 6 9. iſt mir anjetzt noch nicht bekannt, ſintemal ich ſeit der Zeit nicht nach Hamburg geweſen bin, ſondern erſt hinzureiſen gedenke, meine Noth und 4 das ſchwere Procediren zu eröffnen. aufen, Alldieweilen keine Antwort auf meinen Brief von Hamburg gekom⸗ jir men und kein Geld der erforderten 400 Dukaten geſchickt wurden, bin Lüme⸗ ich fort darauf in einen neuen großen Karren geſchloſſen. Denſelben, 1 welcher mehr denn zuvor mit Erde geſchlagen und überhäuft geweſen, haben. habe ich müſſen von früh Morgens nach acht Uhr bis Abends fünf Uhr ict trecken und ſchleppen und hierbei hat der Profoß mit einem überzogenen dic dicken Bullengeſel bei mir hergehen und nicht allein auf den Rücken, ocln Schultern und Arme, ſondern auch vor die Schämen und um den ganzen Leib mich ſchlagen und alſo mich ganz elendiglich zurichten und tractiren müſſen. Und dies ſo lange, bis ich habe müſſen niederſtürzen und be⸗ ſchwiemen oder in Ohnmacht fallen, und dann ſo hat der Profoß mit meinem Hute Waſſer geholt und mich damit begoſſen und erquickt und

2