Jahrgang 
1857
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178 Die Camarilla

in Spanien.

Er hatte dies und andere Operationen unge⸗ fährdet ausführen können; denn aus dem erſt angeführten Grunde wurden die Prinzen und ihre Familien wenig beachtet, inſonderheit kümmerte ſich Niemand darum, ob ſie die ihnen im könig⸗ lichen Schloſſe angewieſenen Zimmer oder ihre Privatpaläſte bewohnten.

Letzteres war in der Regel der Fall und nur, wenn ſie bei den Feſten im Schloſſe erſchienen, geſchah Erſteres der Bequemlichkeit wegen.

Ausnahmsweiſe reſidirte jedoch Don Carlos bereits ſeit ungefähr acht Tagen im Schloſſe, ob⸗ ſchon ſeit der Feier des Weihnachtsfeſtes keine andere Feierlichkeit ſtattgefunden hatte. Der In⸗ fant war noch wach, als die genannten Perſonen in ſeinen Apartements erſchienen und ihm gemel⸗ det wurden.

Man erſuche die Herren einzutreten, lau⸗ tete ſeine Antwort.

Auf dieſe Einladung erſchienen indeſſen nur der Miniſter Lozano, der Prokurator und Alagon, während die andern fünf Miniſter im Vorzimmer verblieben.

Der Infant ging den Herren entgegen, in⸗ dem er ſagte:

Sie beehren mich ſpät, Sennores; indeſſen heiße ich Sie willkommen. Womit kann ich dienen?

Eure Hoheit mögen verzeihen! entgegnete Lozano, uns führt die Nothwendigkeit her, Sie von einem Schritte zu überzeugen, der nicht länger aufgeſchoben werden darf, wenn das Reich nicht gänzlich zu Grunde gehen ſoll.

Don Carlos nahm die Miene der äußerſten Ueberraſchung an und fuhr zurück.

Sie erſchrecken mich, Lozano! entgegnete er, was könnte dies für ein Schritt ſein?

Kein anderer, Hoheit, als daß Sie den Thron beſteigen!

Der Infant that noch erſchrockener, als zuvor.

Ich, rief er, Don Lozano, ich verſtehe Sie nicht, ich begreife nicht

Es ſchien dabei jedoch, als ſuche der Infant zu begreifen, indem er ſein Auge von einem der drei Männer zum andern ſchweifen ließ und in ihren Zügen leſen zu wollen ſchien.

Lozano ſagte jedoch kurz:

Die Vorbereitungen ſind getroffen, Hoheit!

⸗Wie, welche Vorbereitungen?

Inſofern, als man die Sache als verein⸗ bart annehmen wird, wenn Eure Hoheit alſo erlauben, ſo werden wir handeln!

Der Prinz ſchien einen Moment nachzudenken, und offenbar deuteten die verſchiedenen Bewegun⸗ gen ſeines Auges und ſeiner Geſichtszüge auf eben ſo viel verſchiedene Regungen in ſeinem Innern, welche jedoch zuletzt in eine Art von ſtolzem Aus⸗ druck verliefen, mit welchem er ſich emporhob und antwortete:

Sennores, ich verſtehe Sie nicht, ich weiß nichts von Ihren Handlungen und habe keinen Theil an Ihren Abſichten; ich bitte, laſſen Sie mich in Ruhe, entdecken Sie mir nichts weiter!

Dieſe Worte und der Ton, in welchem die⸗ ſelben geſprochen wurden, machten einen gewiſſen Eindruck auf Lozano, der ziemlich verwirrt ausrief:

Ah, Majeſtät, Hoheit wollte ich ſagen, ich dachte

Der Infant lächelte.

Verſtehen Sie mich recht, unterbrach er den Miniſter, ich werde mich nie weigern, das zu thun, was ich dem Staate und ſeinen Be⸗ wohnern ſchuldig bin, ja ich bin bereit, die ſchwerſte Bürde für jene zu übernehmen, ſobald ſie Jemand anders zu ſchwer wird, doch ich beabſichtige da⸗ mit nur meine Pflicht zu erfüllen, während mir ein ehrgeiziges Streben fremd iſt.*

Don Carlos ſprach dieſe letzten Worte mit ziemlicher Beſtimmtheit, und der ebenſo ſchlaue als freche Lozano begriff ſchnell; er verbeugte ſich und entgegnete:

So dürfen wir uns empfehlen, Hoheit!

Ich empfehle mich Ihnen! ſagte der In⸗ fant und jene drei Herren ſchritten hinaus.

Che ſie jedoch den Kollegen Lozano's nahe kamen, flüſterte dieſer ſeinen Begleitern zu:

Jetzt gilt es, Sennores; ſchlägt unſere Abſicht fehl, ſind wir verloren!

Die Geſellſchaft dirigirte ſich nach der Rich⸗ tung hin, in der die Gemächer des Königs lagen.

Als jene aber den großen Saal verließ und in mittelmäßiger Eile den Korridor entlang ſchritt, ſchlich leiſe eine Geſtalt, die bei dem trüben Lichte,

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