———
622 Novellen⸗Zeitung.
das Zimmer zeigend, das ich kürzlich verlaſſen hatte.„Noch immer beim Spiel? Das iſt doch zu ſchlecht!“„O, ſicher, es iſt nichts. Ich habe geſehen, daß mein Herr zwei Tage und zwei Nächte ohne Unterbrechung geſpielt hat. Aber es iſt nun Zeit für den Gottesdienſt und ich muß es ihm ſagen.“ Ich trat hinter ihm in das Zimmer. Es war Sonntag Mor⸗ gens, eine halbe Stunde vor dem Gottesdienſt, und die Männer, welche den Gottesdienſt zu halten hatten, ſaßen mit geröthetem Geſicht, gierigem Blick, aufgelöſtem Haar und unordentlichem Anzuge um einen Tiſch herum. Die Kerzen waren in ihren Leuchtern herabgebrannt; das Tageslicht ſtrömte durch die mit vielen kleinen Läden verſehenen Fenſter in das Zimmer. Die Branntwein⸗ und Weinflaſchen waren leer. Ein großer Krug voll Kwas ſtand auf einem Seiten⸗ tiſche; alte Karten lagen auf dem gemalten Fußboden zerſtreut umher und die Atmoſphäre war voller Tabaksrauch, denn das Rauchen war noch nicht zu Ende. Ich ſah bei dem erſten Blick, daß das Glück im Spiele dem Engländer untreu geworden war. Der Prieſter verlor.„Sie gewinnen es wieder,“ fagte er zu mir, als ich eintrat.„Ich habe dreihundert gehabt und habe jetzt nur funfzig.“„Ei,“ ſagte der ſchlanke Prieſter, „und dieſes Spiel wird die funfzig auch zurückbringen; es iſt für funfzig— iſt es nicht?“ Dann trat der Küſter ein und ſchritt ſo ruhig und unbekümmert voran, als ob das Spiel eine ganz paſſende und gewöhnliche Vorbereitung für den Gottesdienſt ſei, und nachdem er ſich ehrfurchtsvoll bekreuzt hatte, ſagte er dem erſten Geiſtlichen, in einer halben Stunde ſei es Zeit, mit dem Gottesdienſte zu beginnen.„Ganz gut, Waſſilia, mein Sohn. Störe mich jetzt nicht, aber höre, komm genau drei Minuten vor acht Uhr wieder.“„Ich höre und gehorche,“ ſagte Waſſilia und verſchwand. Ich kann nicht ſagen, daß dieſe Männer betrunken waren; im Gegen— theil ſchienen ſie mir nüchterner zu ſein, als ſie es um 2 Uhr waren, wo ich ſie verlaſſen hatte; aber der Spielteufel hatte ſie in ſeinen Klauen; ſie waren dabei ſo friſch und davon ganz in Anſpruch genommen, als ob ſie nur zwei oder drei Stunden geſpielt hätten. Meine Vorſtellungen und Er⸗ mahnungen ſtellten ſich als ganz nutzlos heraus und ich ſetzte mich mit einer unwilligen Neugierde nieder, um das Ende zu erwarten. Der Prieſter und ſein Mitſpieler verloren. Pins und ſein Mitſpieler gewannen weitere funfzig. Das nächſte Spiel ſollte doppelt oder quitt ſein und ein neues Spiel Karten wurde gegeben; und da ich den ſchlanken Prieſter eben betrachtete, ſah ich, wie ſein Geſicht ſich aufhellte und wie er mit ſeinem Mitſpieler einen Blick des Einverſtändniſſes aus⸗ tauſchte. In dieſem Augenblicke trat der Küſter wieder ein und ſagte:„Es iſt drei Minuten vor acht Uhr.“ Alle, der ſchlanke Prieſter ausgenommen, warfen ihre Karten auf den Tiſch und ſtanden mit den Worten auf:„Nach dem Gottes⸗ dienſt ein friſches Spiel.“„Nein, nein,“ ſagte er zu ſeinem Mitſpieler,„behalten Sie Ihre Karten; ich werde die meinigen behalten, ſie ſind gut, und wir werden das Spiel nach unſerer Rückkehr ſpielen. Waſſilia, gieb mir ein feuchtes Handtuch; das iſt genug. Nun, meinen Ornat,— dort den Kamm, und nun gehe ein Jeder an ſeinen Poſten. Ich werde ſofort dort ein.“ Indem er das ſagte, ſchritt er mit feſtem Schritt auf ſdie Kirche zu, in die er durch ſeinen Privateingang eintrat. Als er das Zimmer verließ, ſahen wir, wie er ſeine guten Karten auf der inneren Seite ſeines heiligen Ornats in eine Taſche ſteckte. Er war augenſcheinlich entſchloſſen, ſeine Trümpfe nicht aus ſeinem Bereich zu laſſen und nahm ſie deshalb in ſeinem Ornate mit in die Kirche. Ich lief um die
zu rechter Zeit, um Augenzeuge des Anfangs des Gottesdienſtes zu ſein. Es iſt ein Wunder, daß den erſten Geiſtlichen kein Unheil traf. In einer Art geſchah es aber doch. Bei dem einen Theile des Gottesdienſtes, gerade als er vor den Altar treten wollte, ſteckte er die Hand in die Taſche, um ſein Taſchentuch herauszuziehen, und als er es hervorzog, kamen die Karten unverlangt ebenfalls mit und fielen zerſtreut vor dem Altar nieder. Einen gewöhnlichen Mann würde das förmlich gelähmt haben, aber dieſer Pope war nicht aus ſeiner Faſſung zu bringen. Er blickte ganz kalt auf die Kar⸗ ten, dann feſt auf die Gemeinde, als wolle er ihr ſagen:„Ihr Alle ſeht das; nehmt Kenntniß davon; ſpäter werde ich Euch Näheres darüber ſagen.“ Er ſetzte dann ruhig den Gottes⸗ dienſt fort. Am Ende deſſelben zeigte er auf die Karten und dann winkte er einem kleinen Bauerknaben mit ganz blondem Haar, der, in ein Hemd von grober Leinwand und Beinkleider von demſelben Stoff, die nicht beſonders rein waren, gekleidet, neben einer armen Bauersfrau, ſeiner Mutter, ſich bekreuzt und verbeugt hatte und rief ihm zu:„Komm hierher, Knabe!“ Der Knabe ging. Dann ſich zur Gemeinde wendend, ſagte er: „Ich werde Euch eine Lehre geben, die Ihr gewiß für lange Zeit nicht vergeſſen werdet. Ihr ſeht dieſe Karten, die hier
auf dem Fußboden liegen. Denkt Ihr, daß ich ſie umſonſt
dahin geworfen habe? Wir werden ſehen. Wie heißeſt Du, Knabe?“„Peter Petrowitſch.“ Gut, Peter Petrowitſch, gehe und hebe eine von den Karten, die hier auf dem Fuß⸗ boden liegen, auf und bringe ſie mir. Dieſe reicht hin. Nun ſage mir, Peter Petrowitſch, welche Karte iſt das?“„Das Piqueaß,“ lautete die Antwort des Knaben, ohue ſich einen Augenblick zu beſinnen.„Sehr gut, Peter Petrowiſch; brina' mir noch eine andere Karte, das iſt ein guter Knabe. W Karte iſt das?“„Die Piquekönigin,“ ſagte Peter.„
gut Du die Karten kennſt, Peter Petrowitſch! Bringe mir noch eine andere. Und was wird das ſein?“„Die Coeur⸗ zehn.“„Das iſt genügend, Peter, Sohn Peters. Nun kehre Dich um und betrachte dieſes Bild. Kannſt Du mir ſagen, welchen Heiligen es darſtellt?“ Der Knabe kratzte ſich auf dem Kopfe, dann zuckte er mit ſeinen Schultern, die er bis an ſeine Ohren in die Höhe zog, kratzte ſich wieder auf dem Kopfe und antwortete endlich:„Das weiß ich nicht.“„Nun ſieh das an. Welcher Heilige iſt das?“ Dieſelbe Antwort. „Und dies?“„Ich kann es nicht ſagen.“„Es iſt genug, Peter, Peters Sohn. Du kannſt nun zu Deiner Mutter gehen.“
Sich dann an die Gemeinde wendend, fuhr er fort: „Wißt Ihr nun, weshalb ich dieſe Karten dahin warf? Haltet Ihr es nicht für eine Schande, ſagt, iſt es nicht ſchmachvoll und ſcandalös, daß dieſer hübſche Knabe mit ſeinen blonden Haaren mir den Augenblick den Namen jeder Karte angeben kann, während er keinen einzigen Namen unſerer geſegneten Heiligen kennt? O, Schande, Schande für Euch, Eure Kinder in einer ſolchen Art zu erziehen, nach den vielen guten Lehren, die ich Euch gegeben habe! Geht fort und lernt die Lection, welche ich Euch an dieſem geſegneten Tage gegeben habe. Vergeßt ſie nicht und zwingt mich nicht wieder, Karten an dieſen heiligen Ort mitzubringen. Waſſilia, hebe die anderen Karten für mich auf.“ So verließ er feierlichen Schritts die Kirche, um ſein unterbrochenes Spiel für hundert Rubel zu Ende zu führen. C.
Kirche herum nach dem Haupteingang und kam gerade noch!
wer ſich ſo, ſchönen weih ſcjenen, ho Inneres ſeht u welchen Stal ſtle als eine nele Hauſes dich etwas Schme Finger befrei ſeinn Mun Augen weit er an ſeine plötzlich die — in der macht habe, zur nähern dankens. 2 Muſchel ur Molluske ſe inaugurirte Auſterbangu des Thieres oder einem( und ebenſo Buter.
Eine Wette um nicht ein V fofort an! ſogleich in merkte, ſie ſei.„Zu ſie bereits „Du haſt meine die!
Einj gläch ge ab, warf und unter
Morgen er ganz r


